23.03.2021 - 17:23 Uhr
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Corona-Schnelltests: „Wir werden total überrannt“ – Apotheken in Amberg und Sulzbach-Rosenberg erleben Ansturm

Den Apotheken in Amberg und Sulzbach-Rosenberg wird förmlich die Tür eingerannt: Kostenlose Corona-Schnelltests sind bei den Bürgern beliebt. Doch wie läuft der Test ab? Und sind Billig-Tests aus dem Discounter minderwertig?

Keine Anmeldung nötig, viele Parkplätze, gute Straßenanbindung: Bis zu 150 Kunden lassen sich täglich in der Sulzbach-Rosenberger Krötensee-Apotheke auf das Coronavirus testen. Im Bild bereitet Apothekerin Katharina Holtschulte mit einer Mitarbeiterin ihr Corona-Testzentrum für den täglichen Ansturm vor.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Unabhängig von Alter oder Risikogruppe – ein Corona-Test pro Woche ist in Bayern für jeden Bürger kostenlos. Seit rund zwei Wochen gibt es die Schnelltest auch in etlichen Apotheken in Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Das Angebot wird bestens angenommen. Neue Kurznasentests verhindern zudem Schmerzen beim Einführen des Stäbchens. Auch die Wirksamkeit ist belegt: Unsere Nachfrage bei zwei Apotheken zeigt, dass täglich Corona-Infizierte entdeckt werden.

„Was wir hier tun, ist konkrete Pandemiebekämpfung“, berichtet Katharina Holtschulte zufrieden. Die Inhaberin der neuen Krötensee-Apotheke an der Neumarkter Straße in Sulzbach-Rosenberg freut sich über den Ansturm. „Wir werden total überrannt. Wir haben Tage mit bis zu 150 Tests.“ Holtschulte hat sogar extra Personal angestellt, um die Flut an Testwilligen abarbeiten zu können. Zwei Mitarbeiter können in einem beheizten Zelt neben der Apotheke bei zwei Menschen gleichzeitig den Abstrich nehmen. „Das sind Arzthelfer oder Krankenschwestern, Leute aus dem medizinischen Bereich, die im Kampf gegen Corona mit anpacken wollen.“

Nasen-Rachen-Abstrich

Der Ablauf des Antigen-Schnelltests sei „super einfach“, sagt die 45-Jährige. Vor allem, weil vorab keine Anmeldung nötig ist. „Das würde den Vorgang nur verkomplizieren.“ Wer kommt, desinfiziert seine Hände und füllt am Zelteingang ein Kontaktformular mit persönlichen Daten aus. Direkt danach beginnt der Test: Fachkräfte in Ganzkörper-Schutzanzug führen ein Stäbchen über die Nase in den Rachen ein.

Holtschulte kennt Befürchtungen, das Stäbchen werde von manch gefühllosen Ärzten „bis ins Gehirn gerammt“. Doch die Apothekerin widerspricht. „Das geht gar nicht, man kann beim Einführen nichts kaputt machen. Wir machen das sehr gefühlvoll, und wenn jemand nicht mehr will, brechen wir auch sofort ab.“ Das aber habe sie noch nicht erlebt. Vom Kindergartenkind bis zum betagten Senior seien alle Altersgruppen vertreten. „Ich war selber überrascht, aber die Tests werden quer durch die Bank von allen stark angenommen.“

Der Vorgang dauert laut der Apothekerin höchstens zehn Minuten, nach weiteren 15 Minuten liege das Testergebnis vor. Wer nicht solange vor Ort warten will, kann sich auch telefonisch informieren lassen, ob er mit Corona infiziert ist oder nicht.

Das Motto der Sulzbach-Rosenberger Apothekerin lässt sich mit „Testen leicht gemacht“ zusammenfassen. „Es muss so schnell und unbürokratisch wie nur möglich sein“, sagt sie. Nur wer sich ohne große Hürden unkompliziert testen lassen könne, nehme das Angebot auch wahr.

