21.07.2021 - 15:45 Uhr
AmbergOberpfalz

In Amberg wollen CSU und ÖDP gemeinsam den Klimawandel bekämpfen

Der Klimawandel ist keine Erfindung von Fridays for Future. Er ist mittlerweile sehr real, wie sich jetzt wieder in den Hochwassergebieten im Westen und Süden gezeigt hat. Zwei Amberger Politiker sehen dringenden Handlungsbedarf.

Die Sonne ist beim Klimawandel Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite liefert sie viel erneuerbare Energie, auf der anderen Seite heizt sie unseren Planeten gnadenlos auf.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Als das Gespräch stattfindet, hat die Flutkatastrophe noch gar nicht begonnen. Klaus Mrasek (ÖDP) und Matthias Schöberl (CSU) können nicht ahnen, dass wenige Stunden später das beginnt, was sie befürchten. Und das sie möglichst schnell bekämpfen und damit ein Stück weit verhindern wollen. Schon vor der Katastrophe ist den beiden Amberger Lokalpolitikern aber auch klar, dass es nichts bringt, mit dem Finger auf die anderen zu zeigen, die vielleicht mehr Kohlendioxid ausstoßen als die Bundesrepublik Deutschland. "Wenn wir sagen, dass wir uns nicht bewegen, wenn das die anderen auch nicht tun, dann führt das direkt in die Klimakatastrophe", sagt Klaus Mrasek.

ÖDP und CSU sind im Amberger Stadtrat eine Koalition eingegangen. Vor allem mit dem Ziel, eine stabile politische Mehrheit zu schaffen. Sie wollen ihre Ideen durchbringen, wollen Meinungsführer und Regierung sein. "Ohne uns soll in Amberg nichts entschieden werden", gibt CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl ganz selbstbewusst vor. Diese "Macht-Koalition" zeigt sich nach einem Jahr immer noch sehr stabil – und sie hat sich an die Spitze des ökologischen Umbaus der Stadt Amberg gesetzt.

Klimawandel bringt auch wirtschaftlichen Nutzen

Dabei eint ein Credo die demokratischen Ökologen und Christlich Sozialen: Klimapolitik ist gleichzeitig auch Industriepolitik. "Es gibt immer zwei Seiten der Medaille", präzisiert das Klaus Mrasek. "Auf der einen stehen die Kosten – und auf der anderen der wirtschaftliche Nutzen." Und mit der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) besitze die Stadt Amberg im Klima- und Umweltsektor ideale Voraussetzungen, ergänzt Matthias Schöberl. Der ohnehin dafür plädiert, die Experten der OTH bei künftigen Neuplanungen immer automatisch dazu zunehmen.

"Auf der einen stehen die Kosten – und auf der anderen der wirtschaftliche Nutzen."

ÖDP-Fraktionsvorsitzender Klaus Mrasek

ÖDP-Fraktionsvorsitzender Klaus Mrasek

Klaus Mrasek weiß noch nichts von der Unwetterkatastrophe zwei Tage später als er sagt: "Uns läuft einfach die Zeit davon." Dabei sieht er die "große" Politik oft auch als Hemmschuh. Ein Bespiel: "Der Erneuerbare-Energie-Gesetz wurde zum Bürokratiemonster aufgeblasen." Mit dem eindeutigen Ziel, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu bremsen, sagt Mrasek. "Dabei ging es nur ums Geld." Auch hier ist er sich mit dem CSU-Kollegen Matthias Schöberl einig: Es muss noch viel mehr Photovoltaik geben – und auch Windräder sollen und müssen gebaut werden, wenn die Bürger mit ihm Boot sind. 10-H-Regel hin oder her.

Mit den Leuten reden

Wichtig ist Matthias Schöberl, mit den Leute von vorne herein zu reden, sie umfassend zu informieren. Wie es beispielsweise bei der geplanten Freiflächen-Photovoltaik-Anlage am Postweiher geschehen sei. Auch wenn man die Anwohner dort am Ende nicht mehrheitlich davon überzeugen konnte. "Aber wenn kein Argument für diese PV-Anlage da gewesen wäre, hätten wir das auch nicht gemacht", verteidigt Matthias Schöberl das Projekt. "Die Leute sollen sehen, dass wir uns mit den Themen beschäftigen." Und die Menschen sollen nach seiner Ansicht auch erkennen, dass hinter der Klimapolitik der Amberger CSU und ÖDP ein Konzept steckt. Dass nach dem Bau der Photovoltaik am Postweiher, am ehemaligen Bundeswehrkrankenhaus oder auf dem Schlackenberg der Luitpoldhütte nicht Schluss sein wird.

