14.06.2019 - 12:30 Uhr
AmbergOberpfalz

Höheres Pfand für die Kiste Bier? Das sagen die Brauereien im Landkreis Amberg-Sulzbach

Sie dienen als stylisches Sitzmöbel und beim Malern als praktischer Tritt: leere Bierkisten, die nicht zurückgegeben werden. Ein existenzielles Problem für Brauereien – auch im Landkreis Amberg-Sulzbach. Sind 8 oder 9 Euro Pfand die Lösung?

Das Pfand-System der Brauereien steht in der Diskussion. Sollen die Pfandsätze erhöht werden, um die Brauer zu entlasten?
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Erst vor Kurzem klingelte bei der Freudenberger Brauerei von Alwin Märkl das Telefon. Es meldete sich ein Unternehmer, der stolze neun Paletten mit Kisten des Oberpfälzer Bieres in Norddeutschland in nur einem Vierteljahr gesammelt hatte. Auf einer Palette finden 40 Kästen Platz. „Natürlich waren wir überrascht, denn wir sind eine sehr kleine Brauerei“, sagt Barbara Märkl.

Es sei nicht ganz günstig gewesen, diese zurückzukaufen, erklärt sie. „Trotzdem waren wir froh, dass sich der Mann bei uns gemeldet hat.“ Bei einem aktuellen Satz von 1,50 Euro Pfand für den Kasten sei die Rücklaufquote leider nicht immer so, wie es die Brauerei gerne hätte. Genau beziffern, wie viele Kisten die Freudenberger tatsächlich zurückbekommen, könnten sie nicht, sagt Barbara Märkl. Es komme aber erschwerend hinzu, dass viele rückläufige Kästen aufwendig gewaschen werden müssten. Der Zustand sei nicht immer top. „Die Kisten neu zu kaufen ist aber auch nicht billig.“ Es sei sinnvoll, das Pfand zu erhöhen. „Wir hoffen auf eine Entscheidung unseres Verbands“, erklärt Märkl.

Seit Jahren nicht erhöht

„Unser Verband“, das ist der Zusammenschluss der privaten Brauereien in Bayern. Deren neuer Präsident ist Georg Rittmayer. Er selbst hat eine kleine Brauerei in Oberfranken – und er schlägt genau bei diesem Thema Alarm. Denn gerade im Sommer steigt wieder der Durst vieler Bierliebhaber. Oft stapeln sich im Keller dann die leeren Kisten – teilweise monatelang. Natürlich fehlen somit den Brauern die Flaschen und Kisten, um weiter Gerstensaft abfüllen zu können. Dann müssen die Brauer Kisten und Flaschen nachkaufen.

Franz Dorfner von der Schlossbrauerei in Hirschau kennt das Problem. Auch er plädiert für höhere Pfandsätze.

Ersatz ist teuer. Das Pfand hat sich seit Jahrzehnten nicht erhöht. Es spiegelt nicht im Mindesten den tatsächlichen Wert wider. Gerade für kleinere Brauereien entwickelt sich das zu einem existenziellen Problem. Er fordert daher zwischen acht und neun Euro Pfand für eine Kiste Bier. Max Winkler von der gleichnamigen Amberger Brauerei kann das nachvollziehen. Sein Vorschlag: fünf Euro Pfand. Das sei ein Durchschnittswert. In den vergangenen zwei Sommern ist die Produktion beziehungsweise das Abfüllen von Winklers beliebten Naturradler ins Stocken geraten. „Wir mussten nach dem Leergut, das gerade vorhanden war, abfüllen.“ Auf Dauer sei das schwierig. Für diesen Sommer habe seine Brauerei wieder in Flaschen und Kisten investiert. Zwischen fünf und sechs Euro kostet seinem Unternehmen eine Kiste. „Das ist auch davon abhängig, wie aufwendig der Druck auf der Kiste ist.“ Dann könne es auch noch teurer werden. Bei 10 000 Kisten macht das schnell zwischen 50 000 und 60 000 Euro für eine Brauerei. „Unbegrenzt bevorraten können wir aber auch nicht.“

Im August 2018 hatte seine Brauerei öffentlichkeitswirksam einen Aufruf zur Rückgabe gestartet: „Im Radio und in der Zeitung haben wir unsere Kunden gebeten, im Keller nach Leergut zu sehen.“ Die Aktion habe erstaunlich gut funktioniert. „Es waren so viele da, um ihre Kisten hierher zu bringen.“ Darunter sei auch ein Tragerl gewesen, in dem sich leere Bierflaschen mit dem Haltbarkeitsdatum bis 2008 befanden.

Reuth bei Erbendorf

Realer Verlust für Brauer

Winkler ist Mitglied eines Arbeitskreises, der sich zu diesem Thema beim Branchenverband gebildet hat. Die bayerischen Brauer, so sagt er, wollten das Mehrwegsystem, das es eigentlich nur noch in Deutschland gibt, unbedingt erhalten. „Glasflaschen zu kaufen, die dann später im Container landen: Damit ist keinem geholfen.“ Ihre Flaschen würden die Brauer bis zu 50 Mal wiederbefüllen. „Die Gefahr ist aber groß, dass mit der aktuellen Entwicklung die Kosten irgendwann zu groß für uns werden.“ Vielleicht müssten die Brauer dann doch auf Einwegflaschen setzen. „Ich könnte sagen: Wie die Flaschen entsorgt werden, ist mir egal. Aber das ist doch nicht hilfreich.“ Das passe gerade in die Diskussion um die Plastikverschmutzung auf der Welt.

Amberg

Sollte das Pfand tatsächlich angehoben werden, müssten vorher allerdings Fragen geklärt werden: Wie lassen sich Pfandautomaten auf den neuen Preis umstellen? Wie lassen sich große Handelsketten überzeugen, mitzuziehen? „Auf jeden Fall ist es nicht sinnvoll, die Differenz auf den Bierpreis aufzuschlagen“, sagt Winkler. Damit würde man sicherlich die Falschen bestrafen.

Franz Dorfner von der Schlossbrauerei in Hirschau sieht das genauso. „Es kann nicht sein, dass sich ein uralter Pfandsatz nicht dem realen Wert der Wiederbeschaffung anpasst.“ Er glaubt jedoch nicht, dass ein höheres Pfand auch bedeuten würde, dass die Bierliebhaber die leere Kiste schneller zurückbrächten. „Vielleicht ist es aber ein Anreiz, dass die Leute sorgsamer damit umgehen.“ Also aus den Kisten keine Treppen, Leitern oder Gerüste bauten. „Sondern nur für das hernehmen, wofür sie gedacht sind.“

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.