Um kurz vor 21 Uhr erreicht der Bus den Mariahilfberg. Dort wartet bereits eine Traube Menschen darauf, hinunter kutschiert zu werden. Hinauf will zu diesem Zeitpunkt keiner. Die Zelte sind um diese Zeit noch gut gefüllt, die Freiflächen ebenfalls. Nach und nach leert es sich, die letzte Stunde des Bergfests in Amberg rückt näher. Doch: Wann ist hier eigentlich die letzte Stunde? Irgendwie definiert sie jeder anders.
Licht geht dreimal aus
Einer, der es wissen muss, ist Roland Nitzbon. "Offizielles Ende ist um 22.30 Uhr", verkündet der Kirchenpfleger des Mariahilfbergs. Heißt also: Die letzte Stunde des Bergfests bricht um 21.30 Uhr an. Wann Zeit zum Heimgehen ist, sagt auch das Licht. Insgesamt dreimal geht es allabendlich aus. Zweimal geht es wieder an (um 22 und um 22.15 Uhr), das dritte mal um 22.30 Uhr sollte es eigentlich aus bleiben, um kundzutun, dass jetzt aber wirklich Schluss ist mit der Bierseligkeit hoch über Amberg. Doch meistens wird es auch beim dritten Mal wieder eingeschaltet, weiß Nitzbon. "Es soll ja beim Heimgehen niemand stolpern oder hinfallen." Außerdem räumt es sich im Hellen besser auf als im Dunkeln.
Die Tradition mit dem Licht hält auch Arno Diener hoch. Um kurz vor 22 Uhr sitzt er mit einer Maß Festbier auf der Bierbank und erinnert sich an früher. Als Punkt 22 Uhr Schankschluss war und den Durstigen die wirklich allerletzte Maß verstohlen durch den Seiteneingang des Zelts gereicht wurde. "Ab 22.30 Uhr ist heute absolutes Schankverbot", schildert Diener, der sich daran auch penibel hält. Schließlich steht es so in seinem Vertrag. Hocken bleiben darf man trotzdem noch – wenn man will, bis zum Morgengrauen. "Es schmeißt einen keiner raus", sagt Arno Diener, der selbstverständlich exakt dreimal den Stecker der Kabeltrommel zieht: um 22 Uhr, um 22.15 Uhr und um 22.30 Uhr. Seinem Empfinden nach kennen immer weniger Bergfest-Besucher den Brauch mit dem Licht. "Die Tradition stirbt langsam aus", bedauert er. "Früher hat immer jeder geplärrt, wenn es ausging."
Protest-Geschrei gehört dazu
Im Bruckmüller-Zelt scheinen sich all diejenigen versammelt zu haben, die den guten alten Licht-Brauch des Amberger Bergfests nach wie vor gut kennen. Das erste "Licht aus" quittieren sie sofort mit lautem Protest: Gegrummel, Geschrei und ein langgedehntes "Heeeeey". Höchste Zeit also, nochmals Nachschub an Bier oder Radler zu ordern. Wild-Vaitl-Wirtin Stefanie Lenz sitzt am Biertisch und plant schon für den nächsten Tag. Ein paar Garnituren weiter zählen die Bedienungen das Geld. Am Ausschank ist Endspurt. Flott bringen die Bedienungen noch Maßkrüge an die Tische. "Am Freitag und Samstag, da brummt's", weiß Stefanie Lenz. "Da bestellt fast jeder noch." Unter der Woche sind es weniger, die auf dem letzten Drücker noch was gegen ihren Durst tun wollen.
Weiter unten sitzt eine Gruppe junger Menschen beieinander. Ihre Krüge sind noch gut gefüllt. Deshalb bestellen sie auch nichts mehr. Ihr Plan: austrinken und heimgehen – auch aus Respekt vor denen, die nun auch endlich mal Feierabend machen wollen nach einem langen und harten Berg-Tag. Und auch aus Respekt davor, dass das Mariahilfbergfest schließlich ein kirchliches Fest ist. Unter der Woche geht's nach Hause, am Wochenende schon auch mal zu einer After-Bergfest-Party in der Stadt.
Die meisten Besucher sind schon satt
Die "Hauptstraße" des Bergfests, die Gasse zwischen den Zelten und den Essensständen, ist nahezu verwaist. Der Käsestand hat die Jalousien schon runtergelassen. Sputen muss sich, wer an den Bratwurstbuden noch seinen Teller abgeben und sein Pfand zurückhaben will. Ein Wienerl im Schlafrock, ein Stück Zwiebelkuchen und eine Nussschnecke: Das ist alles, was Bäcker Alfred Schuller um diese Zeit noch anzubieten hat. Groß ist die Nachfrage in der letzten Bergfest-Stunde eh nicht mehr – hier ein Stangerl, da eine Breze. Oder eine Semmel.
Durch mit dem Tag am Mariahilfberg sind zu diesem Zeitpunkt auch Evi Schüler, Chefin der Metzgerei Hirschau aus Amberg, und ihr Team. In der letzten Bergfest-Stunde geht am Bratwurststand nicht mehr viel. Schon um kurz nach 21.30 Uhr liegen nur noch gut 20 Würste auf dem Rost. "Es kommen nur noch einzelne", sagt Evi Schüler. Der Klassiker unter den Spät-Bestellern: eine Bratwurst-Semmel für den Nachhauseweg. Wenn die letzten Würste den heißen Grill verlassen haben, wird der Rost gereinigt, wird geputzt und aufgeräumt.
Rein in den letzten Bus
So langsam packt auch die BRK-Bereitschaft Amberg I zusammen. Bisher waren die Bergfest-Abende aus Sicht des Sanitätsdienstes ruhig. "Aber wir wissen nie, was kommt", sagt Miriam Flieder. Tagsüber ist das Rote Kreuz mit drei Helfern oben, am Abend sind sie zu fünft. Der letzte Bus der Bergfest-Linie fährt um 22.50 Uhr ab. Sechs Fahrgäste wollen mit. "Schnell, rein jetzt da", drängt eine junge Frau ihre drei Begleiter zum Einsteigen. Drei Taxen stehen noch bereit, um die letzten Bergfestgänger hinunter in die Stadt zu bringen. So langsam kehrt Ruhe ein. Himmlische Ruhe.





























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