11.11.2021 - 16:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Beidseitiger Radweg an der Köferinger Straße ohne Alternative

Fast alle Bewohner der Stadt Amberg befürworten es durchaus, wenn jetzt mehr Fahrradwege gebaut werden sollen. Dass die konkrete Umsetzung aber nicht immer ganz einfach ist, das zeigt aktuell das Beispiel Köferinger Straße.

Zahlreiche Autos parken an der Köferinger Straße. Mindestens 16 dieser Parkplätze müssen wegfallen, um hier einen Radweg bauen zu können. Was zu Debatten im Bauausschuss führt.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Grundsätzlich sind sich ja alle im Bauausschuss vertretenen Fraktionen einig darin, dass entlang der Köferinger Straße ein Fahrradweg gebaut werden soll. Und zwar vom Kreisverkehr an der Justizvollzugsanstalt ausgehend bis zur Stadtgrenze südlich des ehemaligen Bundeswehrkrankenhauses (BWK). Die Frage ist nur, wie dieser Radweg aussehen soll. Das Baureferat hatte bereits dem vorgeschalteten Verkehrsausschuss einen entsprechenden Beschlussvorschlag unterbreitet, schon dort zeigte sich sehr schnell, dass sich die Diskussion zum Thema Radweg hauptsächlich um die Frage von Parkplätzen drehte. Denn mindestens 16 der offiziell vorhandenen 46 müssen im mittleren Bereich der Köferinger Straße wegfallen, um das Konzept der Verkehrsplaner umsetzen zu können. Nicht mitgezählt, diejenigen Parkplätze, die es offiziell zwar nicht gibt, die aber dennoch immer belegt sind.

Zwischen den Ausschüssen hatte sich die CSU-Fraktion schon mal vor Ort ein Bild gemacht und die Stimmen der Anwohner eingeholt. Der Ortstermin brachte die wenig überraschende Erkenntnis, dass die Menschen, die im D-Programm wohnen, schon gerne wüssten, wo sie denn künftig ihre Automobile abstellen sollen. Daraus resultierte der Vorschlag des CSU-Fraktionsvorsitzenden Matthias Schöberl, zwischen dem Liebengrabenweg und dem BWK-Kreisel nicht auf beiden Seiten der Straße einen Radstreifen anzulegen, wie es die Planer vorgeschlagen haben. Man möge auf der bergaufwärts gesehen linken Seite doch besser eine Art Radschnellweg bauen, so Schöberl. Quasi eine breite Radler-Autobahn mit Begegnungsverkehr. Damit, so die Idee, könnten alle Parkstände rechts bestehen bleiben. Außerdem, so die CSU-Forderung, könnte im Bereich des Liebengrabenwegs noch untersucht werden, ob dort zusätzliche Parkflächen für Autos geschaffen werden können.

Keine öffentlichen Gelder

Allerdings stellte sich nach längerer Debatte heraus, dass es für diese Variante wohl keine öffentlichen Gelder geben wird. Die Regierung der Oberpfalz als Förderbehörde hat laut Stabsstelle Mobilität und Verkehr in den Vorgesprächen deutlich gemacht, dass kein Geld fließen wird, wenn Radfahrer Straßen queren müssen, um auf den Radweg zu gelangen. Was in diesem Fall tatsächlich so wäre. Damit würde eine Förderkulisse zwischen 45 und 75 Prozent wegfallen. Es blieb also nur die eine, ursprüngliche Variante mit den Radstreifen links und rechts übrig, um an die Fördergelder zu kommen.

Damit stellt sich aber weiter die Frage nach den Parkplätzen. "Wir sind nicht in der schönen, neuen Welt, in der alle Familien nur noch ein Auto haben", so Oberbürgermeister Michael Cerny. Im Gegenteil: "Dort ist praktisch jeder freie Platz zugeparkt." Ziel könne es aber auch nicht sein, entlang der Köferinger Straße neue, zusätzliche Parkplätze zu bauen, warf Hans-Jürgen Bumes von den Grünen ein. "Wir müssen die Mobilität schon mehr auf das Fahrrad bringen." Und auch Josef Witt (ÖDP) glaubt nicht, dass der Bau von zusätzlichen Fahrradwegen ohne Verzicht der Automobilisten möglich sein wird. "Der Ausbau der Radwege wird nicht ohne Einschränkungen zu haben sein", so seine Einschätzung. Was Rudolf Meier (CSU) aber für einen eher "futuristischen" Ansatz hält: "Es kann vielleicht in 20 Jahren mal sein, dass keiner mehr mit dem Auto fährt." Bis dahin aber müsse man die Bedürfnisse der Autofahrer auch im Auge haben. Auch wenn er persönlich das Radwege-Konzept für sehr gut halte.

Parkplatz-Problem lösen

Aber was ist beispielsweise mit den Menschen, die in den Häusern zwischen Liebengrabenweg und Röntgenstraße wohnen, legte Rudolf Meier nach. "Die können nur in der Köferinger Straße parken, sie haben sonst keine Möglichkeit." Der Stadtrat könne diese Anwohner nicht einfach im Regen stehen lassen. "Die müssen einen Platz für ihre Autos haben." Trotzdem votierte der Bauausschuss einstimmig dafür, die vorgelegte Planung bezüglich der Radwege an der Köferinger Straße umzusetzen. Zusätzlich soll sich die Verwaltung umschauen, wo im D-Programm zusätzlicher Parkraum geschaffen werden kann, um die dadurch entstehenden Härten für die Autofahrer zu minimieren.

Dazu der Kommentar

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Mehr zum Radweg in der Köferinger Straße

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Zum Vororttermin der CSU-Fraktion

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Hintergrund:

Was soll passieren an der Köferinger Straße?

  • Markieren von beidseitigen Schutzstreifen im Abschnitt von Hockermühlekreisverkehr bis Liebengrabenweg.
  • Verbreiterung der Straße und beidseitiger Radstreifen im Abschnitt von Liebengrabenweg bis Kreisverkehr Stauffenbergstraße.
  • Markieren von beidseitigen Schutzstreifen im Abschnitt von Stauffenbergstraße und Ortsdurchfahrtsgrenze.
  • Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, inwiefern als Ersatzmaßnahme für die wegfallenden Parkplätze Ersatzstandorte in räumlicher Nähe zur Köferinger Straße im D-Programm geschaffen werden können.

 

 

Kommentare

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Bernhard Zürn

Warum erweitert Mann nicht stadtauswärts den vorhandenen Fußweg. Damit sollten die Parkprobleme nicht noch vergrößert werden und auch Einfahrt und Ausgabeprobleme der Anwohner minimiert werden. Auch vermeide ich so Unfälle mit sich öffnenden Türen da der Fußweg weit genug von den Autos entfernt yein. Sollte. Oder ist der Stadt die Förderfähigkeit der "Neuanlegung" so viel wert das es ohne nicht geht?

12.11.2021