16.12.2021 - 17:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Mit Autoposern wollen die Tuner nichts zu tun haben

Die Autoszene in Amberg polarisiert. Während die einen legal ihrem Hobby nachgehen, driften andere verbotenerweise mit quietschenden Reifen durch Amberger Wohngebiete. Eine Tuner-Gruppe klärt über die genauen Unterschiede auf.

Ein silberfarbener Mustang steht auf einem Parkplatz am Murner See. Hier hat im November das letzte Treffen der Tuner stattgefunden.
von Wiebke Elges Kontakt Profil

Eine Reihe von Autos steht auf einem Parkplatz beim Murner See (Landkreis Schwandorf). Darunter ein silberner Mustang mit zwei lila Streifen, die von der Motorhaube über das Dach bis zum Kofferraum laufen. Daneben ein schwarzer Jeep und ein schwarz-roter Hyundai. Knapp 20 Autobegeisterte Tuner haben sich davor versammelt. Ein aufheulender Motor ist zu hören. Hinter den Bäumen taucht das weiße Führerhaus eines Kleintransporters auf. Mit rund 20 km/h zu schnell rast er an dem Parkplatz vorbei. „Das muss der Poser sein. Den erkennt man schon kilometerweit entfernt“, ruft ein Mann aus der Gruppe. Der "Poser" ist bei dem Treffen heute ausnahmsweise für ein Gespräch mit Oberpfalz-Medien eingeladen, gehört aber eigentlich nicht zu der Auto-Tuner-Gruppe "Carsaholic".

Fabian Franke hat die Gruppe in Nürnberg gegründet. Gemeinsam mit seinen Jungs möchte er sich für die Szene einsetzen und Vorurteilen vorbeugen. Der 27-Jährige geht an zwei Pavillons vorbei zu einem Anhänger. Darauf steht ein anthrazitfarbener Toyota, welchen er häufig zu Tuner-Treffen wie diesem mitnimmt. Die Motorhaube ist offen. Er schaut hinein. Darin blitzen Zahnräder hervor, lila Schläuche und eine blaue Querstrebe. „Mein Vater hat lange Zeit eine Werkstatt gehabt, da war das Benzin also schon früh im Blut.“ Mit 18 bekam Franke ein eigenes Auto. So sei er dann immer mehr in die Szene gerutscht. Seitdem sei das Tuning für ihn nicht mehr wegzudenken.

Unterschied zwischen Tunern und Posern

Ein weiterer Mann, schwarzer Hoodie, schwarze Cap, kommt dazu und schaut in den Wagen. „Beim Tuning kann man komplett den Kopf frei kriegen. Man ist dann auch stolz auf das Ergebnis“, sagt Basti, Leiter der Carsaholic-Gruppe in der Oberpfalz. Er zeigt auf das Auto. „Das hier ist das beste Beispiel. Einfach einzigartig, wie der hergerichtet ist.“ Dennoch gebe es einiges beim Tuning zu beachten, ergänzt Fabian. „Man sollte darauf schauen, dass man nicht illegal unterwegs ist.“ Das bedeutet, dass alle Umbauten in der Prüfstelle eingetragen werden müssen, erklärt er. Das sei auch der Hauptunterschied zwischen Tunern und Posern.

„Die Tuner stecken ihr komplettes Herzblut in das Fahrzeug rein. Die schauen, dass alles, was sie am Fahrzeug verändern, auch straßenkonform ist.“ Es gebe zwar auch Poser, die einiges eintragen lassen, aber „dann ist ihnen das Auto doch noch zu leise“, meint Fabian. Deshalb würden sie dann zum Beispiel mehr am Auspuff verändern, als erlaubt ist. Fabian erklärt auch, dass Poser gerne „das Driften anfangen in einer Menschenmenge, wo es absolut fehl am Platz ist.“ Die Tuner hätten eher die Einstellung „wer langsamer fährt, wird länger gesehen“, so der 27-Jährige.

Das sind die Unterschiede zwischen Tunern und Posern

Der vermeintliche "Poser" gesellt sich zur Gruppe. Er trägt einen rot-weißen Kapuzenpullover und eine Brille. Der 20-Jährige nennt sich Dallas. Seit seinem 18. Lebensjahr ist er in der Stadtrundenszene in Amberg unterwegs. Als Poser bezeichnet er sich selbst nicht, gibt aber zu, regelmäßig deutlich zu schnell um das Amberger Ei zu fahren. „Ich hab jetzt mein Limit innerorts auf 70, 80 gesetzt. Außerorts fahre ich dann so 120, 130. Also meistens bin ich meine 20, 30 km/h drüber.“ Angst, jemanden zu gefährden, hat Dallas dabei nicht. Die Gefahr, ein Kind zu erwischen, sei zwar da, doch er sei meist nachts unterwegs. Er glaube deshalb nicht daran, dass da noch ein Kind herumlaufe.

