15.01.2020 - 14:31 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Brauer kündigen höhere Bierpreise an

Die Weltmarktpreise für Hopfen und Malz steigen. Das bekommen auch die Brauereien in der Region zu spüren. Um wirtschaftlich zu bleiben, müssen sie mit dem Preis nach oben gehen. Das bedeutet: Die Amberger Biere werden teurer.

Für ein frisch gezapftes Bier müssen die Amberger künftig wohl etwas mehr auf die Theke legen. Einige regionale Brauereien erhöhen die Preise.
von Florian Bindl Kontakt Profil

In der vergangenen Woche machte eine Meldung der Großbrauereien Radeberger und Krombacher die Runde. Wegen gestiegener Herstellungskosten werde dort im März der Preis für Fassbier nach oben gehen. Um wie viel, das hielten die Unternehmen unter Verschluss.

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Steht nun auch Bierliebhabern in der Region ein höherer Preis für den goldenen Gerstensaft ins Haus? Ja, denn die Entwicklung beschränkt sich beileibe nicht nur auf die großen Brauunternehmen. Auch die regionalen Brauereien bekommen sie zu spüren. Grund dafür, so erklären es die Amberger Brauer, sind in erster Linie die stetig steigenden Rohstoffpreise. „Die gehen zur Zeit nur noch nach oben. Hopfen und Malz sind teurer geworden. Wenn wir da unsere Preise nicht anpassen“, erklärt Gerhard Schmidkonz vom Schloderer-Bräu, „dann können wir irgendwann gar nicht mehr wirtschaften.“

Geringe Ernteerträge

Dazu kämen die hohen Energiekosten. Das letzte Jahr habe er noch abgewartet und mit banger Hoffnung den Rohstoffmarkt beobachtet. Es folgte Ernüchterung. Der Malzpreis sei zuletzt um ganze 20 Prozent gestiegen. „Das sind für mich nicht nur ein paar Cent“, sagt er. Nach Rücksprache mit seinem Rohstofflieferanten habe er beschlossen, selbst mit dem Preis nach oben zu gehen. Um drei Prozent. Seine Mehrkosten deckt das nicht.

Was ist der Grund für die hohen Rohstoffkosten? Schmidkonz hat insbesondere neue, große Abnehmerländer wie China als Kostenfaktor ausgemacht. Der Weltmarkt sei „völlig unbeherrschbar und unübersichtlich geworden“, so der Brauer. Hinzukämen extreme Wetterlagen, vor allem trockene Sommer. Die Erträge seien wesentlich geringer als früher. „Wir müssen teilweise neue Gerstensorten verwenden, die eigentlich gar nicht als Braugerste gedacht sind“, macht Schmidkonz die Situation deutlich.

Zwei Jahre lang hat auch die Brauerei Winkler ihre Preise nicht erhöht, nun sieht aber Junior-Chef Maximilian Winkler den Zeitpunkt gekommen, zu handeln. „Für uns ist es ein Wahnsinn, was in den letzten Jahren auf der Einkaufsseite passiert ist. Das hat es so noch nie gegeben“, sagt er. „Alles was wir brauchen, ist teurer geworden.“ Diese Entwicklung sei natürlich zu berücksichtigen. Noch im Frühjahr stehe deshalb eine Preiserhöhung an, „wir müssen schließlich überleben können“.

Kann den Brauereien ein höheres Kistenpfand helfen?

Amberg

„Klagen auf hohem Niveau“

Darum wird auch Martin Sterk von der gleichnamigen Brauerei in Raigering nicht herumkommen. Im Herbst dürfte es so weit sein. „Gewisse Engpässe kann man auffangen, aber irgendwann musst du reagieren“, stellt Sterk klar. Die Kosten würden überall steigen – ob Rohstoffe, Energie, Löhne oder Leergut. Insgesamt werde die Bierpreiserhöhung für die Kunden aber in einem erträglichen Rahmen bleiben. „Wir haben hier in Deutschland mit dem Reinheitsgebot schließlich eine Bierkultur“, so Sterk. Und die gelte es aufrechtzuerhalten.

Der Bayerische Brauerbund hat sein Möglichstes getan, um die Brauereien zu entlasten. Geschäftsführer Lothar Ebbertz erkennt ein großes Problem im Bereich der Personalkosten. Da regionale Bierbrauer besonders personalintensiv arbeiten würden, treffe sie eine Lohnkostenerhöhung doppelt. Um 3,5 Prozent stiegen die Löhne jüngst. Im März sind noch einmal 2,5 Prozent vorgesehen. Für einen höheren Bierpreis hat Ebbertz deshalb Verständnis.

All jenen, die wegen der steigenden Bierpreise gleich den Untergang des Abendlandes heraufziehen sehen, empfiehlt Ebbertz einen Blick ins Ausland: „Wir haben in Deutschland ohnehin den Luxus relativ niedriger Preise.“ Wer sich für den Erhalt regionaler Brauereien einsetzen wolle, der müsse bereit sein, ein paar Cent mehr zu zahlen. „Wir klagen auf sehr hohem Niveau. Freibier ist etwas Schönes, klar. Aber vom Freibier kann niemand leben.“

Kommentar:

Cheers? Dann doch lieber Prost!

Wer sich in England für ein frisches Pint (0,57 Liter) entscheidet, der ist möglicherweise überrascht, wenn der griesgrämige Kellner „five pounds, twenty“ verlangt. Beinahe sechs Euro beträgt der Durchschnittspreis für ein Glas Bier auf der Insel. Und bei uns? In der Oberpfalz ist das Geschrei schon groß, wenn ein Bier statt 2,80 plötzlich 3 Euro kostet. Klar, Bier sollte so günstig wie möglich sein, ein jeder sollte es sich leisten können. Dass die regionalen Brauereien sukzessive ihre Preise erhöhen, hat aber keineswegs mit Gier zu tun. Wie jedes andere Unternehmen müssen sie ihre Ausgaben im Blick behalten. Was hilft der günstigste Bierpreis und das wohlschmeckendste Gebräu, wenn der Brauer am Ende auf dem Trockenen sitzt? Ein höherer Bierpreis ist deshalb legitim. Und auch notwendig. Prost!

Florian Bindl

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