04.08.2021 - 16:49 Uhr
AmbergOberpfalz

Über den ersten "Flitzer" Ambergs und andere Anrüchigkeiten

Der Pfarrer von St. Georg beschwert sich regelmäßig über den Gestank im Stadtgraben. Geholfen hat es nichts. Dafür werden die Karpfen fett, die die Bürgermeister kostenlos fischen dürfen.

Das Kurfürstliche Zeughaus mit davor in die Vils mündendem Stadtgraben vor der ersten Stadtmauer.

Mit dem Bau der Kanalisation wurde in Amberg um 1920 begonnen. Bis dahin liefen die Abwässer in den zumindest links der Vils noch existenten Stadtgraben der alten Stadtmauer und weiter in die Vils. Zu vermeiden war jedoch auch eine Abwasserbelastung im jetzigen Stadtgraben nicht. Im 16. Jahrhundert war es Ehrensold der Bürgermeister, gratis im Stadtgraben fischen zu dürfen. Es müssen fette Karpfen gewesen sein!

Rechts der Vils, wo sich das Wasser nur bei dem alljährlichen Hochwasser auswechselte, hat es furchtbar gestunken. Dies wissen wir von regelmäßigen Beschwerdeschreiben der Pfarrer von St. Georg. Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts diente das im ersten Stadtgraben fließende Wasser noch der Energiegewinnung, zum Beispiel der direkt am Stadtgraben angesiedelten Gewehrfabrik, und es war im Brandfall gleichzeitig Löschwasser.

Nackt durch die Stadt

Gefängnisse im heutigen Sinne kannte man bis etwa 1700 nicht. Kleinere Vergehen wurden mit einigen Tagen Turm bestraft. So ist der Dockenhansl einer der mächtigsten und gleichzeitig der bekannteste Stadtturm, benannt nach einem jungen Mann namens Hans. Er war um 1570 der erste uns bekannte "Flitzer" in Amberg. Hatte er eine Mass zu viel getrunken, rannte er nackt durch die Stadt. Im Dockenhansl eingesperrt, ging er seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Schnitzen von Holzpuppen, sogenannten Docken, nach.

Doch es ist nicht der erste Name des Turms. Bereits 1438 wird der Turm Pfaffenhänsl genannt. Ein Bürger namens Pfaffenhenslein ließ das untere Gewölbe ausbauen. Über Jahrhunderte hat sich jedoch das Aussehen des Turmes wiederholt verändert.

Kanonenkugel in der Suppe

Schon mal etwas vom "Amberger Knödel" gehört? Während des Spanischen Erbfolgekrieges kamen auf einigen Stadttürmen Kanonen in Stellung. Vom Mariahilfberg aus wurde 1703 die Stadt von österreichischen Truppen beschossen. Die Antwort, abgesandt von einer Kanone auf dem Dockenhansl, war eine Kugel, die in der Suppenschüssel des feindlichen Generals landete, der "Amberger Knödel". In memoriam ist dieser über dem Portal der Kirche eingemauert.

Da Amberg im Mittelalter zu keiner Zeit angegriffen wurde, konnte man Stadttürme zweckentfremden. Sie dienten Handwerkern oder auch dem Totengräber als Lagerräume oder waren, wie auch dunkle Verliese der Stadttore, Gefängnisse. Schwerverbrecher durften bis zur Folter und der eventuellen Hinrichtung maximal 14 Tage darin festgehalten werden.

Um 1700 wurden die ersten Gefängnisse im heutigen Sinne geschaffen, in Amberg die Fronfeste. Hier stand ein mächtiger Stadtturm, der gleichzeitig als Getreidelager diente.

Dieser wurde zu sieben Zellen und einer Zelle für den Eisenknecht umgebaut. In der Folgezeit entstand dann die Strafanstalt im heutigen Ausmaß bis hin zum Event-Hotel "Rast im Knast". Ab 1864, als man in Bayern damit begann, die Hinrichtungen nicht mehr mit dem Schwert, sondern mit dem Fallbeil zu vollziehen, erfolgten alle im Hof der Fronfeste, die letzte 1935.

Umfunktionierte Türme

Doch zurück zu den Türmen. Je nach Zweckentfremdung bekamen einige auch einen Namen. Insgesamt 28 beschreibt Anton Dollacker. So zum Beispiel den Alhartsturm, zwischen Nabburger Tor und Dockenhansl, benannt nach dem bekannten Amberger Patriziergeschlecht. Vermutlich musste hier ein Alhart wegen Teilnahme am Bürgeraufstand von 1453 einsitzen.

Der Obere Mühlturm, heute Pulverturm, gegenüber der ehemaligen Oberen Mühle, beherbergt heute die Amberger Zeitung. Der Untere Mühlturm, am ehemaligen Paulanerkloster, diente dagegen dem städtischen Mühlverwalter als Lagerraum.

Der Schuldturm war Teil des Nabburger Tores. Sein Name ist selbsterklärend. Rosenturm, Stadtbotenturm, Schwarzturm usw. - von manchen kennt man die Bedeutung nicht mehr, von anderen ist wiederum der Standort unbekannt.

Vor dem Vilstor, am Eispavillon, die Saubastei, ein Bollwerk des 17. Jahrhunderts, dahinter der einstige Pulverturm. Im 17. Jahrhundert schlug hier der Blitz ein, die Pulverfässer gerieten in Brand. Die Mönche des benachbarten Franziskanerklosters betätigten sich als Retter. Sie warfen die brennenden Fässer in die (damals) benachbarte Vils. So sagt man. Anderweitig heißt es nämlich, dass der Blitz "nur" die Reifen der Fässer sprengte.

Einlass gegen Obolus

Am Vilstor noch sehr schön zu sehen, die Rollen der Zugbrücke und die der Fußgängerbrücke. War die Zugbrücke mit Einbruch der Dämmerung hochgezogen, wurde ein verspäteter Fußgänger über diese kleine Brücke, natürlich gegen Entrichtung eines Obolus, eingelassen.

Auf dem Vilstor, dem heute ältesten Stadttor Ambergs, befindet sich das landesherrliche Wappen, auf der Barbakane das der Stadt. Und auch hier sieht man wieder Maulscharten. Die Durchgänge beidseits des Tores stammen aus der Neuzeit.

Nachdem Amberg Garnisonsstadt wurde, mussten die Einwohner, so sie aus den Wäldern Feuerholz in die Stadt brachten, am Stadttor jeweils ein Scheit für die Garnison abliefern. Alle Stadttore waren bis 1941 Mautstellen. Hier kassierte der Torwächter den Pflasterzoll. (ddö)

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