29.07.2019 - 11:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Bauprojekt in der Altstadt: Ab August wird im Visa gewohnt

Die hölzerne Eingangstüre ist noch dieselbe. Doch dahinter geht es nicht mehr in die Gaststube des Vis-à-vis, hier wohnen künftig Menschen. Dort, wo Generationen von Ambergern ihre Freizeit verbracht haben.

von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Nach 18 Monaten Bauzeit sind neun der zwölf Wohnungen im ehemaligen Vis-à-vis an der Lederergasse fertig. Jetzt war Übergabe, auch Oberbürgermeister Michael Cerny und Baureferent Markus Kühne ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, um das fast fertige Werk der Planer und Werker der Amberger Firma Bauart zu begutachten. Einhellige Meinung bei hochsommerlichen Temperaturen: Es ist gelungen und es ist teilweise erfreulich kühl.

Teilweise aus 1380

Das Trio an der Spitze von Bauart (Thomas Helm, Kostja Künzel und Wolfram Buegger) empfing die neuen Eigentümer der Wohnungen persönlich am Freitag im ehemaligen Hausgang des Visa. Links ging es früher in die Kneipe, rechts zu den Toiletten. Heute sind auf beiden Seiten Wohnungen. Hell und modern sind sie, hochwertig und mit Bädern auf dem aktuellen Stand. Geradeaus geht es jetzt in das neu errichtete Treppenhaus und den "städtebaulichen Ergänzungsbau", wie Wolfram Buegger den modernen Komplex an der Schreinergasse nennt.

Oben wird noch gearbeitet, Bauleiter Sebastian Wittl und seine Männer haben hier noch reichlich zu tun. Die hier freigelegten Holzbalken stammen zum größten Teil aus dem 16. Jahrhundert, einige wurden aber auch rund um das Jahr 1380 gefällt. Die Lederergasse gehört zum ältesten Teil von Amberg, hier wurde schon im 13. und frühen 14. Jahrhundert teilweise massiv gebaut. Wobei der Gebäudekomplex an sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert und neu strukturiert worden ist, wie Architekt Thomas Helm erzählt. Alter Teil von Amberg bedeutet aber auch historische Funde. Gut sieben Monate lang gruben sich die Archäologen auf dem ehemaligen Parkplatz der Gaststätte in den Amberger Untergrund und damit in die reiche Geschichte der Stadt. Die baulichen Funde wurden erfasst und wieder zugemacht, bevor der Betonlaster kam. Wobei es aber auch zu überraschenden Entdeckungen wie dem Skelett aus Amberger Vorzeit kam, das ausgerechnet am Nikolaus-Tag ausgegraben worden ist. Gebaut hat das Anwesen an der Lederergasse wohl im 14. Jahrhundert einer der Räte der Stadt, wie Sebastian Wittl erzählt. Der als Bauleiter fast jeden Tag neue Überraschungen erlebt hat. Vor allem die räumliche Enge in der Altstadt, sagt er, hat den Bau sehr schwierig gestaltet. "Du stehst ja immer gleich in der Feuerwehranfahrtszone", schildert er die Schwierigkeit, auch nur einen großen Betonmischer-Laster hier abladen zu lassen. Aber das macht seiner Auffassung nach auch den gewissen Charme des Wohnens im historischen Ensemble aus - dass eben nicht alles perfekt ist.

Einzug im August

Im Laufe der Bauphase hat die Bauart noch ein Nebengebäude von einer Nachbarin dazukaufen können. Auch das wird jetzt saniert und in Wohnraum umgewandelt. Wohnraum, der übrigens nicht das ganz große Geld abwirft, wie der kaufmännische Chef der Bauart, Wolfram Buegger, sagt. Aber als Amberger Unternehmen habe man da einfach eine gewisse Verpflichtung. Aus der heraus habe die Bauart auch das ehemalige Kaufhaus Forum gekauft. "Aber das ist finanziell eine ganz andere Größenordnung."

Die ersten Visa-Bewohner werden übrigens schon Anfang August in die ehemalige Kneipe einziehen. Dann schlägt die Gastwirtschaft Paul Beck, so lautet der alte Name, ein neues Kapitel in ihrer jahrhundertealten Existenz auf.Weitere Artikel und Bilder: www.onetz.de/2803771

Mehr zum Thema Vis-à-vis

Noch einmal Vis-a-vis

Amberg
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.