"Wenn kein Argument für diese PV-Anlage da gewesen wäre, hätten wir das auch nicht gemacht."

CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl zur geplanten PV-Anlage am Postweiher

CSU-Fraktionsvorsitzender Matthias Schöberl zur geplanten PV-Anlage am Postweiher

Möglichst viel oder allen Amberger Strom erneuerbar zu gewinnen, kann nach Einschätzung von Mrasek und Schöberl aber auch nur ein Schritt sein. "Das Bauen ist zum Beispiel mit 40 Prozent Anteil der weiße Elefant beim CO2-Ausstoß", sagt Klaus Mrasek. Man könne ja schließlich auch mit Holz bauen, ergänzt Matthias Schöberl und verweist darauf, dass im Landkreis Starnberg inzwischen alle öffentlichen Neubauten mit dem umweltfreundlichen Baumaterial laufen. Und das sei kein Thema nur für den Stadtrat. "Da müssen auch unsere städtischen Töchter ran." Also Stadtbau, Wirtschaftsförderung oder Stadtwerke. "Als Deutschland sind wir da nicht vorne dran", ergänzt Klaus Mrasek und fordert ein Mehr an ökologischem Bauen, um diese "graue Energie" deutlich zu reduzieren.

Amberg beschafft ökosozial

Ein weiteres Feld der gemeinsamen Klimapolitik soll der Verkehr sein. Aber nicht einfach nur der Ersatz von Verbrennungs- durch Elektromotoren. Eine komplett andere Mobilität schwebt den beiden Fraktionsvorsitzenden vor. Mit weniger Autos, mehr Fahrräder, Bus und einem durchgängigen Konzept. "Es muss so funktionieren, dass ich am Ende eigentlich keine Auto mehr brauche", sagt Matthias Schöberl. Weiß aber auch, dass das heute noch Zukunftsmusik ist. Kleine Schritte sind es, die Amberg so langsam in die richtige Richtung bringen. Beispiel: Ökosoziale Beschaffung bei der Stadt Amberg. "Wir steigen da ganz tief ein", schildert Matthias Schöberl wie schwierig es für den einzelnen Stadtrat zu erkennen ist, welche Waren wirklich fair produziert wurden und umweltfreundlich sind.

Natürlich spielt dabei auch das Geld eine Rolle – bei der derzeit angespannten Haushaltslage sowieso. "Ich verstehe sowieso nicht, warum es immer teurer wird, wenn man ökologisch denkt", denkt Klaus Mrasek laut über eine preisliche Angleichung von Öko und Nicht-Öko nach. Letztendlich bleibe der Stadt ohnehin nichts übrigen. Spätestens 2040 müsse die Klimaneutralität erreicht sein. Sonst sei es möglicherweise schon zu spät.

Auch Fridays for Future hat bereits Kontakt mit dem Amberger Stadtrat aufgenommen

Amberg
Hintergrund:

Gemeinsam haben CSU und ÖDP eine Mehrheit

  • CSU und ÖDP sind im Amberger Stadtrat nach der Kommunalwahl von 2020 eine Koalition eingegangen.
  • Die CSU verfügte nach der Wahl über 17 Sitze im 40-köpfigen Amberger Stadtrat, die ÖDP über drei Sitze.
  • Mit der Stimme von Oberbürgermeister Michael Cerny (CSU) verfügt die Mehrheitskoalition über 21 von 40 Stimmen im Stadtrat.
  • Seit 2020 ist Franz Badura von der ÖDP 3. Bürgermeister. 2. Bürgermeister ist Martin Preuß von der CSU.
  • Fraktionsvorsitzender der CSU im Stadtrat ist seit 2020 Matthias Schöberl - er löste Dieter Mußemann ab.
  • Fraktionsvorsitzender der ÖDP ist Klaus Mrasek.
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