13.11.2020 - 16:40 Uhr
AmbergOberpfalz

"Aloha" sprayt im Auftrag des TC Amberg am Schanzl: Diese Graffiti sind total legal

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Selbst altgediente Mitglieder des TC am Schanzl können sich nicht erinnern, wie lange die Tennishalle schon von Schmierereien verunstaltet wird. Das ändert sich jetzt: Graffiti-Künstler "Aloha" schafft ganz offiziell ein Kunstwerk.

Graffiti-Künstler „Aloha“ in seinem Element: Im Auftrag des TC Schanzl darf er sich an der Hallenaußenwand künstlerisch ausleben. In den vergangenen Jahren hatten Vandalen Schmierereien hinterlassen, die nun verschwinden.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der sechsmalige deutsche Tennis-Mannschaftsmeister TC Amberg am Schanzl nutzt die Corona-Pause, um auf seiner Anlage kleine Verschönerungs- und Sanierungsarbeiten vorzunehmen. Eine Maßnahme sticht dabei besonders ins Auge: Seit Donnerstagvormittag ist ein Amberger Graffiti-Künstler, der in der Szene unter dem Pseudonym "Aloha" bekannt ist und ansonsten anonym bleiben will, im Auftrag des Vereins damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften von anderen Sprayern zu beseitigen.

Kunst oder Sachbeschädigung?

Oft sei es gar nicht so einfach, eine klare Trennlinie zwischen Kunst und Sachbeschädigung zu ziehen, sagt der 20-Jährige mit einem Augenzwinkern und ergänzt mit Blick auf die Tennishalle des TC Schanzl: "In diesem Fall ist es eindeutig. Das sind einfach nur schwarze Schriftzüge ohne Form oder irgendwas. Das hier ist Sachbeschädigung."

Schrecklich nennt Club-Sekretärin Sabine Henn die Schmierereien, die Vandalen auf der 30 Meter langen Wand hinterlassen haben: "Sogar vor der Glasscheibe am Notausgang haben sie keinen Halt gemacht." Aus Angst, dass das wieder passieren könnte, habe der damalige Vorstand frustriert entschieden, "erst einmal nichts zu tun". Der aktuelle Vorsitzende Mario Neumann sieht das anders: "Wir wollen Spaziergängern und Radfahrern endlich wieder einen schönen Anblick bieten, dafür möglichst wenig Geld ausgeben und eigene Arbeitskräfte sparen."

Das ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl, nicht der böse Buhmann zu sein.

Graffiti-Künstler "Aloha" über den Auftrag beim TC Amberg am Schanzl

Hoffnung auf Ehrenkodex

Sabine Henn hatte eine Idee: Ein Sprayer soll sich offiziell darum kümmern. In der Hoffnung, dass es in der Szene eine Art Ehrenkodex gibt - gemäß dem Motto "Das Werk eines Kollegen übersprüht man nicht wieder." Also platzierte der TC Schanzl auf Facebook einen Post, der "über Freunde" auch den Amberger Künstler "Aloha" erreichte: "Das ist auf jeden Fall ein schönes Gefühl, nicht der böse Buhmann zu sein. Wenn man das live umsetzen und sich an der Wand ausleben darf, ist das das Größte." Ihm gehe es dabei nicht um Geld, sondern darum, die Graffiti-Kunst "aus der Nische herauszuholen und sie zu einem Medium zu machen". Fertig sein möchte "Aloha", dem der Verein bei der Gestaltung freie Hand lässt, schon an diesem Samstag: "Vorausgesetzt, das Wetter spielt mit."

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