03.09.2021 - 16:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Abbruch im Amberger Schlachthof hat begonnen

Die erste Halle ist abgerissen, weitere Gebäudeteile folgen: Am ehemaligen Schlachthof in Amberg haben die Abbrucharbeiten begonnen. Die Stadt erledigt gerade die Vorarbeit für das, was hier entstehen soll – eine Boulderhalle.

Der Abriss von Teilen des ehemaligen Schlachthofs in Amberg hat begonnen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Einiges wird verschwinden, anderes wird eine neue, ganz andere Nutzung bekommen: Ein Teil des alten Amberger Schlachthofes soll zu einer Indoor-Anlage für Kletterer umgebaut werden. Diesen Teil des Geländes verkauft die Stadt Amberg an die Blockhelden, Betreiber von Boulderhallen in Erlangen und Bamberg, die hier Großes planen. Aber zuerst ist es am Alt-Eigentümer, der Stadt, die dafür nötigen Abbrucharbeiten erledigen zu lassen: Das, was für die künftige Nutzung nicht mehr gebraucht wird, soll verschwinden. Ebenso wie Schadstoffe und Altlasten auf dem lange verwaisten Gelände. Das geschieht momentan.

Die erste Halle ist bereits abgebrochen, von weiteren Gebäuden müssen zumindest Teile ebenfalls entfernt werden. So wird beispielsweise der derzeit noch von Anbauten umgebene Kühlturm des Schlachthofs "freigelegt", er wird künftig tatsächlich als frei stehender Turm auf dem Gelände erhalten bleiben. Ein ehemaliger Kuhstall, in dem früher die Tiere zur Schlachtung untergebracht wurden, ist bereits rückgebaut. Dieser Bau bleibt stehen, er gehört weiterhin der Stadt. Was daraus werden soll, ist derzeit noch nicht entschieden. Stefan Graf, der Geschäftsführer der Amberger Ingenieursgesellschaft Umbraculi, die im Auftrag der Stadt die Abbrucharbeiten am Schlachthof geplant hat, hätte da schon eine Idee: Der Bau mit seinen Gewölben und den dekorativen Metallpfeilern eigne sich perfekt als Disco. "Die Schallschutzmauer ist schon da" und sie bleibt auch da. Solche Nachtclubs für die Jungen gebe es ja praktisch gar nicht mehr, bedauert Graf und sieht in dieser Idee deshalb großes Potenzial.

Bislang keine bösen Überraschungen

Industriebrachen wie der alte Schlachthof haben es oft in sich und geben bei Abriss oder Umbau oft unangenehme Überraschungen frei. Davon sei man bislang verschont geblieben, berichtet Graf. Auch Denkmalschutz sei im alten Schlachthof kein Thema. Er datiert in seinen Anfängen zurück auf das Jahr 1892, wurde dann mehrfach erweitert, umgebaut und modernisiert – und blieb doch immer ein städtischer Schlachthof, bis 2020 dem letzten Mieter gekündigt wurde. Im Juli haben nun die Abbrucharbeiten angefangen.

Weil man aufgrund der früheren Nutzung mit Gebäudeschadstoffen und Altlasten rechnete, haben die Experten Gebäude und Gelände vorher sehr genau unter die Lupe genommen. Und bislang tatsächlich nur gefunden, was sie erwartet haben, wie Graf bei einem Besuch auf der Baustelle berichtet: Schadstoffe wie Asbest, alte Mineralwolle, Teer, Flammschutzmittel, Ölverunreinigungen und natürlich Altlasten wie Ammoniak aus den Kühlanlagen. In der Fleischverarbeitung hier habe es früher Kühlwände gegeben, die die gewünschte niedrige Temperatur über Ammoniakverdampfung bekamen, erläutert Graf. In der noch vorhandenen Dämmung des Ammoniak-Tanks habe man Schadstoff-Werte gemessen, die auch der damit befasste Fachmann bislang noch nicht gesehen hatte. 3200 Quadratmeter dieser massiven Kühlwände müssen abgebaut werden.

