25.04.2021 - 10:25 Uhr
AmbergOberpfalz

Archäologische Funde vom Bürgerspitalareal müssen umziehen

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Über fast zwei Jahre hinweg grub sich vor knapp fünf Jahren Archäologe Mathias Hensch auf dem Bürgerspitalareal durch die Amberger Geschichte. Mit zum Teil sensationellen Funden. Was aus diesen wird, das ist derzeit noch in der Schwebe.

Archäologe Mathias Hensch grub in knapp zwei Jahren unzählige Fundstücke auf dem Bürgerspitalareal aus. Nun müssen diese, die in 161 Kisten gelagert sind, umgelagert werden.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Wie alt ist die Stadt Amberg wirklich? Die Antwort lautet: Viel älter. Bis ins 8. Jahrhundert vor Christus gehen die Funde zurück, die Mathias Hensch in fast zwei Jahren auf dem Bürgerspitalareal aus dem Amberger Boden gegraben hat. Angefangen von Keltengräbern über den vermeintlichen Hochmittelalterlichen Königshof, das erste Bürgerspital bis hin zu einem gruselig anmutenden Pestfriedhof, auf dem die Amberger im 14. Jahrhundert die Opfer dieser Pandemie verscharrt haben. Stück für Stück wurde erfasst, fotografiert und in Kisten verpackt, um das Areal für den dort geplanten Bau von Ten Brinke archäologiefrei zu machen.

Es bleiben 161 Kisten

Am Ende blieben von den Hensch-Ausgrabungen 161 Euronorm-Kisten, wie die Leiterin des Stadtmuseums, Julia Riß, jetzt im Bekanntgabeteil des Kulturausschusses sagte. Wobei die im Pestfriedhof gefundenen Skelette ohnehin schon an die Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München zur weiteren Untersuchung gegangen sind. Die Frage sei nun aber, was aus den 161 Kisten werden soll, die derzeit noch im sogenannten Reichert-Bau neben dem Bürgerspitalareal gelagert sind. Die müssen nämlich im Zuge der anstehenden Umbauarbeiten dort ausgelagert werden. Die Frage ist nur, wohin?

Auf keinen Fall sollen die Funde zum Landesamt für Denkmalpflege nach Regensburg gegeben werden, darüber ist man sich im zuständigen Kulturreferat sehr einig. Einmal nach Regensburg gebracht, wäre der direkte Zugriff auf diese Fundstücke nämlich nur mehr sehr schwer möglich. Also muss ein alternativer Raum gefunden werden, führte Julia Riß aus. Eventuell kann ein Bereich im ehemaligen Stadtarchiv an der Zeughausstraße dafür verwendet werden, so die Überlegung.

Was wird aus den Funden?

Offen bleibt dennoch, was letztendlich aus diesen Funden wird. Ursprünglich hatte der Stadtrat beschlossen, Mathias Hensch selbst mit der Aufbereitung und der Gestaltung einer öffentlichen Dauerausstellung zu betrauen. Zu diesem Zweck waren auch zahlreiche dreidimensionale Film- und Fotoaufnahmen von den wichtigsten Funden angefertigt worden. Das Problem dabei ist, dass der Archäologe inzwischen nicht mehr direkt greifbar ist. Er hat bekanntlich sein Grabungsbüro aufgegeben und ist nach einem kurzen Zwischenspiel bei der Stadt Amberg inzwischen ans Landesamt für Denkmalpflege im schwäbischen Tübingen gewechselt.

Trotzdem habe es 2020 noch zwei Gespräche mit Mathias Hensch gegeben, sagte Julia Riß. Der habe sich bereit erklärt – im begrenzten Rahmen natürlich – beratend an der Ausstellungskonzeption mitzuarbeiten. "Darüber hinaus hat Mathias Hensch ein grobes Inhaltskonzept für eine Ausstellung hinterlassen." Weiter existiere eine mehr als 2200 Stücke umfassende Fundliste.

Birgit Fruth will nicht auf Hensch setzen

SPD-Fraktionsvorsitzende Birgit Fruth zeigte sich in der virtuellen Zusammenkunft nicht sehr angetan von der Idee, Mathias Hensch könnte an der Ausstellung mitarbeiten. "Er ist nicht mehr vor Ort und nicht mehr hier angestellt. Das könnte schwierig werden", sagte Fruth. Und warnte davor, die Funde damit praktisch einem "Fremden" anzuvertrauen. Wobei Kulturreferent Fabian Kern einlenkte, Mathias Hensch habe sich ja angeboten, weil er als direkter Ausgräber über große Erfahrungen mit diesen speziellen Funden verfüge. "Die Funde müssen ja auch erst einmal wissenschaftlich erarbeitet werden", sagte Kern, konnte Birgit Fruth damit aber nicht überzeugen, die den "ein oder anderen Haken" auf die Stadt zukommen fürchtet.

"Darüber hinaus hat Mathias Hensch ein grobes Inhaltskonzept für eine Ausstellung hinterlassen."

Julia Riß, Leiterin des Amberger Stadtmuseums, zum aktuellen Stand bei den Funden vom Bürgerspitalareal

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