26.03.2021 - 12:02 Uhr
AmbergOberpfalz

BRK-Kurs: So wendet man den Corona-Schnelltest richtig an

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

Wie tief muss das Corona-Teststäbchen hinein in die Nase? Eine Schulung des BRK Amberg-Sulzbach zeigt Mitarbeitern aus Firmen, Schulen und Kindergärten, wie man einen Antigen-Schnelltest richtig anwendet.

Das Corona-Teststäbchen wird in die Nase gesteckt. Vor diesem Moment haben viele Angst – aber wenn man weiß, wie’s geht, ist es halb so schlimm.
von Heike Unger Kontakt Profil

Das Thema ist ernst, der Ton locker: Es darf auch gelacht werden in diesem Kurs, in dem das BRK Firmen-Mitarbeitern, Lehrern und Kindergärtnerinnen zeigt, wie sie in ihren Einrichtungen einen Corona-Schnelltest richtig machen. Kursleiter Jörg Gassner, hauptamtlicher Ausbilder beim BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach, spricht augenzwinkernd von einem „Selbstfindungstest“: Die Teilnehmer testen sich heute in Zweier-Teams gegenseitig. Und lernen dabei, auf was sie achten müssen, damit sie als geschulte Anwender gelten und mit einem Corona-Antigen-Schnelltest ein möglichst verlässliches Ergebnis bekommen. Letzteres ist oft ein Problem, wenn Laien in den jetzt auch verfügbaren „Selbsttests“ für jedermann (die „Schnelltests“ sind nur für geschulte Tester gedacht) greifen und im besten Fall nur den Beipackzettel als Hilfe haben: Ist der Test nicht offiziell zugelassen und wird nicht alles richtig gemacht, kann das Ergebnis am Ende wertlos sein, weil es falsch negativ ist.

In Deutschland zugelassene Corona-Selbsttest für Laien

In Deutschland zugelassene Corona-Antigen-Schnelltests für geschulte Anwender

Um falsche Ergebnisse zu vermeiden, besuchen acht Teilnehmer an diesem Abend eine Schulung zum Corona-Schnelltest im BRK-Haus am Amselweg: Ein Männer-Trio aus einer Sulzbach-Rosenberger Firma, vier Kindergärtnerinnen aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach und eine Amberger Lehrerin. Natürlich bewegt alle die eine Frage: Wie tief muss das Stäbchen denn jetzt in die Nase? Wirklich bis es weh tut? Und kann man sein Gegenüber dabei womöglich verletzen?

Mit Humor geht’s leichter

Jörg Gassner kennt die Antworten. Aber erst einmal hat er selbst Fragen. Er will wissen, warum seine Schützlinge da sind. „Wir sind hier, weil wir jetzt im Kindergarten testen müssen“, sagt eine der Frauen. Gassner korrigiert: „Ihr seid hier, weil ihr testen dürft.“ So sollte man es sehen, betont er. „Ich will mich einfach auskennen“, sagt eine weitere Teilnehmerin, der der Beipackzettel im Test-Set nicht reicht. Sie will wissen: Wie geht das denn jetzt mit dem Stäbchen? „Du hast ja nur zwei Möglichkeiten. Und das Ohr ist die falsche.“ Der ganze Kurs lacht, das Eis ist gebrochen. Mit ein bisschen Humor, das zeigt sich auch bei der praktischen Übung, ist das oft eher unangenehme Test-Prozedere einfacher.

Gassner empfiehlt, auf der Internetseite des Gesundheitsministeriums nachzuschauen, welche Tests offiziell zugelassen sind Ähnlich wie bei manchen Masken erfüllt nicht alles, was es an Corona-Tests zu kaufen gibt, wirklich seinen Zweck. Die Teilnehmer hören es erleichtert: Inzwischen gibt es auch Tests, bei denen es genügt, im vorderen Bereich der Nase „Material“ mit dem Stäbchen zu sammeln. Im Kurs werden diese Test-Sets verwendet. Doch die Teilnehmer haben sich zu früh gefreut: Sie sollen trotzdem ausprobieren, wie das mit dem „möglichst tief in die Nase“ funktioniert – damit sie fit sind, falls sie in ihrem Betrieb so vorgehen müssen.

Zuverlässige Ergebnisse

Aber zuerst muss jedes Team seinen Tisch desinfizieren. Und jeder seine Hände. Und zwar richtig und ausgiebig – also auch Handgelenke, Fingerkuppen, Zwischenräume. Der Tester braucht aber noch mehr: Ein paar Handschuhe, FFP2-Maske, Schutzbrille, Kittel, noch ein zweites Paar Handschuhe über dem ersten, das nach jedem Test gewechselt wird. „Wir gehen immer davon aus, dass wir Probanden haben, die nicht infiziert sind“, merkt Gassner an. Tatsächlich muss man aber damit rechnen, einen Infizierten vor sich zu haben: Ihn zu finden, um zu verhindern, dass er andere ansteckt – darum geht es schließlich.

