"Alles, wo Menschen physisch zusammenkommen, geht natürlich nicht", so fasst es Paulaner-Pfarrer Joachim von Kölichen am Freitag im Gespräch mit der Redaktion zusammen. Am Sonntag fand der letzte Gottesdienst statt, "seit Montag liegt das auf Eis". Die Paulanerkirche und das Andreas-Hügel-Haus bleiben aber offen, wie von Kölichen versichert. Ob es Zufall ist, oder doch etwas mit Corona zu tun hat, weiß er nicht, aber: "Ich sehe, wenn ich aus dem Fenster gucke, dass Leute die Tür der Paulanerkirche aufmachen." Er habe schon den Eindruck, dass das jetzt unter der Woche etwas öfter der Fall sei als üblicherweise.
Vielleicht auch wegen des Zettels an der Tür, der auf die besondere Situation und die Kontaktiformationen zur Gemeinde hinweist. Der Aushang zeige, "dass wir schon noch erreichbar sind, dass es uns noch gibt", sagt der Pfarrer. Sein Kollege von der Erlösergemeinde, Pfarrer David Scherf, macht per Flyer auf den ehrenamtlichen Einkaufsservice seiner Gemeinde aufmerksam. Wer ihn nutzen oder mithelfen will, wendet sich ans Pfarramt. "Wir müssen umdenken", meint Scherf im Gespräch mit der Redaktion: Deshalb würden in der Erlösergemeinde auch Handzettel in die Briefkästen "persönlich bekannter Gottesdienstbesucher" verteilt, die Anregungen für einen Hausgottesdienst geben. Dass sich schon viele Helfer für den Einakufsdienst gemeldet haben, freut den Geistlichen. Er hatte "darauf gehofft, dass wir eine Netzstelle sind" für die, die jetzt nicht mehr aus dem Haus wollen, können oder dürfen. "Es sind schon viele Fäden zusammengesponnen, damit daraus ein größeres Netz werden kann."
Kirchen bleiben offen
Die evangelischen Kirchen bleiben offen, auch wenn dort derzeit keine Gottesdienste gefeiert werden. Im Andreas-Hügel-Haus hat Julia Sollinger eigens eine besondere Gebetsecke eingerichtet. Pfarrer von Kölichen arbeitet ebenfalls an besonderen Wegen, mit der Gemeinde in Kontakt zu bleiben. Dazu gehört "eine Sonderausgabe des Gemeindebriefs, die nächste Woche verteilt wird" in den 4600 Haushalten seiner Gemeinde. Ein Formular soll Anregungen für Hausandachten geben: Es wird über die Internetseite von Paulaner abrufbar sein, Pfarrer von Kölichen und sein Kümmersbrucker Kollege Bernd Schindler wollen es am Wochenende mit Inhalt füllen – Texte, Gebete, Liedvorschläge für eine Andacht daheim am Sonntag.
Konfirmation noch unklar
Unklar ist derzeit, ob die Konfirmationen am 3. und 17. Mai stattfinden können. "Da halten wir noch den Kopf unten", erklärt von Kölichen. Sein Kümmersbrucker Kollege Bernd Schindler habe wegen der Konfirmation am 3. Mai schon einige Anfragen bekommen. "Ich weiß da im Moment nicht, was ich sagen soll." Insofern müsse man "erst mal abwarten - aber wenn's nicht geht, dann geht's nicht: Die Gesundheit geht vor." Bei der Konfirmation sei man auch nicht sehr flexibel, weil ihr ja der Konfirmanden-Unterricht vorangeht, der momentan nicht möglich ist. Einen Ersatztermin "kriegen wir nicht so schnell angeleiert".
Joachim von Kölichen ist sicher, "dass sich die Gemeindeglieder wünschen, von ihrem Pfarrer zu hören", auch wenn dies in Corona-Zeiten auf anderen Wegen als den üblichen geschehen muss. Der geistliche formuliert es "etwas pathetisch", wie er sagt: "Ich finde, die Gemeinde hat auch das Recht, uns beten zu sehen." Vielleicht, so der Gedanke, ließe sich da über digitale Wege auch etwas möglich machen.
Die Coronakrise ist auch für die Paulanergemeinde eine Herausforderung, gibt von Kölichen zu: "Wir sind auch am Schwimmen", weshalb manches erst noch im Entstehen sei. Seelsorge gibt es in den evangelischen Gemeinden auch weiterhin, "aber eher über das Telefon". Auf diesem Weg seien sogar Beichtgespräche möglich, auch wenn das die wenigsten Leute wohl so nennen würden, wie der Pfarrer meint. Noch sei der Gesprächsbedarf vielleicht nicht größer als sonst. Aber wenn die Coronakrise andauere, sich verschärfe und zu Ausgangssperren führe, könnte sich das ändern: "Dann setzt Langeweile ein", es könnte aber auch zu Spannungen in Familien kommen, die mit der ungewohnten Lage überfordert seien. "So eine Situation kennt bei uns keiner."
Beerdigungen im kleinen Kreis
Beerdigungen sind auch in den evangelischen Gemeinden weiter möglich – allerdings nach den städtischen Vorgaben, die nur kurze Andachten im Freien auf den Friedhöfen im kleinsten Kreis erlauben. Auch "kleine" Taufen wären, wenn sie unbedingt gewünscht sind, möglich. Hochzeiten seien in seiner Gemeinde bis Juni noch keine terminiert, also momentan auch kein Thema. Auf übliche Kranken- und Geburtstagsbesuche verzichtet der Geistliche momentan oder nimmt Kontakt per Telefon auf. Werde ein Krankenbesuch allerdings ausdrücklich gewünscht, "würde ich kommen", fügt von Kölichen hinzu. "Ob das nun gut ist oder nicht – der Ruf eines Kranken wäre mir wichtiger als die Ansteckungsgefahr."
Das Paulaner-Büro ist weiter besetzt, aber nicht für Besucher geöffnet: Sie müssen telefonisch Kontakt aufnehmen. Die Mitarbeiterinnen "sitzen zu getrennten Zeiten an ihren Schreibtischen und machen die Verwaltungsarbeit". Grundsätzlich hätten die evangelische Landeskirche und der Freistaat in Sachen Corona dieselben Vorgaben gemacht, an die sich die Paulaner halten. "Ich hoffe, dass die Maßnahmen so gut greifen, dass wir damit bald wieder nachlassen können", sagt von Kölichen. Sobald es heiße, "ihr dürft wieder, stehen wir auf der Matte", kündigt er an.























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