27.08.2021 - 11:13 Uhr
AmbergOberpfalz

Als die Amberger mit eigenem Porzellangeld zahlten

Als die Zahlungsmittel einst knapp wurden, gab Amberg vor genau 100 Jahren sein eigenes "Stadtgeld" heraus. Diese Münzen waren echte Schönheiten. Aus Porzellan. Im Stadtarchiv gibt es noch welche.

von Externer BeitragProfil

Welche Kommune träumt nicht davon, ihr Geld selbst herzustellen? "Dass solche Wünsche zu Beginn der 1920er-Jahre für kurze Zeit wahr wurden, lag allerdings an wenig traumhaften Zeiten", berichtet Stadt-Pressesprecherin Susanne Schwab. Schon während des Ersten Weltkriegs sei es zur Zahlungsmittelknappheit im Deutschen Reich gekommen, die die Reichsbank mit zahlreichen Maßnahmen zunächst nur lindern konnte. "Deshalb nahmen Gemeinden und Unternehmen das Problem vielfach in die eigene Hand – so auch die Stadt Amberg".

Daran erinnerten jetzt Ambergs Zweiter Bürgermeister Martin Preuß und der Leiter des Stadtarchivs, Andreas Erb. Dazu hatte der Archivar das exakt vor 100 Jahren herausgegebene Amberger „Stadtgeld“ aus Porzellan samt des dazugehörigen Schriftverkehrs aus dem Bestand heraussuchen lassen. „Einige dieser Stücke werden künftig auch im Amberger Stadtmuseum zu sehen sein“, wird Erb in einer Pressemitteilung der Stadt zitiert. Diese Leihgabe sei über einen neu in Angriff genommenen Objektaustauschs zwischen den beiden Einrichtungen erfolgt.

Porzellangeld aus Selb

Für Bürgermeister Preuß sind die Porzellanmünzen ganz besondere Schmuckstücke aus der reichhaltigen Amberger Schatztruhe. „Objekte wie diese tragen erheblich dazu bei, die Historie unserer Stadt erleb- und begreifbar zu machen“, freute er sich. Die Geschichte des Porzellangeldes hatte bereits 1917 ihren Anfang genommen. "Damals gab die Porzellanfabrik Philipp Rosenthal in Selb Kleingeldersatzmarken aus diesem Werkstoff für innerbetriebliche Zwecke aus", heißt es in der Pressemitteilung. Die Mangelsituation war jedoch buchstäblich nur eine Seite der Medaille. "Früh erkannten viele, dass die Herstellung und Ausgabe von eigenem Geld auch im Hinblick auf Sammler lukrativ sein konnte. Dies traf auch auf die Stadt Amberg zu, als sie bei der Porzellanmanufaktur in Meißen ihre eigenen Münzen bestellte."

Als Motiv wählte man im März 1921 anstelle reiner Zahlenangaben und Hoheitszeichen die Martinskirche, deren 500. Jubiläum in diesem Jahr gefeiert wurde. Daran hielt man auch fest, als die Porzellanmanufaktur auf die Herstellungsprobleme des sehr filigranen Entwurfs hinwies und stattdessen eine standardisierte Fertigung vorschlug. "Schließlich kam eine von 18 auf 23 Millimeter Durchmesser vergrößerte und vereinfachte Darstellung des Kirchturms zur Ausführung, von der 200.000 Exemplare im Wert von jeweils 25 Pfennig bestellt und produziert wurden", berichtet Susanne Schwab. "Um die Münzen zum Kirchfest am 19. Juni absetzen zu können, drängte der Stadtrat auf eine schnelle Lieferung."

Notgeld verboten

Der Traum vom eigenen Amberger Geld währte indes nur kurz. Schon im Juli 1921 verbot der Freistaat Bayern die Ausgabe neuen Notgelds wieder und ordnete eine Einziehung im Folgejahr an. Noch im gleichen Jahr wurden die gelieferten Stücke auf den Sammlermarkt gebracht, wo sie laut einer Abrechnung im April 1923 einen Reingewinn von knapp 10.000 Mark erzielten – einschließlich der Erträge für insgesamt 69 Münzen, die in dieser Zeit zerbrochen waren.

Die galoppierende Inflation verschlang den Gewinn sehr schnell. „Das zeigt, dass die Hoffnungen der städtischen Verantwortlichen auf leicht verdientes Geld nicht weniger fragil waren als die Münzen selbst“, stellte Stadtarchivar Erb fest – und machte damit alle Hoffnungen zunichte, auch in unseren Tagen das leere Stadtsäckel auf diese Art und Weise wieder etwas auffüllen zu können.

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