12.10.2020 - 16:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Schulen bereiten sich schon auf Phase 3 vor

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Der Inzidenzwert für die Stadt Amberg hält sich auch am Montag wieder gefährlich weit oben. Bei 40,3 bereiten sich nicht nur die Schulen auf den möglichen Ernstfall vor. Es droht erneut Homeschooling.

Es ist für Kinder und Eltern ein Szenario, das sie eigentlich nicht mehr wollen: Homeschooling. Doch angesichts steigender Inzidenzwerte bereiten sich die Schulen in der Stadt Amberg bereits wieder auf den Unterricht zuhause vor.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Pünktlich zum Beginn der dritten Stunde hieß es am Freitag für die Kinder in den weiterführenden Schulen in der Stadt Amberg: Maske auf im Unterricht. Mit Überschreiten eines Inzidenzwertes von 35,0 trat automatisch Phase 2 des Drei-Stufen-Plans aus dem Kultusministerium in Kraft: "Ab Stufe 2 sind alle Schülerinnen und Schüler ab Jahrgangsstufe 5 auch am Sitzplatz im Klassenzimmer zum Tragen einer geeigneten Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtet, wenn dort ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht gewährleistet werden kann. Dies gilt nicht für Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1 bis 4."

Parallel dazu erließ die Stadt Amberg eine vorläufig bis Freitag, 16. Oktober geltende Allgemeinverfügung, die unter anderem die zulässige Anzahl der Teilnehmer an privaten Feierlichkeiten in öffentlichen oder angemieteten Räumen auf bis zu 50 Personen beschränkt. Probleme mit der Umsetzung gab es nach Auskunft der städtischen Pressestelle und der Amberger Polizei nicht. Einzig in einer Gaststätte in der Stadt soll es wegen der Nichteinhaltung der ohnehin schon geltenden Hygienebestimmungen zu einem Einschreiten der Ordnungshüter gekommen sein. Derweil bereiten sich die Schulen im Stadtgebiet auf den schlimmsten aller Fälle vor, das Inkrafttreten von Phase 3 des Drei-Stufen-Plans. Das ist gleichbedeutend mit einer Rückkehr zum teilweisen Homeschooling.

Zur Allgemeinverfügung der Stadt Amberg

Amberg

Schulen sind vorbereitet

"Die Schulen könnten von heute auf morgen wieder umstellen", sagt Beatrix Hilburger, die Leiterin des Schulamts Amberg-Sulzbach, das für Stadt und Landkreis zuständig ist. "Aber wir versuchen natürlich so lange wie möglich am Präsenzunterricht festzuhalten." Die Möglichkeiten sind hier bei einem Inzidenzwert von 50, also der Neuerkrankung von mehr als 50 Menschen innerhalb einer Woche, umgerechnet pro 100 000 Einwohner, eher gering. Wo der Mindestabstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann, muss ein Teil der Kinder wieder in den Heimunterricht. "Jede Schule hat dafür ihr eigenes Konzept", weiß Beatrix Hilburger. Die letzte Entscheidung trifft ohnehin das Gesundheitsamt. Geht die Überschreitung des Grenzwertes nämlich auf ein einziges, eingrenzbares Ereignis zurück, kann auf die Ausrufung von Phase 3 auch verzichtet werden.

Welche Auswirkungen hat die Allgemeinverfügung?

Amberg

Eine Schule, die bereits im Frühjahr sehr schnell und sehr effektiv auf die Corona-Pandemie reagiert hat, ist das Erasmus-Gymnasium. Schon am vergangenen Freitag erhielten hier die Schüler die Mitteilung, wie die Klassen bei Eintritt von Phase 3 geteilt werden, um im täglichen Wechsel in der Schule oder Zuhause Unterricht zu haben. "Mit diesem täglichen Wechsel bleiben die Schüler näher an der Schule", erklärt Schulleiter Karl Bösl die Abkehr vom Wochenzyklus, der vor den großen Ferien gegolten hat. "Damit haben andere Schulen einen guten Erfolg gehabt."

Homeschooling ist für den Direktor des Erasmus aber nur die allerletzte Konsequenz. "Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen", stellt Karl Bösl nüchtern fest. Denn natürlich sind den Lehrkräften die Lücken nicht entgangen, die der Lockdown in das Stoffwissen der Schüler gerissen hat. "Es gibt Schüler, die arbeiten diese Lücken zuverlässig wieder zu", weiß Bösl, vergisst aber auch die anderen nicht, die das nicht schaffen können oder wollen. "Dort werden die Lücken größer und größer." Da sich der Lehrplan - bisher - der Corona-Situation nicht angepasst hat, versuchen die Schulen diese Defizite in sogenannten Brückenkursen zu schließen. "Dafür muss dann der ein oder andere Wahlkurs dran glauben", sagt Bösl, der die dafür notwendigen Lehrerstunden eben nur begrenzt vorrätig hat.

Antworten des Bayerischen Innenministeriums auf häufig gestellte Corona-Fragen

Karl Bösl ist sehr offen in seiner Einschätzung: "Es wird schwierig sein, den Lehrplan mit den vorhandenen Defiziten umzusetzen." Auch wenn er sich sicher sei, dass alle Lehrer und Lehrerinnen ihr Bestes geben, so sei es letztendlich doch eine Illusion zu denken, man könne das vollständig auffangen. "Technisch ist Phase 3 für uns kein Problem", sagt Bösl - aber befriedigend ist das weder für die Schüler noch für die Lehrer. Kritik übt Karl Bösl an der Berechnung des Inzidenzwertes. Bei so einer kleinen Stadt wie Amberg hätten einige wenige Fälle eine große Auswirkung. Sein Vorschlag: Stadt und Landkreis werden hier eine Einheit, die Corona-Zahlen erhalten dadurch eine stärkere Aussagekraft, sagt Bösl.

Das antwortet das Kultusministerium auf die häufigsten Corona-Fragen

Kommentar:

Bitte nicht schon wieder Homeschooling

Nein, bitte nicht schon wieder! Für Eltern von schulpflichtigen Kindern, für die Kinder selbst, für Schulen und Lehrer ist es das, was sie zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht brauchen: Homeschooling. Die Lücken vom letzten Mal sind noch nicht geschlossen, der verpasste Stoff noch nicht aufgeholt, da geht der ganze Zirkus wieder los. Homeschooling ist kein Ersatz für den Präsenzunterricht an den Schulen. Nicht einmal ansatzweise. Schüler und Eltern auf sich allein gestellt, können nicht das leisten, was den Kindern an den Schulen an Wissen vermittelt wird. Schon jetzt fehlt vielen Schülerinnen und Schülern eine derartige Menge an Stoff, dass es wohl Jahre dauern dürfte, diese schwarzen Löcher wieder mit Wissensmaterie zu füllen. Apropos Wissen: Es ist ganz einfache Mathematik, die uns möglicherweise eine erneute Homeschooling-Phase beschert. Da die Stadt Amberg nur knapp 42.000 Einwohner zählt, braucht es lediglich 21 neue Corona-Fälle in einer Woche, um den Inzidenzwert von 50 zu erreichen. Würde man aber Stadt und Landkreis als eine Einheit mit 145.000 Einwohner nehmen – es gibt ohnehin ein gemeinsames Gesundheitsamt – hätten wir Stand Montag keine Inzidenz von 40,3 sondern von 17,2. Um den Grenzwert von 50 zu erreichen, müssten sich binnen einer Woche 73 Menschen in Stadt und Landkreis neu anstecken. Ein Wert, der wohl realistischer ist. Und es ist nur einfache Mathematik.

Andreas Ascherl

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