"Am Anfang war's schon ein bissl befremdlich", räumt Pfarrer Thomas Helm ein – eine Messe nur mit ihm, Mesner Thomas Pesold und Kirchenmusiker Bernhard Müllers. Abgesehen von diesem Trio darf niemand mitfeiern: Die täglichen Gottesdienste von Mittwoch bis Sonntag in der Basilika am Marktplatz finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erst danach wird St. Martin aufgesperrt – tagsüber sind Besucher zum stillen Gebet willkommen.
Seit Mittwoch gibt es die nichtöffentlichen Gottesdienste in St. Martin. Anfangs stand Helm noch wie gewöhnlich am Altar. Dabei blickte er auf völlig leere Kirchenbänke. "Da kommt man sich so verloren vor", begründet der Geistliche, warum er die ungewöhnlichen Messen jetzt lieber hinter dem Hochaltar, am kleineren Sakramentsaltar, feiert. Dabei steht er, wie es früher in katholischen Gottesdiensten die Regel war, quasi "mit dem Rücken zum Volk" und erspart sich so den Blick ins Leere. Ungewohnt, räumt Helm ein, sieht aber auch den Vorteil, dass er dabei sehr konzentriert bei der Sache ist.
Statt Orgel a cappellla
Von der Dauer unterscheide sich diese Messe zumindest werktags nicht sehr von den gewöhnlichen, weil es in beiden Fällen keine Predigt gibt. Sogar Musik gibt es in der Corona-bedingten Version. Die Orgel schweigt zwar, aber Helm, Pesold und Müllers singen a cappella zwei, drei Lieder. Seine beiden Mitstreiter "vertreten die Gemeinde", erklärt Helm. Dabei achten alle drei darauf, dass sie den nötigen Abstand zueinander wahren. ungewöhnlich auch dies: Bevor Helm an die beiden die Kommunion verteilt, desinfiziert er sich die Hände. So lange der Gottesdienst läuft, ist die Basilika abgeschlossen. Erst danach, um 8.30 Uhr, wird sie aufgesperrt, ist dann aber wie üblich geöffnet für Besucher.
Taufen und Hochzeiten nur in ganz kleinem Kreis
Taufen sind in St. Martin auch in Corona-Zeiten zwar möglich, aber nur mit starken Einschränkungen: Nur der Täufling, seine Eltern und der Taufpate dürfen dazu in die Kirche kommen. Das werde in der Praxis vermutlich niemand wollen, vermutet Pfarrer Thomas Helm. Eine Taufe, die am Samstag sein sollte, haben die Eltern bereits verschoben. "Da geht die Gesundheit der Beteiligten vor", betont Helm. Er sieht hier allerdings auch kein allzu großes Problem, weil Kinder heutzutage ohnehin erst rund ein Vierteljahr nach der Geburt getauft würden, während dies früher meist innerhalb der ersten acht Lebenswochen geschehen sei.
Ähnlich wie bei den Taufen sehen die Beschränkungen bei kirchlichen Trauungen aus: Sie sind möglich, aber nur der Priester, die Brautleute und die Trauzeugen dürfen dabei sein. "Wir möchten ja keine Menschenansammlungen." Die Zeit der Trauungen beginnt in St. Martin meist erst nach Ostern. Helms erster Termin ist am 30. Mai - und wurde bislang noch nicht abgesagt. "Für die Paare und besonders die Bräute ist das besonders traurig", weiß der Pfarrer - schließlich hänge an einer Hochzeit doch Organisatorisch sehr viel, vor allem jenseits des kirchlichen Teils.
Dass diese in der aktuellen Krisenzeit mehr werden, hat Helm nicht festgestellt: "Bei uns ist tatsächlich immer viel los", auch wenn er vor Corona nachmittags in der Basilika gewesen sei, weil er beispielsweise eine Ministrantenprobe hielt, habe er dort viele Gläubige im stillen Gebet angetroffen. Etwas ist ihm allerdings sehr wohl aufgefallen: In der vergangenen Woche habe er in der Werktagsmesse doch "ein paar Gesicher gesehen, die ich zwar kenne", die aber sonst nie unter der Woche kommen.
Dass es derzeit keine öffentlichen Gottesdienste gibt, sei schon "einschneidend", sagt Helm. Das gilt auch bei Beerdigungen, bei denen derzeit kein Requiem in der Kirche gehalten werden kann. Stattdessen gibt es laut Helm "eine kurze Trauerfeier" auf dem Friedhof im Freien, an der laut städtischer Vorgabe maximal 30 Personen teilnehmen dürfen. Auch hier sei der Hintergrund, größere Menschenansammlungen zu vermeiden, um die Ausbreitung des Coronavirus' zu bremsen. Deshalb seien momentan bei Todesanzeigen auch meist keine Beerdigungstermine mehr zu sehen – damit nicht zu viele Menschen kommen.
Seelsorge über Telefon, Mail und Facebook
Wer seelischen Beistand braucht, darf sich ohne Bedenken an Pfarrer Helm und seine Mitstreiter in St. Martin wenden, betont der Geistliche, der weiß, dass sich dies manche nicht trauen, weil sie denken, "der Pfarrer hat jetzt was anderes zu tun". Pfarrer und Diakon stehen bereit: "Die Leute können wirklich anrufen", betont Helm, für "Sorgen und Nöte nehmen wir uns gern Zeit". Erreichbar sind die Seelsorger "über alle Kanäle" von Telefon bis Facebook.
