Spuren des Todes durch Ostbayern verfolgt

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Was ist mit der Flossenbürgerin Monika Frischholz geschehen? Wer hat Gertrud Kalweit in Amberg ermordet? Warum musste Weidens Nachtclubkönig Walter Klankermeier sterben? Mit solch spannenden Fragen beschäftigt sich ein neues Taschenbuch.

Einer der spektakulärsten Fälle der vergangenen Jahre war der Prozess um den Mord an Maria Baumer. Acht Jahre nach der Tat stand vor dem Landgericht Regensburg der Verlobte vor Gericht.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

In Bayern gibt es schätzungsweise an die 200 „Cold Cases“, die seit Jahrzehnten darauf warten, dass neue kriminalistische Methoden doch noch Licht ins Dunkel der Ermittlungen bringen. Oft erfolglos, so wie bislang beim Fall der 1976 spurlos verschwundenen Flossenbürger Schülerin Monika Frischholz, den die Kripo vor kurzem noch einmal aufgerollt hat. Manchmal aber auch erfolgreich, wie beim Mord an einer 17-jährigen Hauswirtschaftsschülerin 1986 in Patersdorf im Landkreis Regen in Niederbayern. Nach 15 Jahren konnte die Polizei nach einem revolutionären Sprung bei der Auswertung alter DNA-Spuren mit einer genetischen Reihenuntersuchung den Täter überführen.

Die Ermittler im Jahre 1980 gingen mit der gebotenen Sorgfalt und den damals vorhandenen technischen Mitteln an den Mordfall Gertrud Kalweit heran. Im Bild im Vordergrund: Oberstaatsanwalt Klaus Pfannschmidt (Zweitervon rechts) und Hauptkommissar Josef Lettl.

Autorin Isolde Stöcker-Gietl widmet sich in ihrem Buch, das nach einer Podcastserie entstanden ist, ungeklärten und spektakulären Mordfällen in der Region. Die Regensburger Autorin rollt zehn Aufsehen erregende Verbrechen auf. Sie gewährt damit nicht nur faszinierende Einblicke in die Aufklärungs- und Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei, sondern beschäftigt sich auch mit dem Schicksal der Angehörigen, denen es die Ungewissheit schwierig bis unmöglich macht, das Geschehene zu bewältigen.

Einer der geschilderten ungeklärten Fälle hat sich im März 1980 im Amberger Stadtgraben ereignet. Dort wurde Gertrud Kalweit Opfer eines furchtbaren Sexualverbrechens, das nie geklärt werden konnte. Die 38-Jährige kehrte von einer Nachmittagsschicht im Stanz- und Emaillwerk Gebrüder Baumann nicht mehr nach Hause zurück. Kurz nachdem sie sich am Kreisverkehr von einer Arbeitskollegin getrennt hatte, muss ihr der Mörder begegnet sein, gut 600 Meter entfernt von ihrer Wohnung, in der eine Enkelin sie erwartete. Der Rathaus-Hausmeister entdeckte beim Gassigehen mit seinem Dackel später die Leiche der ledigen Mutter von zwei erwachsenen Töchtern in einer Ligusterhecke. Sie war schrecklich zugerichtet und vergewaltigt worden. Trotz einiger Spuren, darunter die einer seltenen Blutgruppe, konnte der Fall nie geklärt werden.

Hier gibt es mehr zum Fall Kalweit

Amberg

Mehr Erfolg bei der Arbeit hatte die Kripo beim Mord, der in den 80er-Jahren an einer Hauswirtschaftsschülerin im Landkreis Regen begangen worden war. Etwa 15 Jahre nach der Tat ermittelte die Polizei im Jahr 2001 den Täter. Er lebte noch in der Gegend, war Rettungssanitäter, galt als freundlicher, hilfsbereiter Nachbar und war in vielen Vereinen engagiert. Der jahrelang Gesuchte führte ein unauffälliges Leben, hatte geheiratet und war Vater einer minderjährigen Tochter. Keiner hatte ihm diesen abscheulichen Mord zugetraut. Nach Überzeugung des Gerichts hat der gelernte Glasbläser die Schülerin mit brachialer Gewalt mit einer Schneestange, die er zufällig am Straßenrand entdeckte, getötet. Dann ließ er sein Opfer halb bekleidet bei einem Rastplatz an der B 15 liegen.

Leiche von Klankermeier entdeckt

Auch der spektakuläre Mord am Weidener Nachtclubkönig Walter Klankermeier im Jahr 1982 wird auf 14 Seiten abgehandelt. Wochen nach dem Verschwinden entdeckte ein Ehepaar den teilweise bereits verwesten Leichnam des Rotlicht-Unternehmers beim Pilzsuchen in einem Waldstück bei Bechtsrieth im Landkreis Neustadt/WN. Sie lag in einer Grube unter Gestrüpp, gar nicht so weit von Weiden entfernt. Die Rechtsmedizin in Erlangen stellte als Todesursache einen gezielten Schuss ins Herz fest. Die Todesumstände und die Gründe für das Ableben sind noch immer unklar. Es ist immer wieder von einer regelrechten Hinrichtung die Rede.

