07.07.2021 - 17:17 Uhr
AmbergOberpfalz

Behördengänge vom Wohnzimmer aus: Junge Union für mehr Digitalisierung

Heimatapp, digitalisierte Bürgerdienste und Smart Terminals, an denen Dokumente jederzeit abgeholt werden können: Die Kreistagsfraktion der Jungen Union will die Digitalisierung in Amberg-Sulzbach vorantreiben.

 Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ginge es nach der Jungen Union könnte man darauf auch eine Heimatapp für Amberg-Sulzbach installieren. Diese nämlich sähe die JU-Kreistagsfraktion gerne für die Region realisiert – als ein Baustein für mehr Digitalisierung.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

„Wir wollen das, was wir im Wahlkampf versprochen haben, auch umsetzen“, sagt Henner Wasmuth, einer von vier JU-Kreisräten von Amberg-Sulzbach. Ein großes Thema ist für ihn und seine drei Mitstreiter – Jonas Dittrich (Vilseck), Florian Bart (Sulzbach-Rosenberg) und Susanne Braun (Hohenburg) – die Digitalisierung. Um diese voranzutreiben, haben sie zwei Anträge im Kreistag eingereicht.

Kreistag bildet Arbeitskreis

Laut Kreistags-Beschluss wird dazu ein Arbeitskreis gebildet, berichtet das Quartett. Besetzt werden soll er mit Vertretern aller Fraktionen. Florian Barts Eindruck ist, in manchen Fraktionen herrsche ein bisschen Angst vor der Digitalisierung. Dies macht er am Beispiel der Übertragung von Sitzungen per Livestream fest. Wie die jungen Leute erklären, sei es für manche ihrer Kollegen im Kreistag nicht vorstellbar, dass Sitzungen übertragen werden und später noch online abrufbar sein sollen. Die JU hingegen sieht darin Transparenz. „Jeder Bürger hat doch das Recht, zu sehen, wie die Politiker entschieden und was ihre Argumente sind“, meint Wasmuth.

An Gegenargumenten würden häufig Datenschutz und Sicherheit der Datenübertragung genannt. Diese zwei Punkte sind auch der JU wichtig. „Aber viele, die das kritisieren, sind in sozialen Medien sehr aktiv“, sagt Jonas Dittrich. Dabei könnten, so seine Überzeugung, Livestreams durchaus Interesse an Politik wecken. „Wer geht denn in Sitzung?“, fragt Henner Wasmuth und gibt die Antwort gleich selbst: „Wer schon immer dort war oder hingeht, weil sein Thema behandelt wird.“ Für Susanne Braun ist es unabdingbar, verschiedene Kanäle zu bespielen. So böten Podcasts eine komprimierte Zusammenfassung, quasi „Politik digital für zu Hause“.

Digital wird normal

Als weiteren Punkt will die JU im Arbeitskreis die Digitalisierung der Verwaltung einbringen. Stichwort Ratsinformationssystem, das es in Amberg, Sulzbach-Rosenberg, Auerbach und Vilseck gibt. Digitale Sitzungsunterlagen könnten darüber abgerufen werden. Das spare Papier und trage dem Umweltgedanken Rechnung, finden die JU-Kreisräte. Florian Bart erwähnt die „Berge von Papier, die bei jeder Sitzung anfallen“, Jonas Dittrich meint, der Umstieg auf digital sei reine Gewöhnungssache. Und Henner Wasmuth blickt in die Zukunft: Das Digitale wird zum Normalen.

Für die JU stellt sich noch die Frage nach dem digitalen Angebot für Bürger. Auf der Landkreis-Homepage könne man schon viele Anträge im pdf-Format abrufen und ausdrucken, sagt Bart. Besser wäre es aber, „man könnte sie digital ausfüllen und Daten hochladen“. Entweder über die Homepage selbst oder per Landkreis-App. Smart Terminals könnten den digitalen Behördengang komplettieren. Und Dokumente oder Fahrzeugkennzeichen könnten schlussendlich in Schließfächern (versehen mit Sicherheitscodes) hinterlegt werden. Dort könne man umgekehrt auch Unterlagen deponieren, die das Amt noch brauche.