Für den Pfarrer ist diese Situation keine völlig ungewohnte. In größeren Städten seien solche Beerdigungen im kleinen Kreis normal, er kenne das beispielsweise aus Regensburg. "Da sind es selten mehr als 30 Leute." In kleineren Städten und auf dem Land aber sei dies etwas anderes. "Für die Angehörigen ist das schon schwierig", weiß Helm und verweist auf die Beerdigung einer Frau, der die Kirche sehr wichtig war. Auch von ihr müssen sich die Angehörigen außerhalb der Kirche verabschieden, in einem kurzen Wortgottesdienst vor der Leichenhalle. "Wir überlegen aber, ob wir zu einem späteren Zeitpunkt" die jetzt ausgefallenen Requiems in einem gemeinsamen nachholen, berichtet Helm.
Der Pfarrer von St. Martin überlegt gerade, wie er "den Menschen noch helfen kann". Texte und Predigtworte auf der Internetseite der Pfarrei seien eine Idee, ein Gestaltungsvorschlag für eine kurze Andacht zu Hause ist eine weitere. Letzterer soll als Ausdruck ab Samstag auch in der Basilika aufliegen, zum Mitnehmen.
Details zu Ostern folgen
Wie heuer in St. Martin Ostern gefeiert wird, sei noch nicht ganz genau geklärt, berichtet Helm. Dazu wolle die Diözese nächste Woche weitere Informationen liefern. Fest stehe allerdings schon, dass auch die Gottesdienste an den Feiertagen nichtöffentlich sein werden. Helm denk aber darüber nach, ob er seiner Gemeinde nicht wenigstens "was gebe zum Mitnehmen" ähnlich wie für die jetzt schon vorgeschlagenen Andachten in den eigenen vier Wänden.
Die Erstkommunion, die in St. Martin auf 10. Mai terminiert ist, "steht auf ganz wackeligen Beinen". Die Firmung sei für 23. Mai geplant. Auch sie sei bislang noch nicht abgesagt, stehe aber "genauso auf der Kippe". "Absagen kann man auch zu einem späteren Zeitpunkt", meint Helm und will die weitere Entwicklung abwarten. das gilt auch für eine geplante reise der Pfarrei, bei der die Stornofrist bis 15. April noch ein wenig Wartezeit gewährt.
Beichte in Zeiten des Coronavirus
Nicht ganz einfach ist momentan die Beichte zu regeln, berichtet Pfarrer Thomas Helm im Gespräch mit der Redaktion. Die diesbezüglichen Vorschläge der Diözese seien "wenig praktikabel". In St. Martin sind die Beichtzeiten vor Ostern deshalb ausgesetzt, "weil da zu viele Leute kommen". Wer trotzdem beichten will, kann das aber tun, muss aber vorher telefonisch einen Termin ausmachen. Helm bietet dann "in einem geschützten Bereich" der Kirche eine Beichtgelegenheit – außerhalb des Beichstuhls, wo sich die derzeit nötigen Hygienestandards nicht einhalten lassen. In Corona-Zeiten sitzen sich stattdessen der Gläubige und der Priester im nötigen Abstand gegenüber. "Das ist dann halt nicht anonym", merkt Helm an.
Bereits gestrichen sind allerdings die Gottesdienste in den Altenheimen und auch alle derzeitigen Veranstaltungen in der Pfarrei. Bei den Senioren habe man diesen Schritt schon getan, bevor sich die Coronakrise verschärft hat. Helm spricht hier von einem Spagat: "Wir müssen die älteren Leute schützen", andererseits seien es gerade sie, die "am meisten unter Einsamkeit leiden", und eigentlich gerade jetzt Kontakt bräuchten. Sollten dringende Sitzungen des Pfarrgemeinderats nötig werden, werde man diese über digitale Kanäle abhalten.
Krankenbesuche und auch der ehrenamtliche Besuchsdienst der Pfarrei sind derzeit nicht möglich. Im Krankenhaus sei allerdings die dortige Seelsorge im Einsatz. Krankenkommunion ist auch bei Thomas Helm möglich: "Im häuslichen Bereich mache ich das, oder der Diakon", bentont Helm. Trauergespräche versucht er telefonisch zu führen: Helm ist per Telefon, E-Mail und Facebook erreichbar. Das Pfarrbüro ist zwar für Publikumsverkehr geschlossen, aber ebenfalls anrufbar und anmailbar.
Statt Hausbesuch: Post vom Pfarrer
Gestrichen sind wegen der Corona-Gefahr Haus- und Geburtstagsbesuche von Pfarrer oder Pfarrgemeinderäten. Ein Geburtstags-Brief von Thomas Helm in Briefkästen der Jubilare mit "ein paar netten Zeilen" soll den Menschen aber zeigen, "dass der Pfarrer an sie denkt". Heuer wollte er erstmals auch die hochbetagten Ehejubilare persönlich besuchen, die die Pfarrei sonst zu einer kleinen Feier eingeladen hatte: Aus dieser Neuerung wird nun aber auch erst einmal nichts werden.
Auch wenn vieles wegen der Coronakrise nicht stattfinden kann, tun sich doch auch ganz neue Angebote in der Pfarrei auf: Sie bietet einen Einkaufsservice für ältere menschen, die nicht (mehr) aus dem Haus gehen wollen, oder für Menschen, die das wegen Quarantäne nicht dürfen. "Auch die Pfarrjugend macht mit, was mich sehr freut", betont Helm. In Anspruch genommen wurde dieser Service noch nicht, aber das Angebot, das in den nächsten Tagen noch wichtig werden könnte, steht.























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