Kurz vor seinem Tod hatte Klankermeier noch seinen Nachlass geregelt. Nach Überzeugung seines Rechtsanwalts, Dr. Burkhard Schulze aus Weiden, war der Nachtclubkönig von Todesahnungen geplagt. Alleinerbin war eine evangelische Pfarrerstochter.

Schülerin verschwindet

Seit 25. Mai 1976 ist die Flossenbürger Schülerin Monika Frischholz verschwunden. Sie verließ die Wohnung, um sich mit Freunden zu treffen und kehrte nie nach Hause zurück. Die Polizei geht davon aus, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. 2019 begann man nach einem neuen, sehr konkreten Hinweis wieder nach dem Mädchen zu suchen. Der Ort Waldkirch, in den ihre Klasse am Vormittag einen Bittgang unternommen hatte, rückte nun in den Fokus der Nachforschungen. Der zu dieser Zeit schwer an Krebs erkrankte Bruder hoffte, vor seinem eigenen Tod endlich Blumen am Grab seiner Schwester ablegen zu können. Der Wunsch ging nicht in Erfüllung. Der Bruder erlag während der neu aufgenommenen Ermittlungen seinem Leiden. Die Ermittlungsgruppe löste sich 2019 wieder auf - ohne einen Tatort oder eine Leiche gefunden zu haben.

Die Suche nach dem Leichnam von Monika Frischholz blieb auch Jahrzehnte nach der Tat erfolglos.

Der jüngste geschilderte Fall ist der von Maria Baumer, die aus Muschenried im Landkreis Schwandorf stammte. Kurz nach ihrer Wahl zur Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung verschwand sie im Mai 2012 urplötzlich von der Bildfläche. Nach der jungen Frau, die verlobt war und Hochzeitspläne schmiedete, wurde nicht nur auf dem Jakobsweg in Gevelsberg, in einer Hamburger Kneipe und an der Autobahn bei Weiden gesucht, sondern auch in Bosnien-Herzegowina, in Russland, im Senegal und in Tibet.

Hier erfahren Sie mehr über den Mord an Maria Baumer

Regensburg

16 Monate nach ihrem Verschwinden entdeckten Pilzesammler im Landkreis Regensburg die Reste der Leiche - genau an dem Tag, an dem das Opfer ein Jahr davor ihrem Verlobten in der Kirche in Muschenried das Jawort hatte geben wollen. Über sieben Jahre später, am 6. Oktober 2020, verurteilt die Schwurkammer dann den 36-Jährigen Verlobten zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes an Maria Baumer. Der Verurteilte hatte sich nach Überzeugung des Gerichts in eine Andere, eine Patientin verliebt, der nun seine ganze Zuneigung galt. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil der Verlobte, der später des Mordes überführt wurde, in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ aufgetreten war und um Mithilfe bei der Suche nach der Vermissten gebeten hatte: ein bis dahin einzigartiger Fall in der deutschen Fernsehgeschichte.

16 Monate nach ihrem Verschwinden wurden die Leichenreste von Maria Baumer gefunden. Im Sterbebild blieb der Todestag offen.

Das Buch liefert aber nicht nur jede Menge Fakten und Hintergrundinformationen über schlimme Verbrechen in der Region, sondern macht dabei auch deutlich, wie entscheidend für eine spätere Aufklärung der Zustand und der Umfang der eingelagerten Asservate, darunter winzige Hautpartikel an Fingernägeln, DNA-Spuren an Kleidungsstücken und eingelagerte Bodenproben, sind. Und es unterstreicht, dass sich Täter auch Jahre nach einem Verbrechen nicht in Sicherheit wiegen dürfen. Mord verjährt nie.

Mehr zum Fall Monika Frischholz

Flossenbürg
Die Kripo gibt nicht auf. Monika Frischholz aus Flossenbürg ist seit 25. Mai 1976 spurlos verschwunden.
Hintergrund:

"Auf den Spuren des Todes"

Hier die wichtigsten Informationen zum Buch.

  • Das Buch „Auf den Spuren des Todes“ ist in der Battenberg-Gietl-Verlags-Gruppe in Regenstauf erschienen, hat 200 Seiten und ist für 17,90 Euro über den Buchhandel erhältlich.
  • Die Fälle: Es werden darin zehn Kriminalfälle aus den Landkreisen Cham, Kelheim, Neustadt/WN, Regensburg, Straubing-Bogen und Schwandorf sowie den kreisfreien Städten Amberg, Regensburg und Weiden beleuchtet.
  • Die Autorin: Isolde Stöcker-Gietl ist Diplom-Betriebswirtin und arbeitet seit 1998 in einem Medienhaus der Oberpfalz als Redakteurin. 2017 wurde sie für die Berichterstattung um das Gebaren eines Investors beim Fußballverein Jahn Regensburg mit dem mit 1500 Euro dotierten Eberhard-Woll-Preis des Presseclubs Regensburg ausgezeichnet.
Das Buch "Auf den Spuren des Todes" beleuchtet spektakuläre Kriminalfälle in Ostbayern.

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