01.04.2021 - 15:56 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Kinder machen aus Zehentgasse eine Ostergasse

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Mit ihren Löchern, Rissen und Buckeln ist die Zehentgasse in Amberg nicht gerade eine Schönheit. Zurzeit ist die ramponierte Straße aber richtig hübsch anzuschauen. Das liegt einzig und allein an Marlene, Sophia, Maya, Raphael und Erik.

Kinder aus der Zehentgasse haben in Lockdown-Zeiten eine schöne Beschäftigung gefunden. Passend zu Ostern.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Wenn Erik (8) zur Farbkreide greift, dann muss es nicht auf den Millimeter genau zugehen wie bei einer sündhaft teuren Straßensanierung. Da darf der Osterhase getrost aussehen wie eine Sonne, der Regenbogen im Vergleich zum gemalten Fluss genau genommen etwas zu klein und das Herz daneben etwas schief sein. Egal. Erik gefällt's. Und das ist das Wichtigste. Der Bub ist eines von fünf Kindern, das derzeit aus der ansonsten von Schlaglöchern nur so übersäten Zehentgasse eine Ostergasse macht.

Vor einem Jahr, als die Feiertage ebenfalls mitten in einen Lockdown fielen, hatten Marlene (3) und ihr Bruder Raphael (7), die ebenfalls in der Zehentgasse wohnen, eine Idee. Sie schnappten sich die zu Hause herumliegenden bunten Malkreiden und verschönerten die Fahrbahn vor der Haustür mit Herzen und Sonnenblumen. Ihre Mutter erinnert sich: "Die Kinder hier haben sich gegenseitig vermisst." Also begannen sie damit, sich gegenseitig Oster-Botschaften auf der Gasse zu hinterlassen. Irgendwann sei die ganze Straße voll davon gewesen.

"Die Nachbarschaft steht total dahinter", sagt die Mama von Marlene und Raphael, die nun bei der Neuauflage der Kinder-Straßenkunst nicht nur ein Auge auf Erik, sondern auch auf die Schwestern Maya (8) und Sophia (10) hat. Auch sie wurden in den Tagen vor Ostern zu kleinen Kreativen und hatten sichtlich jede Menge Spaß dabei.

"Es ist wunderbar", sagt die einzige Erwachsene in der Freiluft-Galerie und fügt hinzu, dass es ihr als alleinerziehender Mutter sehr entgegenkomme, wenn die Kinder in Lockdown-Zeiten eine sinnvolle Beschäftigung finden, und ergänzt mit Blick auf die Pandemie: "Mir ist das lieber als auf dem Spielplatz. Dort sind ja doch mehr Kinder, und ich finde es ist unheimlich hart, ihnen sagen zu müssen, dass sie sich den anderen nicht zu sehr nähern dürfen. Das hier vereinfacht die Sache."

So schön die Werke, die sich mittlerweile über die ganze Gasse erstrecken, auch sind, so sehr sind sie auch in Gefahr. Was ist, wenn's regnet? "Ganz einfach", sagt die Mama von Marlene und Raphael: "Dann fangen wir wieder neu an."

Neu angefangen hat auch die vor wenigen Wochen ins Leben gerufene Innenstadt-Taskforce, deren erste Idee bereits umgesetzt worden ist. Im Englischen Garten geben über 1000 bunte Ostereier ein schönes Bild ab und stimmen seitdem Spaziergänger auf die Feiertage ein. Viel mehr sei in der Kürze der Zeit und wegen der aktuellen Corona-Regeln allerdings nicht möglich gewesen, sagt Altstadt-Kümmerin Verena Fitzgerald und erklärt damit, warum nicht überall in der Innenstadt Frühlings- und Oster-Boten als Dekoration zu sehen sind.

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Kommentar:

Liebe Kinder, geht raus und malt!

Manchmal ist es ganz einfach, einen Meinungsbeitrag für die Amberger Zeitung zu verfassen. Wie in diesem Fall: Es ist toll, grandios und wunderbar, was den Kindern aus der Zehentgasse in Lockdown- und Ferienzeiten einfällt. Fast noch schöner ist es, dass die Nachbarschaft nichts dagegen hat und die Kinder einfach machen lässt. Gut möglich, dass das in anderen Vierteln nicht so wäre. Also, liebe Kinder: Geht raus und malt, was das Zeug hält! Aber fragt vorher, ob es auch okay ist.

Thomas Kosarew

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