Billig-Tests aus dem Discounter

Doch wer schnell an einen Coronatest kommen will, braucht dazu keine Apotheken mehr. Mittlerweile bieten auch Discounter oder Drogeriemärkte sogenannte Laientests an. Diese Selbsttests für Zuhause kann nicht nur jeder ohne medizinische Vorkenntnisse benutzen – sie sind mit rund 5 Euro auch noch deutlich billiger als in den Apotheken. Dort kosten die Laientests zum Mitnehmen zwischen 8 und 10 Euro.

Den Preisaufschlag rechtfertigt Frederik Strobl. Der Chef der Apotheke St. Marien in der Amberger Marienstraße erklärt das vor allem mit der Fachberatung. „Im Gegensatz zu den Discountern geht es uns nicht nur darum, ein Produkt zu verkaufen. Wir erklären jedem unserer Kunden die Anwendung der Tests im Detail.“ Im Kampf gegen Corona sei dies entscheidend, gibt sich der 31-Jährige überzeugt. Er kenne viele Kunden, die bereits alleine einen Selbsttest angewendet hätten, aber: „Sobald die einmal einen Test in unserem Testzentrum gemacht haben oder von uns beraten wurden, ist die Reaktion fast immer: ‚Also so gründlich habe ich das zu Hause nie gemacht.‘“ Die Tests aus dem Supermarkt sind also keine qualitativ schlechte Ramsch-Ware. Jedoch bestehe laut dem Pharmazeutiker die Gefahr einer unsachgemäßen Benutzung – mit womöglich weitreichenden Folgen.

So funktionieren die Selbsttests aus den Discountern

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Neue Kurznasenstäbchen "völlig schmerzfrei"

Weil sich die Viren oft tief im Rachen verstecken, sei es wichtig, die Stäbchen weit genug in die Nase einzuführen. Nur so könne der Test auch eine Infektion zweifelsfrei erkennen. Da dies viele Kunden als unangenehm empfinden, gibt es inzwischen auch sogenannte Kurznasentests. Strobl setzt diese bewusst in seiner Marienapotheke ein – auch, um den Leuten mögliche Ängste zu nehmen. „Die alten Teststäbchen waren circa 6 Zentimeter lang, die kurzen haben nur rund 2 Zentimeter. Das ist jetzt völlig schmerzfrei, es kitzelt höchstens ein bisschen, das war's.“

Der Amberger testet seit dem 10. März in einem Nebenraum seiner Apotheke. Strobl war vom großen Interesse überrascht – täglich sind es über 150 Test-Patienten. „Dass es so schnell so viel wird, dachte ich nicht.“ Den Andrang führt der Pharmazeut vor allem auf sein ausgeklügeltes Zeit- und Buchungsmanagement zurück. „Der Test selbst dauert höchstens 10 Sekunden, der ganze Termin ist in circa zwei Minuten erledigt.“ Möglich sei der Durchlauf in Rekordzeit durch eine Online-Anmeldung vorab auf der Homepage der Marienapotheke. Der Blitztest sei nicht nur für die Kunden bequem, weil sich so jeder seinen individuellen Wunschtermin aussuchen könne, sondern auch aus Gründen des Infektionsschutzes sinnvoll: „Wir können im Zwei-Minuten-Takt testen, weil Bürokratie vor Ort wegfällt.“ Niemand müsse aufwendig Formulare ausfüllen. „Keiner muss einen Stift anlangen oder warten. Wir wollen möglichst wenig Zeit mit einem potenziell Infizierten verbringen.“

Hier erfahren Sie welche Apotheken in Amberg und Sulzbach-Rosenberg auf Corona testen

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Apotheken: Tägliche „Volltreffer“

Wie wichtig der zügige Durchlauf und die häufigen Tests an sich sind, zeigt deren Wirksamkeit. Sowohl Katharina Holtschulte von der Krötensee-Apotheke in Sulzbach-Rosenberg als auch der Amberger Frederik Strobl berichten von täglichen Treffern. „Wir haben fast jeden Tag einen positiven Test. Dann rufen wir sofort beim Betreffenden an, und das Amt wird informiert.“

