31.03.2020 - 14:47 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Kongresszentrum ist jetzt Corona-Testzentrum

Das ACC in Amberg ist jetzt offiziell Corona-Testzentrum: Hier werden nun Covid-19-Verdachtsfälle getestet – aber nur, wenn das ein Arzt für nötig hält. Einfach vorbeikommen kann man hier nicht.

Stadt und Landkreis haben im ACC ein gemeinsames Corona-Testzentrum eingerichtet. Es gehe darum, Kräfte zu bündeln und Arztpraxen sowie Krankenhäuser zu entlasten, betonten (von links) BRK-Chefarzt Dr. Michael Scherer, Oberbürgermeister Michael Cerny und Landrat Richard Reisinger, die die Einrichtung am Dienstagvormittag der Öffentlichkeit vorstellten.
von Heike Unger Kontakt Profil

Wegen der Covid-19-Pandemie müssen alle Landkreise und kreisfreien Städte Corona-Testzentren einrichten. Amberg und der Landkreis, die in der Krise schon auf anderen Ebenen eng zusammenarbeiten, haben sich für ein gemeinsames Testzentrum entschieden: Sie wollen ihre Kräfte bündeln, und zwar wegen der zentralen Lage in Amberg. Das derzeit für andere Veranstaltungen geschlossene Kongresscentrum (ACC) wurde dafür im Erdgeschoss entsprechend eingerichtet.

Wenn das Testzentrum seinen Betrieb aufnimmt, haben hier nur noch Berechtigte Zutritt: Deshalb stellten Oberbürgermeister Michael Cerny und Landrat Richard Reisinger die neue Einrichtung am Dienstagvormittag der Öffentlichkeit vor. Beide betonten mehrfach, dass hier nicht einfach jeder vorbei kommen kann, der wissen möchte, ob er infiziert ist.

Info:

Gut zu wissen

„Nicht einfach zum ACC fahren“, so lautet der Appell von Landrat Richard Reisinger: „Das würde alles sprengen“, die Test-Kapazitäten sind begrenzt und nicht auf einen Massenansturm ausgelegt. Andernorts habe man versucht, in größerem Ausmaß zu testen, „das hat zu Chaos und Turbulenzen geführt“. Es komme also darauf an, „die Richtigen zu testen“, ergänzt Oberbürgermeister Michael Cerny – damit die Testergebnisse auch aussagekräftig seien.

Brillen, Mundschutz, Handschuhe, Schutzanzüge: Die Ausrüstung für die Mitarbeiter im Testzentrum im ACC liegt schon bereit.

Getestet werden im ACC nur Menschen mit Corona-Symptomen, die von einem niedergelassenen Arzt oder von der kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) ins Testzentrum überwiesen werden. Ohne diese Überweisung gibt es hier keinen Zutritt und auch keinen Test. Betreiber des Testzentrums im ACC sind die Kassenärztliche Vereinigung und der BRK-Kreisverband. Unterstützt werden beide von Sanitätern der Bundeswehr aus der Schweppermannkaserne in Kümmersbruck.

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Erst beim Arzt anrufen

Weiterhin gilt: Wer fürchtet, er könnte infiziert sein, nimmt per Telefon Kontakt mit seinem Hausarzt oder der KVB-Hotline (116 117) auf. Wenn ein Verdacht auf eine Covid-19-Infektion besteht, wird der Patient auf einer Liste vermerkt. "Wer gelistet wird, wird angerufen und bekommt einen Termin", erläutert OB Cerny das weitere Verfahren. Zum vereinbarten Zeitpunkt fährt der Betroffene dann mit seinem Auto direkt am ACC vor und wartet im Wagen, bis er abgeholt wird.

Markierungen, Absperrungen, Trennwände: Das Foyer des ACC wurde so umgestaltet, dass hier Corona-Verdachtsfälle getestet werden können, ohne dass sich Infizierte und Gesunde begegnen.
Hintergrund:

Ein Blick auf die Partnerstädte in Italien und Griechenland

Das Ergebnis des Corona-Tests, der im ACC gemacht wird, bekommen Betroffenen „im Optimalfall innerhalb von 36 Stunden“, sagte Martin Schafbauer aus der Führungsgruppe Katastrophenschutz. Allerdings arbeiteten die Labore, die die Abstiche untersuchen, bereits an der Belastungsgrenze: „Deshalb kann es auch ein paar Tage dauern.“

Vorsicht ist wegen der Ansteckungsgefahr geboten: Die Mitarbeiter im Testzentrum arbeiten in voller Schutzausrüstung, mit Schutzkleidung, Handschuhen, Mundschutz und Schutzbrillen. Das ist laut Schafbauer sehr anstrengend, weshalb das Personal alle 120 Minuten wechselt. Landrat Richard Reisinger zeigte sich „froh, dass sich die Leute an die Ausgangsbeschränkungen halten“ und warb für Geduld: „Wir müssen da jetzt einfach gemeinsam mindestens bis 19. April durchhalten.“ OB Michael Cerny fügte hinzu, die Verantwortlichen wüssten, „dass sich viele Menschen Sorgen machen um ihre Gesundheit und ihre wirtschaftliche Existenz“. Umso wichtiger sei es, die Vorgaben einzuhalten, auch wenn es schwer falle: „Die wenigen, die sich nicht daran halten, zerstören das Große und Ganze nicht“, meinte Cerny zuversichtlich.

Ambergs OB richtete den Blick auch in die Ferne, auf die Amberger Partnerstädte, insbesondere in den stark betroffenen Ländern Griechenland und Italien. Die Menschen dort seien „enorm enttäuscht von Europa“, fühlten sich allein gelassen. „Brüssel war lange nicht sichtbar.“ Umso wichtiger sei es, zumindest „das Netzwerk der Städte zu nutzen“ und zu zeigen, dass man die Freunde in Desenzano und Trikala nicht vergesse. Cerny berichtet von einem Video, das ihm der in Desenzano für die Partnerschaft federführende Mario Marchioni geschickt hat – von langen Staus, nachdem Österreich wegen Corona seine Grenzen dicht gemacht hatte. Marchionis Kommentar dazu: „Das ist jetzt Europa.“

Zum Corona-Testzentrum in Amberg: Ein Kommentar

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Ein Sicherheitsdienst sorgt dafür, dass alles geregelt abläuft. Wer zum Test gebeten wurde, wird gleich im Eingangsbereich des ACC von einem Arzt in Augenschein genommen. Ergibt sich dabei, dass nicht getestet werden muss, wird der Betroffene gleich wieder heimgeschickt. Ist ein Test erforderlich, meldet sich der Besucher nach der ersten Sichtung bei der im ACC eingerichteten Anmeldung mit seiner Krankenkassenkarte und wird dann per Abstrich im Hals-/Rachenraum getestet. Das Ergebnis erfährt er innerhalb einiger Tage telefonisch.

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