Aufgrund solcher Aussagen möchte Fabian Franke Poser wie Dallas nicht in seine Gruppe aufnehmen. Er betont, dass klar zwischen den Posern und Tunern differenziert werden muss. „Nur, weil man mit einem getunten Auto unterwegs ist, ist man noch lange kein Krimineller.“ Dabei sieht Fabian insbesondere bei der Polizei das Problem. „Man wird von der Polizei und den Menschen oft über einen Kamm geschert. Vor allem wenn man in seiner eigenen Region unterwegs ist, kennt die Polizei einen irgendwann. Die wissen dann eigentlich, wer zu den Posern gehört und wer nicht.“ Basti hingegen sieht das Problem mehr bei den Posern. „Die Poser verbreiten einfach einen schlechten Ruf und schicken damit die komplette Szene den Bach hinunter“, so der 18-Jährige.

Kein Platz für die Tuner

Ein großes Problem sei dadurch auch, dass es keinen Platz gibt, an dem sich die Tuner treffen können. Viele Plätze, an denen sie sich früher getroffen hätten, seien jetzt gesperrt, sagt Fabian. „Wir bekommen gar nicht mehr die Möglichkeit, uns wirklich zu treffen.“ Dem stimmt auch Nico Klinkert aus Vilseck zu. „In Amberg gibt es nicht viele Plätze, wo wir uns vernünftig treffen können, deswegen landet es dann meistens beim Dehner oder beim Parkdeck.“ Auch da komme die Polizei regelmäßig vorbei und fordere sie auf zu gehen.

Respektvoller Umgang

Aufgrund des Platzmangels treffen sich einige Poser auch in den Amberger-Wohngebieten. Eine Anwohnerin hat sich bei Oberpfalz-Medien wegen der Situation vor ihrem Haus gemeldet. Vor rund vier Jahren sei die Lage noch nicht so schlimm gewesen. „Erst nachdem die Polizei vermehrt in der Stadt kontrolliert hat, haben die Poser sich einen neuen Platz gesucht.“ Die Frau wohnt in einem Wohngebiet, das fünf Minuten vom McDonald's in der Fuggerstraße entfernt liegt. Von dort aus fahren die Auto-Poser „mit einem Affenzahn“ in Richtung ihres Wohnortes, sagt die 34-Jährige. „Bei der Geschwindigkeit vibrieren bei uns die Fensterscheiben.“

Besonders störe sie allerdings, dass die Poser in den Parkbuchten vor ihrem Haus parken, dort ihre Campingstühle aufstellen und bis 2 oder 3 Uhr nachts laut Musik hören. Am nächsten Tag sei die Verwüstung groß, da die Poser ihren Müll überall liegen ließen, erzählt die Anwohnerin. „Dabei haben sie den Müll auch schon oft hinter den Zaun in den Garten geschmissen.“ An den Wochenenden sei die Situation besonders schlimm. „An einem Wochenende im Oktober ist mein Freund zu den Posern gegangen, um mit ihnen zu reden.“ Am nächsten Tag sei ihr Auto mit pinker Farbe vollgeschmiert gewesen. „Mit Baustellenfarbe haben die Autoposer Herz und ACAB auf unser Auto geschrieben,“ erzählt die Anwohnerin.

Der 34-Jährigen ist es aber auch wichtig zu betonen, dass sie nichts gegen junge Leute hat, die ihr Hobby ausleben. „Es gibt auch viele, die ihr Auto lieben und damit auf Festivals gehen, das verstehe ich. Aber die Poser müssen nicht sein.“ Dem stimmt auch Nico Klinkert zu. „In meiner Gruppe sagen wir immer: Nehmt eure Sachen mit, lasst keinen Müll liegen und seid nicht laut. Dabei geht es auch um Respekt gegenüber den Anwohnern.“

Nach knapp zwei Stunden am Murner See packen die Jungs die Pavillons und Fahnen wieder ein. Eine Autokolonne aus rund 20 Fahrzeugen fährt langsam davon.

Auf Streife mit der Polizei in Amberg

Amberg

Tuner sind keine Poser

Amberg
Hintergrund:

Das ist Tuning und diese Strafen drohen

  • "Tuning" stammt vom Englischen "to tune" und bedeutet so viel wie "frisieren" oder "anpassen".
  • Tuner nehmen verschiedene Umbauten am Auto vor: unter anderem an der Technik (zum Beispiel Getriebe oder Motor), am Fahrwerk und an der Karosserie.
  • Die Umbauten sollen die Leistung steigern, das Aussehen verändern oder die Akustik oder Aerodynamik ändern.
  • Strafen:
  • ABE oder Bauart­genehmigung nicht mitgeführt: 10 Euro.
  • Fahrzeug ohne gültige Betriebs­erlaubnis gefahren: 50 Euro.
  • Durch Fahren ohne Betriebs­erlaubnis die Umwelt beeinträchtigt: 90 Euro.
  • Durch Fahren ohne Betriebs­erlaubnis die Verkehrs­sicherheit beeinträchtigt: 90 Euro und ein Punkt in Flensburg.

„Wir bekommen gar nicht mehr die Möglichkeit, uns wirklich zu treffen.“

Auto-Tuner Fabian Franke zur Situation in Amberg

 

 

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