13.10.2021 - 17:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Weihnachtsmarkt 2021: Diese Regeln gelten

In Amberg wird es heuer einen Weihnachtsmarkt geben. Darauf hat sich der Vorstand der Park- und Werbegemeinschaft in einer Sondersitzung am Mittwoch verständigt. Doch nicht jeder wird die Budenstadt am Marktplatz auch besuchen können.

Ein Weihnachtsmarkt-Bild von 2019. So ähnlich wird es auch heuer wieder aussehen. Allerdings befinden sich die Besucher dann hinter Absperrungen.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Nur ungern denkt Andreas Raab an die Zeit vor einem Jahr zurück. Wegen der Corona-Pandemie musste die von ihm geleitete Park- und Werbegemeinschaft (PWG) die Planungen für den Amberger Weihnachtsmarkt fast im Wochenrhythmus abändern, um ihn letztlich auf eine Notlösung ohne Glühwein abzuspecken: Übrig blieben im Dezember 2020 statt der gewohnten 24 Buden nur acht, an drei von ihnen gab es Bratwürste, wegen des Verbots aber nichts Alkoholisches. Die Stände waren wegen der Abstandsregeln auf die gesamte Altstadt verteilt, durften nur bis 20 Uhr öffnen und mussten an den Sonntagen geschlossen bleiben.

Das Positive: 300 außerplanmäßig aufgestellte Weihnachtsbäume säumten die Wege von Bude zu Bude und sorgten so wenigstens für etwas adventliche Stimmung. Die Bäume, die im Vorjahr vom Multifunktions- bis zum Malteserplatz platziert worden waren, soll es laut Raab nach einem ersten Abstimmungsgespräch mit dem Amberger Stadtmarketingverein auch heuer wieder geben – und noch viel mehr.

Es gilt die 3G-plus-Regel

Unter Berücksichtigung aller Gesundheitsaspekte und aller Interessen der Fieranten habe sich die PWG darauf verständigt, von Donnerstag, 25. November, bis Donnerstag, 23. Dezember, einen Weihnachtsmarkt wie vor Corona anzubieten. Allerdings: Es gilt die 3G- plus-Regel. Das bedeutet, dass nur Geimpfte und Genesene auf das eingezäunte Gelände dürfen. Gleiches gilt für Getestete, die allerdings einen gültigen PCR-Nachweis vorlegen müssen. Selbst- oder Schnelltests werden laut Raab nicht akzeptiert. Wie der PWG-Vorsitzende am Mittwoch nach der Sondersitzung wissen ließ, werde „nicht irgendein Bauzaun“ aufgestellt, sondern eine geschmückte Variante, die hinter den Buden „versteckt“ werden soll.

Kostenloses Bändchen

Im Inneren der Budenstadt könne dadurch eine Veranstaltung garantiert werden, die dem entspreche, „was man von früher kennt“. Nur eben mit einem entscheidenden Unterschied: „Ein Ungeimpfter kommt nicht rein. Definitiv nicht. Weil wir die Gesundheit und das Wohlbefinden der Bürger nicht aufs Spiel setzen werden.“ Dass sich ein Ungeimpfter derzeit aber frei auf dem Markplatz bewegen kann, weiß Raab und sagt, als er darauf angesprochen wird: „Dass es Ungereimtheiten in der Realisierung der Vorschriften der vergangenen eineinhalb Jahre gibt, brauchen wir jetzt gar nicht diskutieren. Wir müssen uns jetzt auf etwas verständigen, mit dem wir auf der sicheren Seite sind. Das sind wir eben nur mit einer 3G-plus-Regelung.“

In der Praxis soll das so aussehen: Wer den Markt besuchen darf, weil er eines der 3G-plus-Kriterien erfüllt, bekommt ein kostenloses Bändchen ums Handgelenk. „Wie man das von All-inclusive-Urlauben so gewohnt ist“, sagt Raab und ergänzt, dass die Bänder nicht übertragbar sind, weil sie kaputtgehen, wenn man sie abnehmen möchte. Gültig ist diese „Eintrittskarte“ so lange der vorgelegte PCR-Test gilt. Laut Dr. Roland Brey, dem Leiter des Amberger Gesundheitsamtes, sind das zurzeit 48 Stunden. Ob das Ende November und im Dezember auch so sein wird, lasse sich nicht einschätzen: „Das kann jetzt noch keiner sagen.“

