12.07.2021 - 17:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg, die "festeste Fürstenstadt": Vom Palisadenzaun zur trotzigen Stadtmauer

Im Mittelalter galt München als schönste, Leipzig als reichste und Amberg als "festeste Fürstenstadt". Und die Amberger sind zu Recht stolz auf ihre Stadtbefestigung: Niemand hat sie je durchbrochen.

Das Nabburger Tor in Amberg, eines der beiden Stadttore.

Von Dieter Dörner

Besucher der Landesausstellung 2020 in Friedberg und Aichach, „Wittelsbacher Gründerstädte“, haben erfahren, dass für die Gründung einer Stadt oft eine Burg, ein Kloster oder ein Bischofssitz Anlass gaben. Schließlich brauchten die hohen Herren Bauern, Handwerker und gelegentlich auch Söldner, und die in unmittelbarer Nachbarschaft. So wird es auch in Amberg und im benachbarten Sulzbach-Rosenberg und in zig anderen Städten und Marktflecken der Oberpfalz gewesen sein.

Amberg wurde 1034 erstmals urkundlich erwähnt. In der Urkunde ist bereits vom Zoll, vom Handel und von der Schifffahrt die Rede. Es war demnach eine gewisse Infrastruktur vorhanden. Nach archäologischen Funden glaubten die Amberger, dass die Ansiedlung zumindest auf das 10. Jahrhundert zurückgeht. Nachdem der Archäologe Dr. Mathias Hensch vor wenigen Jahren am ehemaligen Ostrand von Amberg 36 Waffenschmieden aus dem 8. Jahrhundert ausgegraben hat, ist eine Ansiedlung weit vor dem 10.Jahrhundert zu vermuten.

Dort, wo heute die Wallfahrtskirche Maria-Hilf steht, befand sich bis zu deren Bau Ende des 17. Jahrhunderts ein Bergfried als Rest einer Burg des Amo, von der wie auch von dessen Geschlecht wir im Grunde genommen nichts wissen.

Aus Ammenberc wurde Amberg

So ist zu anzunehmen, dass der Name Ammenberc, wie es einst hieß, auf diesen Amo zurückgeht. Der Ort wuchs, wie die Urkunde von 1034 bestätigt, und musste gesichert werden. So war vermutlich die erste Stadtbefestigung ein Palisadenzaun. Irgendwann im 12. oder 13. Jahrhundert kam es dann zum Bau der ersten Stadtmauer, deren Verlauf zumindest links der Vils bekannt ist. Sie hatte zwei Stadttore, das Nabburger Tor bei der (späteren) Spitalkirche und das Georgentor in der gleichnamigen Straße. 1144 wird Amberg als „forense oppidum“, also als befestigter Markt genannt.

Der „erste“ Mauerring um Amberg mit der Georgs-Vorstadt, 12./13. Jahrhundert. Quelle: Dissertation Heinrich Klinger

1294 wird Amberg erstmals als Stadt erwähnt. Wann es zur Stadterhebung kam, geht aus der Urkunde leider nicht hervor. Ludwig der Bayer, Gönner der Stadt, stiftete 1317 den Ambergern einen Spital, das beim Nabburger Tor, außerhalb der „ersten“ Mauer, zu stehen kam. Sicher wollten die Amberger auch expandieren und begannen knapp zehn Jahre später mit dem Bau der „zweiten“, der heutigen Stadtbefestigung. Diese umfasste nicht nur das Spital, sondern auch die bis dahin außerhalb der ersten Mauer entstandenen Vorstädte und die Kirche St. Georg, 1094 erstmals erwähnt.