1945 von Bomben getroffen

Glück hatten die Beteiligten bei einem anderen Thema. Das Gelände befindet sich in der Nähe des alten Heereszeugamts, das zwei Wochen vor Ende des Zweiten Weltkriegs, im April 1945, noch bombadiert wurde. Aus alten Unterlagen wisse man, dass auch der Schlachthof damals zwei Treffer abbekam. Insofern musste man laut Graf mit Bombenfunden auf dem Grundstück rechnen. Das haben Fachleute inzwischen untersucht und konnten Entwarnung geben. "Wir sind nicht betroffen", freut sich Graf. Damit bleiben die Kosten für die Abbruchmaßnahmen bei den kalkulierten 850.000 Euro, von denen 45 Prozent auf Gebäudeschadstoffe und Altlasten entfallen. Graf ist zuversichtlich, dass auch im weiteren Verlauf der Rückbau-Arbeiten keine großen Überraschungen mehr auftauchen.

Die bedenklichen Stoffe und Materialien werden händisch ausgebaut und entsorgt, bevor der Bagger loslegt. Es gebe also eine Art "Vortrupp, der die Altlasten wegschafft", betont Graf. Danach kann der "Brecher", eine gewaltiger Maschine, abgerissene Gebäudeteile zerkleinern. Metallteile holt ein spezieller Magnet aus dem Bauschutt, die verschiedenen Materialien werden sauber getrennt, entsorgt oder wiederverwertet. Bei Altmetall geht das ebenso wie bei dem Material, das der "Brecher" ausspuckt. Es kann als Unterbau bei neuen Bauvorhaben verwendet werden, etwa für Parkplätze oder als Schotterschicht unter Bodenplatten für Häuser. Insgesamt rund 31.000 Kubikmeter Gebäudeabbruch werden hier entstehen – das entspricht laut Graf rund 500 Lkw-Ladungen.

Verkehr wird beeinträchtigt

Während die Arbeiten momentan noch relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit im hinteren, von der Schlachthausstraße aus nicht einsehbaren Bereich laufen, werden sie sich demnächst allgemein bemerkbar machen: Wenn Teile der direkt an der Schlachthausstraße gelegenen Gebäude abgerissen werden, muss die Durchgangsstraße halbseitig für den Verkehr gesperrt werden. Voraussichtlich Mitte Oktober werde das sein, kündigt Wolfgang Zehent vom Baureferat/Stadtentwicklung an. Schon nächste Woche könnte auch schon kurzzeitig eine kleine Baustelle den Verkehr beeinträchtigen: Die Stadtwerke müssen hier alte Gas- und Wasserleitungen abklemmen.

"Bis Ende Dezember" sollen alle Abbrucharbeiten auf dem Gelände erledigt sein, so umreißt Zehend den Zeitrahmen. Ziel der jetzt laufenden Maßnahmen soll es laut Stefan Graf auch sein, das 12.350 Quadratmeter große Gelände für die künftige Nutzung zu teilen. Die Stadt plane hier eine Verbesserung der Rad- und Fußwegverbindungen und eine Anbindung des Milchhofviertels. Dazu kommen private Vorhaben wie die Boulderhalle und die Erweiterung des Firmengeländes von Elektro Färber. Dass die Stadt die Abbrucharbeiten erledigt, um eine neue Nutzung, auch von privater Hand, zu ermöglichen, erklärt Zehend mit dem Umfang des Projekts. "Wir haben hier mitten in Amberg seit 15 Jahren eine Industriebrache: Die zu revitalisieren, ist schon eine Aufgabe." Um hier eine neue Nutzung zu ermöglichen, packe die Stadt mit an. Zumal es dafür, wie Stefan Graf hinzufügt, auch eine Förderung gibt.

Aus Teilen des Schlachthofs soll eine Boulderhalle werden

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