17.09.2020 - 14:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg verabschiedet sich jetzt auch offiziell vom Interkommunalen Gewerbegebiet

Dieser Abschied ist kein freiwilliger. Aber nach der Aufkündigung eines interkommunalen Gewerbegebiets durch die Gemeinde Ursensollen geht jetzt auch die Stadt Amberg den nächsten, konsequenten Schritt.

Der Traum von einem gemeinsamen Gewerbegebiet mit der Gemeinde Ursensollen ist nun auch offiziell vorbei. Die Stadt Amberg will die entsprechenden Flächen nun als Ausgleich für Maßnahmen an anderer Stelle werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es war am Anfang des Jahres, mitten im Kommunalwahlkampf - je nach Sichtweise - eine gute Botschaft oder ein heftiger Schlag ins Kontor. Die Gemeinde Ursensollen kündigte das geplante gemeinsame Gewerbegebiet mit der Stadt Amberg südlich der Autobahn A 6 auf. Nachdem Aufregung und Euphorie gleichermaßen abgeklungen sind, geht die Stadt nun den nächsten, konsequenten, Schritt: Sie beendet das Aufstellungsverfahren für die Bebauungspläne "Gewerbegebiet A 6" und "Interkommunales Gewerbegebiet - Teilfläche 1" samt der entsprechenden Änderungen im Flächennutzungs- und Landschaftsplan. Das hat neben der einfachen Tatsache, dass es mit einem Gewerbegebiet im weiteren Bereich des ehemaligen Übungsplatzes Fuchsstein nun nichts mehr wird, auch einen ganz praktischen Grund.

Zum Aus des Interkommunalen Gewerbegebiets

Amberg

"Hier liegen, so komisch es klingen mag, Ausgleichsflächen brach", formulierte es Baureferent Markus Kühne am Mittwoch in der Sitzung des Bauausschusses. Denn tatsächlich herrscht in der Stadt Amberg inzwischen ein Mangel an Flächen, die als Ausgleich für Baumaßnahmen ökologisch aufgewertet werden müssen - so ist es gesetzlich geregelt. So braucht man unter anderem für das neue Gewerbegebiet West im Bereich der Fuggerstraße, das sich an die bestehenden Strukturen dort anlehnt, solche Ausgleichsflächen.

Brachland, das brach liegt

Nun ist das Areal, das für das interkommunale Gewerbegebiet eingeplant war, zwar Brachland, wegen des laufenden Aufstellungsverfahrens für den Bebauungsplan ist es aber "gebunden" und steht nicht als Ausgleich zur Verfügung. Mit dem nun geplanten Schritt, eben der Beendigung des Verfahrens, werden die Flächen wieder frei und können als Ausgleich für die Fuggerstraße verwendet werden. Trotz der Konsequenz dieses Schrittes, nahm sich der Bauausschuss am Mittwoch noch einmal kurz Zeit für eine kleine Reminiszenz, ein Rückschau.

"Es ist ein historischer Tag für Amberg", befand beispielsweise Josef Witt von der ÖDP. Seit gut 20 Jahren würden die "kleinen" Parteien im Amberger Stadtrat nun den Kampf gegen ein Gewerbegebiet in Atzlricht führen - letztendlich mit Erfolg. Er sei sich der Tatsache durchaus bewusst, dass das Problem der fehlenden Gewerbeflächen in der Stadt weiter existiere. Doch das könne an der Fuggerstraße mit dem Gewerbegebiet West weitgehend gelöst werden. "Und der Verzicht auf Atzlricht macht die weitere Entwicklung im Gewerbegebiet West erst möglich."

Reaktionen zum Aus des Gewerbegebiets

Amberg

Beim Oberbürgermeister hingegen wollte keine rechte Freude aufkommen. Der Stachel des Ursensollener Alleingangs sitzt noch sehr tief bei ihm, vor allem die mangelnde Informationspolitik der Nachbargemeinde im Vorfeld der Entscheidung, das Interkommunale Gewerbegebiet zu beerdigen. "Für uns ist es schade", sagte Michael Cerny, "insbesondere weil im Baureferat über Jahre viel Arbeit deswegen gebunden war."

Schade fand auch Michaela Frauendorfer (CSU) die offizielle Aufgabe des Areals. "Aber Ursensollen hat leider den entsprechenden Entschluss gefasst." Atzlricht, so kommentierte es Hans-Jürgen Bumes (Grüne) , sei schlicht und einfach der falsche Platz für ein Gewerbegebiet - egal an welcher Stelle es dort errichtet werde. "Corona hat uns außerdem gezeigt, wie wichtig Naherholungsgebiete für uns sind." Ein "Schade" gab es hingegen auch von der SPD. Deren Vertreter Dieter Amann bedauerte es, dass es nicht gelungen ist, dort ein Gewerbegebiet zu errichten.

"Das ist eben das Problem der interkommunalen Zusammenarbeit", ergänzte OB Michael Cerny. "Wenn einer seine Meinung ändert, ist alles vorbei." Einstimmig empfahl schließlich der Bauausschuss dem Stadtrat, dem Beschlussvorschlag zu folgen und alle Verfahren in dieser Angelegenheit zu stoppen. Ausgenommen das Planfeststellungsverfahren für die Straßenanbindung. Dieser Schritt fällt laut OB nicht in die Zuständigkeit der Stadt Amberg.

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