22.07.2019 - 10:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Critical Mass radelt um den Altstadtring

Während die einen pünktlich zum Ferienbeginn im Stau Richtung Süden stehen, radeln die anderen um den Altstadtring. Am Freitag, 26. Juli, um 18 Uhr findet die erste Critical Mass-Radtour in Amberg statt.

Ein große Gruppe Radfahrer fährt gemeinsam entlang einer Straße am Rande der Innenstadt. Sie sind Teil der Aktion "Critical Mass" (Kritische Masse), die es so in vielen Städten der Welt gibt. Eine größere Gruppe Radfahrer, die sich scheinbar zufällig treffen und ein paar Stunden gemeinsam durch die Stadt rollen. Sie wollen auf ihre Rolle als Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen und gegen die Dominanz des motorisierten Verkehrs in den Städten protestieren.
von vfiProfil

Die weltweite Bewegung, die sich inzwischen auch in Deutschland etabliert hat, setzt sich für umweltfreundliche Mobilität und mehr Rücksicht auf den Straßen ein. Auf ihrer Website schreiben die Initiatoren zur Erklärung: „Wir sind keine Demo. Wir behindern den Verkehr nicht. Wir sind der Verkehr.“

Gegen den Klimawandel radeln

Die Ambergerin Gerlinde Koeder engagiert sich als eine von vielen Initiatoren für die gemeinsame Radtour. Sie schaute sich kürzlich den Film „Kesselrollen“ über die Stuttgarter Fahrradkultur im Cineplex-Kino an und lauschte der anschließenden Diskussionsrunde mit einem der Filmemacher und einem Verantwortlichen des Radwegekonzepts der Stadt Amberg. Der unpolitische Ansatz einer „sanften Revolution“ sprach die selbstständige Mutter sofort an. Statt nur darüber zu reden, wie auch Amberg die Verkehrswende auf diese Weise vorantreiben könnte, brachte Koeder in kürzester Zeit verschiedene Gleichgesinnte zusammen und organisierte zwei Wiederholungen des humorvollen Dokumentarfilms. So entstand die „1. Critical Mass Amberg“. Dabei zählt Koeder keineswegs zu den eingefleischten Radlern, die bereits seit Jahren Wind und Wetter trotzen, um den Klimawandel zu bremsen. „Ich wurde sozusagen vom Saulus zum Paulus“, erzählt sie und lacht. „Ich bin immer Auto gefahren und habe mir nie viel Gedanken darüber gemacht, aber seit ich den Film ‚Kesselrollen‘ gesehen habe und das Thema in den Medien so präsent ist, lasse ich die Blechbüchse immer häufiger stehen. Die Umstellung ist mir nicht einmal schwer gefallen.“ Koeder denkt, dass es nachhaltiger wäre, wenn sich jeder zumindest ein bisschen für die Umwelt einsetzen würde, statt wenn nur wenige radikale Schritte gehen. So versucht sie zum Beispiel immer häufiger auf Plastik und Flüge zu verzichten, sie ernährt sich vegetarisch und engagiert sich bei der Bewegung „Parents For Future“. Ihrer Meinung nach ist es nie zu spät, seine Gewohnheiten zu ändern. Deshalb möchte sie vor allem auch andere „Spätberufene“ motivieren, ihren Teil beizutragen. Dank der vielen Mitstreiter in Amberg bedeuten Projekte wie Critical Mass auch keinen großen Zeitaufwand in der Vorbereitung.

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Alternativen zum Auto

Über „Kesselrollen“ kam Koeder schnell mit der Amberger Zukunftsakademie, den Köpfen hinter der Fairtrade Stadt Amberg und den Organisatoren der „Fridays for Future“-Bewegung in Kontakt. Laut Koeder ebnen vor allem Bewegungen wie „Fridays for Future“ derzeit den Weg für viele weitere Aktionen. Eine umweltfreundliche Mobilität sei schließlich auch Bestandteil des Maßnahmenkatalogs, den die Schüler und Studenten an die Stadt Amberg übergeben haben. Dabei gehe es weniger um das Radfahren an sich, sondern allgemein um Alternativen zum Auto. „Die Autolobby ist auch in unserer Heimatstadt viel zu stark. Warum muss dieses eine Verkehrsmittel so viel Macht haben?“, fragt Koeder. Die Critical-Mass-Initiatoren machten Nägel mit Köpfen, erstellten eine Website, eine Facebook-Seite und ein Instagram-Konto, um die Einladung in digitalen Netzwerken zu verbreiten. Darüber hinaus druckte Koeder 250 neongrüne Flyer aus, die sie in Schulen, Cafés, Läden, der OTH und bei der Fahrradtour verteilt. Sie hofft, dass noch weitere Critical-Mass-Touren folgen (immer am letzten Freitag im Monat um 18 Uhr am ACC) und die Werbung nur bei der ersten Ankündigung nötig sein wird. Dann solle die Bewegung ähnlich der Flashmobs nach und nach zum Selbstläufer werden.

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Hoffen auf 150 Teilnehmer

Dass so ein Event vor allem von den Netzwerken und der Mundpropaganda lebt, lässt sich auch am Vergleich mit anderen Städten beobachten. Während sich bei der Critical Mass Nürnberg bereits seit Jahren Hunderte Radler beteiligten, zählten die Regensburger kürzlich nur 17 Teilnehmer. Koeder hofft für die erste Tour um den Altstadtring auf 150 Teilnehmer. Das Ganze dauere voraussichtlich nur eine Stunde und finde bei jedem Wetter statt. Beim Treffpunkt am ACC werde noch einmal erklärt, dass eine friedliche und fröhliche Stimmung gewünscht wird. Schilder und Musikinstrumente seien damit erlaubt, aber keine Tröten oder Auseinandersetzungen mit Autofahrern.

Koeder und die anderen Initiatoren der Critical Mass-Radtour möchten in erster Linie ihre Stimmen mit in die Waagschale legen. Oder wie schon Einstein einmal sagte: "Auf Veränderung zu hoffen, aber nichts dafür zu tun, ist wie am Bahnhof stehen und auf ein Schiff zu warten."

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