09.04.2019 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg: Siemens baut doch kein Lieferzentrum

Knapp zwei Jahre nach der Ankündigung folgt der Rückzieher. Die Siemens AG baut nun doch kein zentrales Lieferzentrum in Ebermannsdorf. Stattdessen konzentriert man sich auf den Standort Amberg.

Bei Siemens in Amberg wird fleißig gebaut. Doch statt auf das neue Lieferzentrum setzt man hier auf das Digitalisierungszentrum für Kunden, Besucher und Forschungszwecke, das als Ersatz für das Sportheim der inzwischen aufgelösten Sportgemeinschaft (SG) Siemens errichtet wird.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die endgültige Entscheidung fiel am Montag, am Dienstag war es das völlig überraschende Thema bei der Betriebsversammlung im Amberger Siemenswerk: Es gibt kein zentrales Lieferzentrum für die Region im Industriegebiet Schafhof bei Ebermannsdorf (Kreis Amberg-Sulzbach). Der Grund ist eigentlich ganz banal: "Wozu sollen wir eine so große Investition starten, wenn wir hinterher keine Vorteile davon haben?", begründet Pressesprecher Bernhard Lott den Sinneswandel des Konzerns.

Das Thema zentrales Lieferzentrum, so führt er auf Anfrage von Oberpfalz-Medien aus, werde nach dem derzeitigen Stand weder logistische noch wirtschaftliche Gewinne mit sich bringen. Und so habe der Vorstand nach einer gründlichen Überprüfung beschlossen, unter diesen geänderten Rahmenbedingungen Abstand zu nehmen vom Projekt. Als Hintergrund nennt Lott, dass sich nach der Neuaufstellung der AG schlicht neue Voraussetzungen ergeben hätten. "Die Nachricht wurde in der Betriebsversammlung sehr positiv aufgenommen", so Lott.

Im Gegensatz zur örtlichen Politik, die sich rund 200 neue Arbeitsplätze von der Auslagerung versprochen hatte, waren die Beschäftigten des bestehenden Lieferzentrums in Amberg mit rund 170 Mitarbeitern und die restlichen Kollegen bei Siemens hier nämlich strikt gegen das Projekt. Sie mussten befürchten, dass das neue Logistikzentrum aus dem Konzern ausgegliedert und die Beschäftigten nicht mehr nach ihrem jetzigen Tarif bezahlt würden.

"Das war sehr, sehr belastend für die Siemens-Mitarbeiter", schildert Horst Ott, der Amberger IG-Metall-Chef, die Gemütslage der Siemensianer. Die Mitarbeiter des Lieferzentrums, so Ott, hätten in den vergangenen zwei Jahren aber nicht resigniert. Sie hätten im Gegenteil durch Fleiß und Überstunden demonstriert, dass es ohne sie nicht geht. Auf der anderen Seite habe sich der Amberger Siemens-Betriebsrat auf die wirtschaftliche Diskussion mit dem Vorstand eingelassen und diesem vorgerechnet, dass sich das Projekt nicht lohnen würde. "Respekt aber auch an die Verantwortlichen von Siemens, die sich davon haben überzeugen lassen", so sagt Horst Ott.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sieht Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny die Entwicklung. Er hätte gerne die 200 zusätzlichen Arbeitsplätze in der Region gehabt - als vollwertige Siemens-Arbeitsplätze noch lieber. "Das wäre schon toll gewesen." Er kann aber auch die Freude der Beschäftigten verstehen und sagt: "Das ist ein klares Signal für Amberg." Als ehemaliger Siemensianer kennt Cerny natürlich die Befindlichkeiten der Konzern-Mitarbeiter. "Man ist Siemensianer und man will für immer Siemensianer bleiben."

Auch die Enttäuschung von Josef Gilch, Bürgermeister von Ebermannsdorf, hält sich in Grenzen. "Das ist zwar schade", so sagt er. Doch finde sich für diese attraktive Fläche an der A 6 sicher ein anderer Interessent. Es sei ja nicht so, dass man den Standort-Wettbewerb gegen einen externen Mitbewerber verloren habe. Vielmehr sei die Entscheidung des Siemens-Vorstands jetzt so gefallen. "Das Geschäft ist eben so", sagt Gilch und verweist auf eine "lange Liste anderer Bewerber", auf die er für das bisher für Siemens reservierte Grundstück in Schafhof zurückgreifen könne.

Zu den ursprünglichen Plänen der Siemens AG

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