Das Testen trage damit direkt zur Unterbrechung von Infektionsketten bei und könne schlimme Konsequenzen verhindern – zum Beispiel das Weitertragen des Virus in Pflegeheime. Genau das hat Strobl schon mehrfach verhindert. „Es kommen häufig Leute zu uns, die sagen, sie wollen am Wochenende Verwandte besuchen oder die Oma im Altenheim. Genau solche haben wir schon positiv getestet und dann sofort gestoppt.“ Das Konzept habe sich deshalb bewährt.

Amtliches Test-Zertifikat

Wer positiv getestet wird, erhält nicht nur sofort eine E-Mail sowie einen Anruf von der Apotheke – auch das Gesundheitsamt wird über die Infektion informiert, um Quarantäne anzuordnen. Bei einem negativen Ergebnis wiederum stellen die Apotheken ein abgestempeltes Zertifikat des bayerischen Gesundheitsministeriums, das 24 Stunden gültig ist und bestätigt, dass der Besitzer nicht ansteckend ist. „Damit werden künftig wohl gewisse Freiheiten einhergehen, wie der Restaurant- oder der Kino-Besuch“, sagt Strobl. Noch seien die gesetzlichen Regelungen dafür aber nicht getroffen.

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Weiden in der Oberpfalz

„Wir haben Tage mit bis zu 150 Tests. Was wir hier tun, ist konkrete Pandemiebekämpfung.“

Apothekerin Katharina Holtschulte, Krötensee-Apotheke Sulzbach-Rosenberg

Apothekerin Katharina Holtschulte, Krötensee-Apotheke Sulzbach-Rosenberg

Info:

Corona-Schnelltests: Infos und Hintergründe

  • Wie lange ist ein Schnelltest gültig? Ein negatives Testergebnis gilt für 24 Stunden.
  • Ist ein negatives Testergebnis ein "Freibrief"? Nein. Sonderrechte gehen damit nicht einher. Jedoch gibt ein Negativ-Test persönliche Sicherheit in vielen Alltagssituationen wie beispielsweise beim Besuch der Großeltern, im Beruf oder bei Schülern und Kindergartenkindern.
  • Was unterscheidet einen Schnelltest von einem Selbsttest? Schnelltests gibt es in Apotheken oder im Discounter zu kaufen. Schnelltests zur Eigenanwendung heißen Selbsttests oder Laientests. Sie sind nicht qualitativ minderwertiger. Bei Selbsttests aus dem Discounter gibt es jedoch das Risiko fehlerhafter Anwendung. In den Testzentren der Apotheken führt geschultes Fachpersonal die Tests durch.
  • Wie zuverlässig sind Schnelltests? Laut dem Amberger Apotheker Frederik Strobl liegt die Sensitivität der Antigen-Schnelltests bei 98,5 Prozent. Wer ein negatives Testergebnis hat, kann so mit fast absoluter Sicherheit ausschließen, infektiös zu sein. Bei einem positiven Ergebnis wird zur Bestätigung ein ärztlicher PCR-Test durchgeführt.
  • Wie erfahren Kunden einer Apotheke vom Testergebnis? Das Testergebnis liegt nach circa 15 Minuten vor. Kunden können entweder solange vor Ort warten oder werden per Mail informiert. Ein negatives Testergebnis wird durch ein offizielles Zertifikat bestätigt. Im Falle einer Corona-Infektion (positives Ergebnis) wird der Kunde per Mail und Anruf informiert. Auch das Gesundheitsamt erhält eine Nachricht.

„Im Gegensatz zu den Discountern geht es uns nicht nur darum, ein Produkt zu verkaufen. Wir erklären jedem unserer Kunden die Anwendung im Detail.“

Apotheker Frederik Strobl, Apotheke St. Marien Amberg

Apotheker Frederik Strobl, Apotheke St. Marien Amberg

 

 

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