10.01.2021 - 12:09 Uhr
AmbergOberpfalz

32 Kreative häkeln 3000 Schmetterlinge als Corona-Lichtblick

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Knapp 3000 Schmetterlinge flattern jetzt mitten in Stuttgart: 32 Kreative aus ganz Deutschland haben sie gehäkelt - als Lichtblick in der Pandemie. Die Oberpfalz ist auch vertreten.

Knapp 3000 Schmetterlinge flattern jetzt mitten in Stuttgart: 32 Kreative aus ganz Deutschland haben sie gehäkelt - als Lichtblick in der Pandemie. Die Oberpfalz ist auch vertreten.
von Heike Unger Kontakt Profil

Die Idee zu einem Kunst-Projekt mit gehäkelten Schmetterlingen in Stuttgart stammt von Elke Hahn. Die Stuttgarterin hält bereits einen Weltrekord im Häkeln und taucht, oft auch mit anderen zusammen, immer wieder mit aufsehenerregenden Häkeln-Aktionen in der Öffentlichkeit auf – zuletzt mit den "Wollkenkratzern" in Frankfurt und mit mehreren Häkel-Objekten zum Mauerfall in Berlin zum Tag der Deutschen Einheit. "Yarnbombing" oder "Guerrillastricken" nennt sich diese Form von Streetart (Straßenkunst), die ihre Ursprünge in den USA hat.

Diesmal also Schmetterlinge. Die Idee kam Elke Hahn, weil sie zur Corona-Risikogruppe gehört. Deshalb, sagt sie, beschäftige sie die Pandemie besonders. "Und das, was mich besonders bewegt, versuche ich, in Yarnbombing-Projekten zu zeigen." Ihr Gedanke bei der aktuellen Aktion war es, die Pandemie häkelnd zu verarbeiten, mit einem positiven Ansatz - so kam sie auf die Schmetterlinge. Für Elke Hahn "ein Symboltier für Veränderung, Leichtigkeit und Freiheit - alles Dinge, die wir derzeit vermissen und gerne wieder zurückhaben wollen".

Die Yarngang ist wieder aktiv

Bei einem virtuellen Treffen des Yarncamps (eine Tagung von Kreativen aus ganz Deutschland, die einmal im Jahr in Frankfurt stattfindet) stellte sie ihre Idee vor - und fand sofort die ersten Mitstreiter. Einige von ihnen gehören zur Yarngang, einer Gruppe um Elke Hahn und den Frankfurter David Wasser, die im vergangenen Jahr mit einem großen Häkel-Kunstwerk mitten in der Frankfurter Altstadt deutschlandweit großes Medieninteresse gefunden hat.

"Wollkenkratzer" Häkelkunst in der Frankfurter Altstadt

Amberg

Die Yarngang hat jetzt Zuwachs bekommen: Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und per Internet haben sich hier für das Schmetterlingsprojekt 32 Kreative zusammengeschlossen - unter anderem aus Frankfurt, Stuttgart, Berlin, Halle und Leipzig. Die Mitglieder kennen sich zum Teil persönlich, zum Beispiel aus dem Fasercafé München, zum Teil sind sie sich hier aber auch zum ersten Mal begegnet.

Das geschieht virtuell: Per WhatsApp spricht sich die Gang ab, häkeln tun die Mitglieder bei sich zu Hause, und zwar seit Ende 2020. In den vergangenen Tagen trafen dann kartonweise Schmetterlinge bei Elke Hahn in Stuttgart ein. Auch die Oberpfalz ist vertreten: Onetz-Redakteurin Heike Unger, die schon bei den "Wollkenkratzern" in Frankfurt mitgemacht hat, hat dafür gesorgt, dass in Stuttgart nun auch 313 Amberger Schmetterlinge mitflattern.

Über 17 Kilo Garn verhäkelt

Dass es am Ende, innerhalb weniger Wochen, insgesamt fast 3000 Häkel-Schmetterlinge werden würden, hat sogar die Initiatorin überrascht. "Dass das so ein Ausmaß annimmt, damit habe ich nicht gerechnet", gibt Elke Hahn zu. 32 Teilnehmerinnen, die älteste von ihnen ist 77 Jahre alt, haben insgesamt 17,2 Kilo Acrylgarn verarbeitet - das sind 344 Knäuel à 50 Gramm mit einer Gesamtlauflänge von 45,7 Kilometern.

Noch mehr als über die blanken Zahlen freut sich Elke Hahn aber über die Dynamik, die sich in der Gruppe entwickelt hat. Hier entstanden nicht nur die Schmetterlinge, sondern auch neue Kontakte in der Pandemie, eine eigene Website (www.yarngang.de) und eine Häkel-Anleitung zum Projekt für alle, die Lust bekommen, selber aktiv zu werden. Das war von Anfang an ein Ziel, das der Initiatorin vorschwebte: Sie hofft, dass das Projekt in Stuttgart einen Anstoß für weitere, ähnliche Aktionen in anderen Städten werden könnte.

Weitere Häkel-Projekte geplant

Genau das geschieht jetzt. Teilnehmerinnen aus Frankfurt und München überlegen schon, in welcher Form sie auch in ihren Städten Häkel-Schmetterlinge fliegen lassen können. Auch in Amberg könnte so eine Yarnbombing-Aktion entstehen. Wer gern häkelt oder strickt und Interesse an so einem Projekt im Raum Amberg-Sulzbach hat, kann sich per Mail melden (heike.unger[at]oberpfalzmedien[dot]de).

Die Stuttgarter Schmetterlinge haben ein paar Mitglieder der Yarngang am Sonntag mitten in Stuttgart "installiert", als ersten "Hotspot against Corona", wie die Aktion offiziell heißt. Die bunte Häkelkunst soll ein "sichtbarer Hoffnungsschimmer" sein, an dem sich Menschen erfreuen können, erklärt Elke Hahn.

Mit einer Genehmigung der Stadt und mit Hilfe einer Hebebühne wurden die knapp 3000 gehäkelten Falter an dünnen Nylonschnüren an die derzeit kahlen Äste einer uralten Kastanie am Eugensplatz gehängt. Normalerweise werden Yarnbombing-Aktionen geheim umgesetzt: Der Überraschungseffekt gehört eigentlich dazu. In diesem Fall hielten es die Teilnehmer aber für gut, vorab eine offizielle Genehmigung einzuholen - für die Aktion an sich und wegen der Corona-Vorgaben auch für den Aufbau.

Chance auf einen Weltrekord

Bis Anfang März dürfen die Schmetterlinge nun mit amtlichem Segen in Stuttgart fliegen. Danach werden sie wieder abgenommen, damit der Baum ungehindert austreiben kann. Die Gang denkt daran, sie dann für einen guten Zweck zu versteigern. Vorher aber wird sie vermutlich noch eine ganz besondere Erinnerung an dieses Projekt bekommen: Es wird offiziell als Häkel-Weltrekord angemeldet und hat gute Chancen, den Titel "größter gehäkelter Schmetterlingsschwarm der Welt" auch zu bekommen.

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