„Wie zuverlässig sind die Tests eigentlich?“, will ein Teilnehmer wissen. Gassner erzählt von einer Firma mit 180 Mitarbeitern, die schnell-getestet wurden: 18 von ihnen waren positiv, ganz ohne Symptome. Ein PCR-Test ist in diesem Fall nötig, um das Schnelltest-Ergebnis abzusichern. Die Runde schätzt, wie viele Bestätigungen es am Ende gab: 3, 12 oder 17? Die 17 ist richtig. „Das heißt, dieses Tests sind mittlerweile wirklich sehr gut“, betont Gassner.

"Mit sanften Drehbewegungen"

Für ihre eigenen Tests richten die Kursteilnehmer in ihrer Schutzausrüstung jetzt alles her: Das kleine Plastik-Reagenzröhrchen wird in eine Wäscheklammer geklemmt, damit es aufrecht auf dem Tisch stehen bleibt. Die Testflüssigkeit wird bis zur markierten Stelle hinein getropft. Und dann wird das gefürchtete Stäbchen gezückt. Die Art des Tests entscheidet, was jetzt passiert: Ist es einer, bei dem man tief in die Nase hinein muss, reicht das in einem Nasenloch. Ist es ein Test für den vorderen Nasenbereich, müssen es beide sein. Schneuzen vorher ist okay, Cola-Trinken nicht: Eine halbe Stunde vorher sollte der Proband keine koffeinhaltigen Getränke zu sich nehmen, denn das könnte das Ergebnis verfälschen.

Jetzt wird es ernst: Nicht über den Probanden beugen, wenn man ihn testet – falls er wegzuckt, empfiehlt Gassner. Und auf keinen Fall seinen Kopf festhalten: „Anfassen ist tabu.“ Der Proband sitzt auf einem Stuhl, neigt seinen Kopf etwa um 70 Grad nach hinten – und schon kann der Tester das Stäbchen „mit sanften Drehbewegungen“ in seine Nase schieben. Das verhindert Verletzungen. Wie weit denn nun? „Bis man einen Widerstand spürt“, lautet die Antwort. Die lässt einige zögern. Gassner hat aber einen Tipp parat: Dem Probanden in die Augen schauen. Dann sieht man sehr gut, wann man sein Ziel erreicht hat: „Wenn er dich mit großen Augen anschaut wie ein Pokemon...“.

Es könnte auch ernst werden

Tatsächlich kommen mit diesem Hinweis alle gut zurecht. Die Stäbchen wandern in die Nasen und dann in die vorbereiteten Reagenzbehälter. Gut „umrühren“, eine Minute stehen lassen – und dann vier Tropfen dieser Mischung auf die Testkassette tropfen. „Wie beim Schwangerschaftstest“ sagte eine der Frauen. Gassner lacht. „Auf den hab ich jetzt den ganzen Kurs gewartet. Der kommt immer.“ Aber es stimmt schon irgendwie.

Jetzt wird es spannend: Auf einmal wird allen klar, dass natürlich auch in diesem Kurs positive Ergebnisse herauskommen könnten. Dann müssten alle in Insolation. Der Teststreifen färbt sich langsam rosa, dann taucht ein roter Strich an einer Markierung auf: Er zeigt an, dass der Test funktioniert hat. Ein bisschen nervös verfolgen alle, ob noch ein zweiter Strich auftaucht: Dann wäre das Ergebnis positiv.

Warten auf das Ergebnis

Aufatmen nach der erforderlichen Wartezeit von 15 Minuten. Nirgends gibt es einen zweiten Strich. Trotzdem: Dieses Ergebnis, so schärft Gassner allen ein, ist „nur eine Momentaufnahme“. Und die gelte nur bis zum nächsten Tag. Dann wäre, um sicher zu sein, ein neuer Test fällig. Der wird inzwischen mancherorts in Modellversuchen verlangt, um bestimmte Dinge wieder tun zu können. Einkaufen. Oder ein Konzert besuchen.

Die meisten Kursteilnehmer müssen ihre Kenntnisse schon am nächsten Tag einsetzen: Sie sollen Kollegen testen, in Schule, Kindergarten, in der Firma. Das geschieht derzeit noch auf freiwilliger Basis. Gassner geht aber davon aus, dass daraus eine Verpflichtung wird. Weil die Corona-Zahlen immer noch weiter steigen.

Ansturm auf die Apotheken: Großes Interesse an Corona-Schnelltests

Amberg
Info:

Corona-Antigen-Schnelltests

Das BRK Amberg-Sulzbach plant weitere Corona-Schnelltest-Kurse


  • Gedacht sind diese Kurse für Mitarbeiter aus Firmen, Schulen, Kindergärten (nicht für Privatleute)
  • In der Regel laufen die Schulungen von 17 bis 19 Uhr im BRK-Haus in Amberg, Amselweg 30
  • Interessenten melden sich für weitere Infos bei Tanja Tuchscherer (09621/474512) oder per Mail (tuchscherer[at]kvamberg-sulzbach.brk[dot]de).

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.