15.04.2021 - 10:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Alpakas: Lehrmeister in Sachen Entspannung

Anita und Michael Spangler haben sich verliebt: Im Sommer 2017 erwerben sie ihre beiden ersten Alpakas. Besonders fasziniert sind die beiden Raigeringer vom sanften und ruhigen Charakter der Tiere. Dabei sind Alpakas aber auch ein wenig trödelig.

"Beim Umgang mit den Tieren fällt schnell deren ruhiges und sanftmütiges Wesen auf, das auf uns Menschen ansteckend wirkt und uns auf sehr schöne Weise beruhigt und entspannt“, sagt Anita Spangler.
von Adele SchützProfil

Achtung Ansteckungsgefahr: Mit ihren großen Kulleraugen, flauschigem Fell und einem Dauerlächeln im Gesicht haben Alpakas die besten Voraussetzungen, dass man sich auf den ersten Blick in sie verliebt. Anita und Michael Spangler aus Raigering haben diese Erfahrung selbst gemacht und sind nun stolze Besitzer von neun Alpakas.

"Beim Umgang mit den Tieren fällt schnell deren ruhiges und sanftmütiges Wesen auf, das auf uns Menschen ansteckend wirkt und uns auf sehr schöne Weise beruhigt und entspannt", hat Anita Spangler im Umgang und bei der Arbeit mit den Tieren entdeckt. Sie weist aber darauf hin, dass Alpakas keine Kuscheltiere seien, sondern von Natur aus scheue Fluchttiere. Aufgrund ihrer Zurückhaltung scheuten sie Körperkontakt und leckten nicht einmal die eigenen Jungen nach der Geburt ab.

Trend-Tier Alpaka

Ihre Neugierde locke sie allerdings in die Nähe des Menschen. Wenn sie Vertrauen gefasst hätten, seien auch bedingt Berührungen möglich. Sie bittet, dies im Umgang mit Alpakas zu respektieren. Alpakas seien in den vergangenen Jahren zu regelrechten Trend-Tieren geworden. Inzwischen würden rund 15 000 Tiere in Deutschland gehalten.

Im Sommer 2017 kaufte Michael Spangler zwei Tiere, um sie bei einem Freund auf dessen Alpaka-Farm unterzubringen. "Unverhofft kommt oft", bemerkt Anita Spangler. Denn aufgrund verzögerter Baumaßnahmen zur Erweiterung der Alpaka-Farm des Freunds blieben "Baileys" und "Raiman" bei den Spanglers. Das Ehepaar legte für die beiden eine Koppel beim Haus an. "Im Herbst war für uns klar, dass wir uns von den Tieren nicht mehr trennen werden", erinnert sich Anita Spangler.

Während die beiden Alpakas im Winter bei Freunden in einem Stall untergebracht waren, überlegten die Spanglers, ob sie eine Zucht mit den Tieren beginnen oder geführte Wanderungen anbieten wollten. Nachdem sie ausreichend Informationen eingeholt hatten, entschiedenen sie sich für die Zucht.

Mit der Flasche

Als sie im Frühjahr die Tiere wieder nach Hause holten, hatten sie inzwischen ein großes Zelt als Unterbringung auf der Koppel errichtet und für eine artgerechte Haltung gesorgt. Es wurden zwei Stuten angeschafft, die den Spanglers drei Fohlen bescherten. Das letzte Fohlen wurde vom Muttertier nicht angenommen und so mussten die Spanglers "Gustl" mit der Flasche großziehen.

Die Geburt des Lamas fiel mit der Geburt von Sohn Luis zusammen. Für Anita Spangler war es daher nicht möglich, die zeitaufwendige Versorgung des Alpaka-Nachwuchses alleine zu leisten. So musste auch ihr Mann ran. Aus dieser Situation heraus gaben die Spanglers die Alpaka-Zucht auf. "Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen, da wir damit auch unsere beiden Stuten hergeben mussten. Zu dem Zeitpunkt stand aber bereits fest, dass wir mit unseren männlichen Tieren weiterarbeiten und geführte Wanderungen anbieten", so Anita Spangler.

Sie wurden bestärkt in ihrem Vorhaben aufgrund der großen Nachfrage nach Alpaka-Wanderungen. Insbesondere auf den Raigeringer Weihnachtsmärkten, bei denen die Spanglers ab 2018 ihre Alpakaprodukte, insbesondere Strickwaren und Seifen, anboten.

Langsam vorbereitet

Die Spanglers machten ihren Sachkundenachweis, um fundiertes Wissen für die Wanderungen mit den Alpakas zu haben. Die Tiere seien zunächst langsam auf die Wanderungen vorbereitet worden, um dann Führungen im kleinen Freundeskreis zu machen. Erst als dies geklappt habe, hätten sie geführte Wanderungen für Interessierte angeboten, erzählt Anita Spangler.

Am Anfang der geführten Wanderungen steht die Wahl des Tiers. "Des Öfteren müssen wir während der Wanderung unter den Teilnehmern die Tiere auswechseln, weil das Wesen des jeweiligen Alpakas mit seinen ausgeprägten Charaktereigenschaften nicht mit dem Begleiter harmoniert", sagt Anita Spangler.

Alpakas seien keine lauffreudigen Lastentiere wie etwa Lamas, sondern sie dienten in ihrer Heimat Peru als geschätzte Lieferanten wertvoller Wolle, aus denen Kleidung gestrickt werde, um den eisigen Temperaturen zu trotzen.

"Alpakas sind eher faul und trödeln bei den Wanderungen gerne hinterher, haben aber immer ihren neugierigen Blick auf ihr Umfeld gerichtet", erklärt Anita Spangler. "Die Alpakas sind ausgezeichnete Lehrmeister in Sachen Entspannung, denn sie erschließen uns auf einfache und ansprechende Weise den faszinierenden Zauber der Langsamkeit, der uns zur inneren Ruhe und Gelassenheit führt."

Handgefertigtes

Derzeit ist Corona-bedingt Zwangspause. Doch die Spanglers haben weitere Pläne. Ein kleiner Familienbetrieb aus Peru liefert ihnen ab Herbst handgefertigte Strickwaren, Wolle und Schuheinlagen für den Verkauf im künftigen Hofladen.

Informationen zum Alpaka-Hof von Anita und Michael Spangler gibt es auf Facebook ("Alpakas mit Herz") sowie unter Telefon 0173/7329326.

Spaziergang mit Alpakas

Höflas bei Kirchenthumbach
Hintergrund:

Das Alpaka

  • domestizierte Kamel-Art aus den südamerikanischen Anden.
  • Ihre Domestizierung begann vor 6000 bis 7000 Jahren.
  • Als sogenannte Neuwelt-Kamele haben sie keine Höcker.
  • Sie werden 20 bis 25 Jahre alt.
  • Alpakas sind Herdentiere und fühlen sich in Gruppen am wohlsten.
  • Die Pflanzenfresser ernähren sich fast ausschließlich von Gräsern.
  • Ihr Fell kann weiß, schwarz, braun und grau in allen Abstufungen sein. Es gibt auch mehrfarbige Tiere.
  • Gezüchtet werden sie vorwiegend wegen ihrer Wolle.
  • Alpaka-Wolle ist im Vergleich zu Schafwolle feiner und wärmer. Sie hat einen geringeren Fettgehalt. (dt)

 

 

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