Die Buden, von denen es nach jetzigem Planungsstand etwa 20 statt 24 wie vor der Pandemie geben wird, sollen „deutlich lockerer“ verteilt werden als bisher, denn: „Wir wollen einfach zu große Ballungen verhindern.“ Dennoch werde es auch ein Bühnenprogramm geben. Auch mit Musik. Nähere Details dazu konnte der PWG-Vorsitzende am Mittwochnachmittag noch nicht nennen. Fest steht aber, dass die Buden im Prinzip wie vor Corona über den Marktplatz verteilt werden, also bis an die Basilika St. Martin heranrücken. Der vordere Bereich bei der Jack & Jones-Filiale bleibe frei, damit Kirchgänger ohne Barrieren in das Gotteshaus kommen. Wer den Amberger Weihnachtsmarkt nicht besuchen will, aber dennoch über den Markplatz geht, macht das auf dem freien Durchgang auf der Seite des Café Zentral. Der Markt werde also nicht wie im Vorjahr auf die ganze Stadt verteilt, was sich viele Amberger auch heuer gut hätten vorstellen können. Raab dazu: „In diesem Fall hätten wir die ganze Altstadt absperren müssen. Da würde unser Konzept nicht funktionieren.“

Absage an SPD-Antrag

Raab ist es auch, der einem Antrag der SPD-Stadtratsfraktion eine klare Absage erteilt. Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth hatte in einem an Oberbürgermeister Michael Cerny adressierten Schreiben gefordert, den Weihnachtsmarkt vom Marktplatz in den Innenhof des Landratsamts zu verlegen, weil dort das Gelände von natürlichen Grenzen umgeben sei und nicht eingezäunt werden müsste. Der PWG-Chef dazu: „Der Weihnachtsmarkt wurde vor 36 Jahren für die Altstadt Amberg gegründet. Wir wollen Leute reinholen, ein Event für Mitglieder und Kaufleute. Damit hier ein Magnet entsteht, Leute flanieren und auf Geschäfte aufmerksam werden.“ Das sei der Grund, warum der Weihnachtsmarkt ganz bewusst am Marktplatz stattfindet.

Zwei Märkte „keine Option“

Zögen die Fieranten in den Innenhof des Landratsamts um, wäre das sicher zum Nachteil der Einzelhändler und Gastronomen: „50 Prozent der Besucher gehen vom Landratsamt aus nach Hause und nicht mehr in die Stadt.“ Es gäbe folglich „keine Synergie mehr zwischen Einzelhandel, Gastronomie und uns“. Dem Vorschlag, eventuell zwei Weihnachtsmärkte anzubieten, einen am Marktplatz und einen beim Landratsamt, kann der PWG-Chef nichts abgewinnen. „Das ist keine Option“, sagte er am Mittwoch und wollte sich nicht näher zu dem Antrag der SPD äußern: „Der beantwortet sich im Prinzip von selbst.“

Amberger Weihnachtsmarkt 2020: Notlösung ohne Glühwein

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Vor einem Jahr: Händler verzichten auf Weihnachtsmarkt in Amberg

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Hintergrund:

Das steht im Weihnachtsmarkt-Antrag der SPD-Fraktion

  • Umzäunung: Die SPD geht davon aus, dass eine Umzäunung (wegen 3G) unumgänglich ist. Auf dem Marktplatz sei das schwer umsetzbar.
  • Neuer Standort: Es soll geprüft werden, ob der Markt in den abgeschlossenen Innenhof des Landratsamts (Zugang über ein Tor) umziehen kann: „Weihnachtsmärkte mit Schloss-Ambiente boomen in den vergangenen Jahren in der Region.“ Zudem werde das Gelände auch beim Altstadtfest genutzt.
  • Mit dem Landkreis: Die Fraktion fände es „positiv und solidarisch“, wenn auch der Landkreis Amberg-Sulzbach der SPD-Idee zustimmt und „ein positives Zeichen in diesen schweren Zeiten setzt“.
Kommentar:

Idee am Leben lassen

In jeder Krise steckt auch immer eine Chance. Wenngleich viele diesen Satz schon lange nicht mehr hören können, hat er im Fall des Amberger Weihnachtsmarkts doch eine gewisse Berechtigung. Denn tatsächlich war es im Vorjahr die Corona-Pandemie, die dafür sorgte, dass die Park- und Werbegemeinschaft ihr zuvor doch sehr starres Konzept aufweichte und die Buden nicht auf dem Marktplatz kasernierte, sondern etwas verteilte. Das funktioniert heuer so nicht, wenn man die 3G-plus-Regelung umsetzen will. Weil ansonsten die gesamte Altstadt umzäunt werden müsste. Das will niemand. Aber die Idee der SPD-Fraktion, in den Innenhof des Landratsamts auszuweichen, hat Charme, obwohl der Antrag in diesem Jahr ins Nichts verpuffen wird. In der Schublade verschwinden sollte er allerdings nicht. Denn der Vorstellung, die Buden wie die Stände beim Altstadtfest in der kompletten Innenstadt aufzubauen, können sicher viele Amberger und auch Auswärtige etwas abgewinnen. Sollte diese Idee tatsächlich wieder zu den Akten gelegt werden, mag das nachvollziehbar sein. Aber wenn, dann bitte nur so lange, wie es diese unsägliche Pandemie gibt. Oder bis sich Veranstalter keine Gedanken mehr über die Einhaltung von 2G-, 3G- oder 3G-plus-Regelungen machen müssen.

Thomas Kosarew

 

 

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