Der Bau einer Stadtmauer kostete viel Geld. Zwar war Amberg durch Erzabbau, Eisenverarbeitung, Eisen- und Salzhandel keine arme Stadt, doch so ein Bauwerk überforderte doch die etwa 3500 Einwohner und den Stadtsäckel. So zeigte sich Ludwig, damals noch König, wiederum generös. Er erließ der Stadt auf zehn Jahre den Erzzoll und alle weiteren Abgaben. Mit dem 1329 geschlossenen Erbvertrag zu Pavia gehörte Amberg zur Kurpfalz. Die Pfälzer Kurfürsten erneuerten jeweils die von Ludwig eingeräumten Privilegien. Irgendwann in der Folgezeit wurden Straffällige, beispielsweise Handwerkergesellen, die an einer Wirtshausschlägerei beteiligt waren, dazu verurteilt, einige Meter Mauer zu bauen. Doch wie im richtigen Leben: Arme mauerten, Reiche verdingten einen Arbeiter.

Knechte als Arbeitskräfte rekrutiert

Bauarbeiter mussten rekrutiert, Baumaterial herangeschafft werden. Wie im Bergbau, der nur im Winterhalbjahr und nur bei Erzbedarf, also nur alle drei, vier Jahre betrieben wurde, war sicher auch beim Bau der Stadtmauer, soweit es das Wetter zuließ, in den Monaten Oktober bis März Hochkonjunktur. Knechte, die in der Landwirtschaft während dieser Zeit nicht benötigt wurden, standen zahlreich und bei geringerem Lohn als im Sommer zur Verfügung. Baumaterial waren Bruchsteine und sicher auch recyceltes Material aus der vorangehenden Stadtbefestigung. Behauener Sandstein kam erst später hinzu.

Amberg Ende des 16. Jahrhunderts nach Hans Ludwig Kandlpaldung. Von links: Das Georgentor mit St. Georg, das „neue“ Wingershofer Tor, das Schloss, das Nabburger Tor, der Dockenhansl, rechts oben auf dem Berg der Bergfried als Rest der vermuteten Burg. Quelle: Stadtarchiv Amberg

Mit dem Bau begonnen wurde im Westen der Stadt, also beim Georgentor, dem ältesten, heute nicht mehr existenten Stadttor. Weshalb gerade hier, lässt sich auch nur vermuten. Entweder es war aus damaliger Sicht der bei einem feindlichen Angriff am meisten gefährdete Bereich, oder, wahrscheinlicher, dass hier die Stadt mit St. Georg (damals noch die 1359 „zerstörte“ Vorgängerkirche) und dem zugehörigen Friedhof am weitesten über die erste Mauer hinaus expandiert hatte. Da hier der Stadtgraben kein Wasser führte, ist dieser Mauerbereich am höchsten ausgefallen.

Schießpulver statt Pfeil und Bogen

In den folgenden Jahrzehnten entstand eine etwa 3 Kilometer lange Mauer mit fünf Stadttoren. Noch waren Pfeil und Bogen, Armbrust und Torsionsgeschütze Angriffs- und Verteidigungswaffen. Dies sollte sich mit Erfindung des Schießpulvers ändern. Die Konzeption der Stadtbefestigung musste den neuen Gegebenheiten angepasst werden. Doch nicht nur dies. Hinzu kamen nach Hinrichtung des Reformators Jan Hus ab 1420 die Hussitenkriege und im 16. und 17. Jahrhundert die Osmanenkriege. Es galt Vorsorge zu treffen, die bisherige Stadtmauer wurde verbessert: Das nunmehrige „Hauptwerk“ wurde verstärkt, der Zwinger und das Vorwerk kamen hinzu, die Zahl der Stadttürme verdoppelte sich, das kurfürstliche Schloss wurde Teil der Stadtbefestigung. Zusätzlich diente ein Stadtgraben, im Befestigungsbereich links der Vils mit Wasser gefüllt, der Sicherheit der Stadt und ihrer Bewohner. Und das sollte bis zum beginnenden 18. Jahrhundert, bis zum Spanischen Erbfolgekrieg, so bleiben. Sieht man von Auseinandersetzungen mit den pfälzischen Landesherren ab, wagte keiner mehr, die Stadt anzugreifen. Zu Recht verdiente Amberg das Attribut „festeste Fürstenstadt“.

Ursensollen

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.