21.07.2020 - 16:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Stadtwerke stehen blendend da

Es gehört beinahe schon zur guten Routine im Stadtrat, dass Geschäftsführer Stephan Prechtl ein positives Jahresergebnis für die Stadtwerke abliefert. Davon weicht er auch im Coronajahr 2020 nicht ab - für 2019.

Die Pflege der beiden Amberger Bäder fällt auch in das Geschäftsfeld der Stadtwerke, die hier für die Bürger bewusst Verluste hinnehmen.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Ein Bilanzgewinn von 1,35 Millionen Euro, Investitionen von fast acht Millionen Euro und eine Wertschöpfung für die Region von 11,33 Millionen - die Amberger Stadtwerke stehen hervorragend da - zumindest taten sie das Ende 2019. Aber es soll auch im Krisenjahr 2020 so bleiben. Dafür werden die Mitarbeiter wieder hart arbeiten, versprach Geschäftsführer Stephan Prechtl am Montagabend bei der Jahresbilanz des Energieversorgers im Stadtrat.

Wobei der Begriff Energieversorger schon zu kurz gesprungen ist. Denn die Stadtwerke liefern nicht nur Energie über Strom, Gas und Fernwärme - dazu Wasser. Die städtische Tochter ist darüber hinaus auch für die beiden Bäder sowie zwei Tiefgaragen zuständig. Die Bilanzsumme, so stellte es Prechtl dar, lag 2019 bei 114 Millionen Euro, die Umsatzerlöse betrugen 92,265 Millionen Euro. Die gute Nachricht sei eine stetige Zunahme der Kunden - die Stadtwerke verkaufen ja seit Jahren auch außerhalb des Amberger Stadtgebiets. Profitiert habe das Unternehmen dabei nicht zuletzt durch die Pleiten von diversen Billiganbietern auf dem Markt. Beispielsweise die BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft oder die Degia Berlin.

Die Amberger Stadtwerke investieren ständig in ihr Leitungsnetz

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Folglich liege der Stromverbrauch in der Stadt 2019 bei rund 250 Gigawattstunden, tatsächlich verkauft hätten die Stadtwerke aber 267. Rechne man den zusätzlich gemessenen Eigenverbrauch über Erneuerbare Energie oder Kraft-Wärme-Kopplung hinzu, seien es sogar 273 Gigawattstunden gewesen. Ähnlich verhält es sich laut Prechtl auch beim Gas, wo einem Jahresverbrauch von 509 Gigawattstunden eine verkaufte Menge von 562 Gigawattstunden gegenüber steht.

Weniger positiv sieht es allerdings bei der Energieautarkie aus, also der Unabhängigkeit von externen Lieferanten für Strom und Gas. Tatsächlich können die Stadtwerke bisher nur einen kleinen Teil des Verbrauchs auch selbst produzieren. Über Beteiligung an Windkraft, an Photovoltaik oder Kraft-Wärme-Kopplung sind das derzeit rund 67 Gigawattstunden. Um die Lücke zu schließen, so rechnete Prechtl vor, müssten die Stadtwerke rein rechnerisch 21 Freiflächen-Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von je 10 Megawatt-Peak auf insgesamt rund 10 Hektar à 10 Millionen Euro bauen. "Das ist wahrscheinlich nicht reell."

DLRG und Wasserwacht sorgen für Sicherheit in den Bädern der Stadtwerke

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Trotzdem seien die Stadtwerke auch außerhalb des Netzgebiets auf der Suche nach geeigneten Grundstücken. Eine Gesetzesänderung erlaube es, diese nunmehr auf "landwirtschaftlich benachteiligter Fläche" zu errichten - bei uns praktisch überall. Zwei konkrete Angebote für Freiflächenanlagen liegen den Stadtwerken nach Aussage des Geschäftsführers vor, doch stößt das Unternehmen nicht überall auf Entgegenkommen. "Es ist leider nicht immer so, dass die Gemeinden begeistert sind", sagte Prechtl.

Hintergrund:

Zwei Tonnen CO2 sind nicht viel

Wenn vom Klimaschutz die Rede ist, fällt sehr oft der Grenzwert von zwei Tonnen CO2, die jeder Deutsche theoretisch pro Jahr produzieren darf, damit das Pariser Klimaziel von maximal 1,5 Grad an Erwärmung erreicht werden kann. Zwei Tonnen, so sagte es Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Prechtl am Montag im Stadtrat, das ist nicht viel. Beispielsweise mit dem Auto, einem Verbrenner, 25.000 Kilometer weit fahren. Oder das Einfamilienhaus ein Jahr lang heizen. Oder ein einziges Mal im Jahr über den großen Teich in die USA fliegen. Zusätzlich müssten Alternativen wie Wasserstoff oder die Speicherung von CO2 weiterentwickelt werden. „Es glaubt wohl niemand, dass das ohne eine Kostenaufstockung für die Bürger vonstatten gehen wird“, sagte Prechtl.

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