29.11.2019 - 16:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Bei Baumann Automation ist alles ständig in Bewegung

No guts no glory - "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" steht in Leuchtschrift an der Wand. Am großen Konferenztisch davor machen Karl Ebnet und Stefan Rauch deutlich, dass es bei Baumann genau darauf ankommt: Zu wagen, um zu gewinnen.

Bei der Firma Baumann im Industriegebiet herrscht nicht nur in der Vorstandsetage beste Stimmung Geschäftsführer Karl Ebnet (links) und Technischer Leiter Stefan Rauch können von einem guten Geschäftsjahr berichten.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Der Firmengründer, Georg Baumann, taucht zwar als Geschäftsführer noch im Handelsregister auf. Tatsächlich überlässt er das Operative inzwischen weitestgehend seinem kaufmännischen Geschäftsführer Karl Ebnet sowie dem Technischen Leiter Stefan Rauch. Beides gestandene Oberpfälzer, die vor 23 Jahren hier angefangen und jeden Tag dafür zu sorgen haben, dass bei der Amberger Systemschmiede in Sachen Automation niemals die Ideen und damit die Arbeit ausgehen.

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"Wir müssen immer wandlungsfähig sein", sagt Karl Ebnet auf die Frage, ob man bei Baumann die derzeit so gerne zitierte konjunkturelle Delle wegen des Paradigmenwechsels hin zum Elektroantrieb in der Automobilindustrie spüre. Der ständige Wandel, so ergänzt Stefan Rauch, ist hier ja sogar eine Art Geschäftsmodell. "Der Umbruch ist eher unsere Chance, das ist unser Metier", verweist er darauf, dass man bei Baumann derzeit viel für die Batterieproduktion und das Autonome Fahren arbeitet.

Die Zukunft des Autofahrens wird immer elektrischer und komplexer, dadurch steigen auch die Anforderungen an die Produktionslinien, die sie bei Baumann entwickeln und bauen. "E-Mobilität ist derzeit ein großer Hype in Europa", sagt Karl Ebnet, verschweigt aber nicht, dass es in letzter Zeit ein bisschen schwieriger geworden ist. "Wir haben wieder mehr Kunden in Europa", deutet er an, dass die große Weltwirtschaft für Baumann angesichts globaler "Wirtschaftskriege" wieder etwas kleiner geworden ist. Außerdem werden die Entscheidungen bei den Kunden etwas langsamer getroffen, als dies noch vor nicht allzu langer Zeit gewesen ist, ergänzt Stefan Rauch.

Der wirtschaftliche Wind weht schon etwas härter durch die Branche, das haben sie auch bei Baumann festgestellt. Der Preis spiele wieder mehr eine Rolle, weiß Karl Ebnet. "Früher ging es mehr um die Geschwindigkeit."

Wandlung ist Programm

Aber an sich ist die Industrie 4.0 genau das Thema, in dem die Baumänner sich wohlfühlen. "Gottseidank sind wir bei vielen neuen Themen schon dabei, das bringt uns Sicherheit", sagt Karl Ebnet und nennt als ein Beispiel die Entwicklung einer virtuellen Service-Brille, die dem Mechaniker mögliche Lösungen aufzeigt, während er arbeitet. Es ist nicht das erste Mal, dass die Mitarbeiter bei Baumann ihre Flexibilität unter Beweis stellen müssen. In den 90er-Jahren gab es die Konzentration auf die Herstellung von Handys - sie spielen heute keine Rolle mehr. Dann waren Produktionslinien für die Windkraft angesagt - auch sie sind fast völlig aus dem Portfolio verschwunden. Jetzt sind es eben die Zukunftsthemen im Automobilbau, die hier eine gewichtige Rolle spielen. Ob Montagelinien für Batterien oder für autonome Fahrsysteme - Baumann bietet die Lösungen dazu an.

Konsequent stellen sie im Industriegebiet Nord auch im Jahr 35 nach der Gründung eines Ingenieurbüros durch Georg Baumann Leute ein. Mehr Spezialisten, Fach-Ingenieure - aber auch sehr viele Lehrlinge - vor allem im technischen Bereich. Über 70 Azubis sind es derzeit bei einem Gesamtstand von rund 630 Mitarbeitern. Seit 2018 gibt es auch eine Produktionsstätte in Mexiko, nachdem Baumann bisher nur mit Service-Niederlassungen im Ausland vertreten war. "Wir kriegen immer noch unsere Leute", sagen Ebnet und Rauch mit Selbstbewusstsein.

Das 35-Jährige haben sie im Sommer übrigens groß gefeiert. Rund 1000 Gäste - vor allem die Mitarbeiter und ihre Familien - erlebten einen unterhaltsamen Tag mit einer Menge an Attraktionen. Und weil der Name Baumann eben immer noch auch für die Erinnerung an die Amberger Emailfabrik steht, gab es als Gastgeschenk einen eigens entworfenen Emailbecher. Den ziert das Muster, das der österreichische Künstler Peter Kogler der ehemaligen Grammer-Halle verpasst hat, die inzwischen ebenfalls mit Baumann gefüllt ist.

Auf fast 100 Millionen Euro Umsatz kommt Baumann im Jahr, die Tendenz geht immer noch nach oben. Aufträge gibt es reichlich, wo etwas verloren wurde, kam an anderer Stelle Neues hinzu. Beispielsweise moderne Insellösungen für die Produktion, weg von den normalen Linien. Gemeinsam mit der Sick AG entstand eine Smart Factory, in der sich kleine, intelligente Roboterwagen ihren Weg suchen zwischen den einzelnen Produktionsstätten.

"Ausruhen geht in unserem Geschäft sowieso nicht", darin sind sich Karl Ebnet und Stefan Rauch unbedingt einig. "Man darf nicht verharren." Alles ist ständig in Bewegung. Denn wer nicht wagt, gewinnt auch nicht.

An den Zukunftsthemen dran

https://www.onetz.de/amberg-in-der-oberpfalz/wirtschaft/baumann-automation-in-amberg-entwickelt-schluesseltechnologie-autonome-fahrt-in-die-zukunft-d1803459.html

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