"Lösung nicht in vier Wochen"

Bart nennt das große Plus der digitalen Lösung: Zeitersparnis. „Ich muss nicht einen halben Tag Urlaub nehmen, um ein Auto zuzulassen oder einen Pass zu beantragen.“ Behördengänge ließen sich so erledigen, wann man Zeit habe: frühmorgens, spätabends, an Wochenenden. Bewusst ist der JU nach eigener Aussage, dass die rechtlichen Hürden dafür hoch sind. „Diese Lösung wird es nicht in vier Wochen geben“, sagt Susanne Braun.

Eine Heimatapp ist ein weiterer Wunsch der JU. Eine regionale App für Gastronomie, Unterkünfte, Nahversorger, Ausflugsziele, Sehenswürdigkeiten und Freizeit-Tipps. Für Jonas Dittrich könnte als Vorbild die Rhön-Fulda-App dienen. Er und seine Fraktionskollegen versprechen sich davon eine weitere Stärkung des Tourismus. Die „vielen qualitativ hochwertigen Angebote im Landkreis“ könnte man in der App zusammenführen. Den Schlachtschüsselführer. Die Kirwa im Nachbarort. Die drei Kilometer entfernt Sehenswürdigkeit. Die kleine Pension, die sonst mühevoll über Google zu suchen wäre. Für Wasmuth ließen sich dadurch auch bestehende Strukturen wie die Ehrenamtskarte stärken. All diese Vorschläge sind für Susanne Braun „komprimierte Bürger-Dienstleistungen to go“.

Corona als Booster für Digitalisierung

Die JU sieht es durchaus so, dass die Pandemie die Digitalisierung befeuert hat. „Corona ist klar ein Booster“, sagt Dittrich. Vieles sei plötzlich ins Internet verlagert worden, obwohl man vor der Pandemie gesagt habe, das funktioniere doch gar nicht. Sogar Gottesdienste habe es als Livestream gegeben. Für die Zukunft kann sich Henner Wasmuth aus Illschwang durchaus so manche Hybrid-Sitzung vorstellen. „Das spart vielfach Fahrzeit“, argumentiert er. Und jemand, der krankheitsbedingt nicht in Präsenz dabei sei, könne digital teilnehmen, ergänzt Florian Bart.

Wenngleich alle vier betonten, dass sie sich wieder auf Präsenzveranstaltungen freuen. Das sei wichtig für das Zwischenmenschliche, sagen alle. Die Hohenburgerin Susanne Braun wünscht sich, „dass man Corona auch als Chance für neue Wege sieht“. Im Landkreis werde vieles schon sehr gut gemacht, „aber das eine oder andere Schräubchen kann man sicher noch fester drehen“.

Auch Stadträte diskutieren Livestreams von Sitzungen

Sulzbach-Rosenberg
Mit Notebook und Smartphone beim Pressegespräch zu mehr Digitalisierung im Landkreis: Die JU-Kreisräte (von links) Florian Bart aus Sulzbach-Rosenberg, Susanne Braun aus Hohenburg, Henner Wasmuth aus Illschwang und Jonas Dittrich aus Vilseck haben da so einige Ideen.
Hintergrund:

Die JU im Kreistag

  • Die Junge Union als Jugendvertretung der CSU war zur Kommunalwahl 2020 erstmals mit einer eigenen Liste für Amberg-Sulzbach angetreten.
  • Vier ihrer Kandidaten wurden in den Amberg-Sulzbacher Kreistag gewählt: Henner Wasmuth (Illschwang), Jonas Dittrich (Vilseck), Florian Bart (Sulzbach-Rosenberg) und Susanne Braun (Schmidmühlen).
  • Im Gremium sind die vier neuen Kreisräte nach eigenen Angaben gut angekommen, wenngleich sie wegen Corona wenig Außentermine wahrnehmen konnten, Kreistagsgremien verkleinert wurden und Fraktionssitzungen nicht im Wirtshaus oder im Biergarten, sondern online stattfinden mussten.

 

 

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