07.01.2021 - 17:07 Uhr
AmbergOberpfalz

Bergsteig Amberg: Bewohner froh über neue Perspektiven

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Der alte Bergsteig in Amberg ist kaum noch zu erkennen. Die geplanten Neubauten existieren nicht mehr nur auf dem Papier, sondern bereits in Form von fast fertigen Rohbauten. Doch was halten die Bewohner vom "neuen Bergsteig"?

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Bergsteigs auf einer Fotografie vereint: Wer in diesem Neubau an der Gropiusstraße aus dem Fenster sieht, erblickt die für den Stadtteil so typische Glaskathedrale.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Wann immer Johann Kucharski seine Wohnung an der Rosenthalstraße verließ, fiel sein Blick zwangsläufig auf den Rundbau. Schon als Kind lebte der mittlerweile 77-Jährige am Bergsteig. Genau gegenüber von dem Gebäude, das den Stadtteil optisch so sehr prägte. "Wir sind damals nach dem Krieg gleich hier her." All die Jahre hatte der Mann mit den polnischen Wurzeln den freien Blick auf das städtebauliche Wahrzeichen des Quartiers. Bis zum Juni 2016. Damals ließ die Stadtbau den Bau abreißen, um Platz für etwas Neues zu schaffen - ein etwa 15 Millionen Euro teures Senioren-Servicehaus.

Der Grundstein ist seit Ende Juli 2020 gelegt, die Bodenplatte folgte im August. Dort, wo einst der Rundbau stand, wächst auf 4700 Quadratmetern ein eigenes Quartier mit 70 Appartements, Tagespflege, Sozialstation, Café, Restaurant und Arztpraxis. "Die Bauarbeiten sind für alle sichtbar in vollem Gange", sagt Barbara Maurer von der Schongauer Unternehmensgruppe Domizilium, die zwischen Rosenthalstraße, Claudiweg und Breslauer Straße als Investor und Bauherr auftritt. Der Bau liege voll im Zeitplan, ließ die Assistentin der Geschäftsleitung noch im alten Jahr wissen: "Wir sind zuversichtlich, die Bezugsfertigkeit im Frühjahr 2022 einhalten zu können." Dass dieser Zeitplan nicht aus der Luft gegriffen ist, lässt sich vor Ort erkennen.

"Das früher war ja alles einfachste Bauweise."

Johann Kucharski

Johann Kucharski

Wenn Johann Kucharski nun das Haus verlässt, blickt er auf einen fast fertigen Rohbau. Ein Problem hat der 77-Jährige damit nicht: "Es musste was gemacht werden. Wenn man zurückschaut, muss man sagen, dass die ganzen Jahre nichts gemacht worden ist." Deswegen sei er nun zufrieden: "Das früher war ja alles einfachste Bauweise." Insofern sei der Schritt, in Nähe des Sportplatzes auch Bauland für Familien auszuweisen, der richtige Schritt gewesen. Dort, an der neu erschlossenen Gropiusstraße, sind ebenfalls die ersten im Prinzip fertigen Rohbauten deutlich zu erkennen: "Ich finde das alles richtig." Einerseits müssten neue Familien ins Viertel ziehen, um es zukunftsfähig zu machen. Andererseits würden die bisherigen Bewohner auch nicht jünger: "Die Leute hier werden immer älter. Wir brauchen auch was für sie." Und das sei eben das neue Senioren-Servicehaus direkt vor seiner Tür.

"Das ist für uns alle hier sehr wichtig."

Paul Nemes

Paul Nemes

Dass in dem Stadtteil, der den Ruf eines Glasscherben-Viertels längst abgelegt hat, derzeit gefühlt an allen Ecken gebaut werde, stört den 77-Jährigen nicht. Er sei froh, dass der Bergsteig nun nicht mehr vernachlässigt werde. Kucharski, der fast sein ganzes Leben rund um den alten Rundbau verbracht hat, ist aber nicht der einzige Bewohner, der das so bewertet. Auch Paul Nemes freut sich: "Das ist für uns alle hier sehr wichtig." Der 21-Jährige lebt seit etwa dreieinhalb Jahren am Bergsteig und kennt den Rundbau nur aus Erzählungen. Jetzt wohnt er wie Johann Kucharski direkt gegenüber vom neuen Senioren-Servicehaus und damit in unmittelbarer Nähe zu einer Großbaustelle: "Ich arbeite selbst am Bau und habe absolut kein Problem damit." Wenn etwas Neues entsteht, gehöre Lärm nun mal dazu. Denn der gehe wieder vorbei. Wichtiger sei, "dass hier mehr Leben einzieht".

Dort, wo einst der Rundbau stand, wächst nun auf 4700 Quadratmetern ein neues Senioren-Servicehaus.

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