22.04.2021 - 10:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Aus Lost Place wird Boulderhalle Amberg: "Verliebt" in den Schlachthof

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Aus dem Amberger Schlachthof wird eine Boulderhalle. Ja, immer noch. Der Investor Blockhelden GmbH hält daran fest. Nur der ehrgeizige Zeitplan musste mit dem Lockdown im Genick überarbeitet werden. Nächste Woche ist Notartermin.

Teile des ehemaligen Schlachthofs in Amberg werden zu einer Boulderhalle umgebaut. Das Kerngebäude mit dem Gewölbe geht auf das Jahr 1900 zurück.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Die Indoor-Sport-Pläne für das brachliegende Areal Schlachthof begannen bereits 2019. Blockhelden, Betreiber von Boulderhallen in Erlangen und Bamberg, meldeten ihr Interesse am Standort Amberg an. "Leider kam es nach der Veröffentlichung des Projekts beim Pressetermin im Rathaus im März 2020 direkt zu einem bereits einjährigen Verzug. Die Finanzierung wurde noch einmal diskutiert und nicht zuletzt wurde die Komplexität der Revitalisierung des Areals unterschätzt. Mit neuem Zeitplan und vielen nun geklärten Details wollen wir einen zweiten Anlauf nehmen", hieß es jetzt von Geschäftsführer Simon Brünner.

Geplant sind 1100 Quadratmeter Boulderfläche mit etwa 300 Routen. Außerdem wird es einen Bereich für Yoga, Kinder und Gastronomie geben. Rund 3,5 Millionen Euro müssen voraussichtlich in Erhalt und Neubau investiert werden. Hinzu kommen Abbrucharbeiten und Außenstrukturen, die bei der Stadt Amberg liegen und zwischen 700.000 bis einer Million Euro veranschlagt werden, so OB Michael Cerny. Für das Projekt werden Fördermittel bei der Regierung beantragt.

Pressetermin im März 2020

Amberg

Es ist ein verlassener Ort, ein Lost Place: Der Schlachthof in Amberg in der Schlachthausstraße verfällt und strahlt dabei eine morbide Faszination aus. Blockhelden-Geschäftsführer Simon Brünner kommt ins Schwärmen und gibt geradewegs zu, verliebt zu sein: Schnitzereien an den Dachstühlen, Gewölbe im Inneren, Industrie-Charme. Dem gegenüber steht ein über Jahrzehnte angebautes Klein-Klein an Gebäudeteilen, die verschachtelt aneinander gefügt wurden. Mit der Überplanung wird dem gesamten Areal eine neue Struktur gegeben. Die Mauer zur Straße soll abgerissen werden, ebenso das verbindende Element zwischen den beiden Hallen. Das rückwärtig liegende Gebäude wird von der Stadt Amberg derzeit noch noch nicht entwickelt. Die Boulderhalle selbst entsteht an der Straßenseite - eine Mischung aus Alt- und Neubau. "Wir können den Charakter erhalten und retten das Schönste", verspricht Brünner. Dazu gehört auch das kleine Türmchen, das sich bereits jetzt schon zum Wahrzeichen der Boulderhalle entwickelt hat. An kreativen Ideen dafür mangelt es dem Erlanger nicht: Man könne den Turm als Bienenstock oder für Nistkästen nutzen. Das zeugt von einer Denkweise, die dem ein oder anderen Amberger vielleicht neu ist.

Für OB Michael Cerny ist der Projektpartner ein Glücksgriff. "Für uns ist die Revitalisierung des Schlachthofs ein Parademodell mit dem wir zeigen können, dass eine Industriebrache reaktiviert werden kann." Er habe mit Blockhelden einen Partner gefunden, der nicht nur investieren wolle, sondern auch ähnliche Sichtweisen vertrete in Sachen Flächenverbrauch oder Nachhaltigkeit. Und für einen benachbarten Gewerbetreiber könne für eine Erweiterung Planungssicherheit geschaffen werden. "Für mich ist es ein begeisterungsfähiges Projekt, weil so viele Ideen zusammenfließen", so Cerny. Doch er bezeichnete die Entwicklung auch als Lernkurve: "Man sieht, wie aufwändig es ist, Nutzungskonzepte für bestehende Flächen zu finden. Am Ende des Tages wird dort nicht nur Blockhelden entstehen, sondern auch eine neue Ordnung. Wo jetzt Mauer ist, gibt es später öffentliches Grün und einen Radweg." Die zweite Halle könne von der Stadt Amberg aufgrund der monetären Lage in den nächsten vier Jahren nicht entwickelt werden. "Aber wenn es nicht in Richtung Bouldern geht, dann könnte man auch dort etwas für die Jugend anbieten", blickte Cerny in die Zukunft.

Das Gelände ist so optimal und zentral gelegen, dass wir uns hinreißen haben lassen, das zu machen.

Simon Brünner, Geschäftsführer Blockhelden

Simon Brünner, Geschäftsführer Blockhelden

Dem Blockhelden-Geschäftsführer ist der Aufwand bewusst. "Bei so einem komplexen, aufwändigen und deutschlandweit einzigartigem Projekt wird man auch ein paar Mal holpern." Aber: "Das Gelände ist so optimal und zentral gelegen, dass wir uns hinreißen haben lassen, das zu machen." Geplant ist in Zukunft ein reger Austausch zwischen den Hallen in Erlangen, Bamberg und Amberg.

Zur Geschichte des Schlachthofs

Im September 2016 wurden auf dem Amberger Schlachthof das letzte Mal Schweinehälften zerlegt. Der damalige Mieter hatte gekündigt und verlegte seinen Betrieb komplett nach Neumarkt. Die Eigentümerin des Areals, die Stadtbau, ging auf die Suche nach neuen Interessenten, die das Gebäude so nutzen sollten, dass es seinem Zweck entsprach. Als sich auch eine letzte Möglichkeit zerschlagen hatte, verkündete Stadtbau-Geschäftsführer Maximilian Hahn im Januar 2018 im Amberger Stadtrat das Aus der Ära Schlachthof in Amberg. Er bezeichnete es bereits damals als "Mammutaufgabe", die Statik des Gebäudekomplexes zu erfassen sowie die umfangreichen Bauten zu entsorgen oder rückzubauen. Damit wurde es still um die Örtlichkeit am Stadteingang von Amberg – bis Simon Brünner ins Spiel kam.

Wer sind die Blockhelden?

Die Blockhelden sind Betreiber von Boulderhallen. Im Oktober 2012 eröffneten die beiden Jugendfreunde und Gründer Simon Brünner und Simon Herr ihre erste Boulderhalle in Erlangen. 2015 folgte die zweite Halle in Bamberg. Für Ende 2021 ist die Eröffnung der neuen Boulderhalle “Boulderhalle Frankenjura” in Erlangen-Bubenreuth geplant, welche sich aktuell im Bau befindet. Neben Amberg ist auch in Bayreuth ein weiterer Standort in der Planung.

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Auch in Weiden ist Bouldern beliebt

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Florian Hage aus Kemnath und die Faszination extremer Wände

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Info:

Was ist Bouldern?

  • Bouldern ist Klettern ohne Seil auf Absprunghöhe; Matten schützen vor
    Verletzungen.
  • Es eignet sich für alle, die Lust auf Bewegungs- und Kraftsport haben, ob
    alleine oder im Team.
  • Es wird Körperbewusstsein, Balance und Koordination geschult und eignet sich auch für Anfänger ohne Vorkenntnisse.
  • Es gibt regelmäßige Einführungen und Technikkurse für jedes Leistungsniveau.
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