22.09.2021 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Falsche Corona-Zahlen wecken Hoffnungen im Landkreis Amberg-Sulzbach

Die Menschen in Amberg und Amberg-Sulzbach haben sich gefreut, weil am Mittwoch die Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI sehr stark gesunken ist. Die Ernüchterung folgte am Nachmittag, als das Landesamt für Gesundheit seine Zahlen veröffentlichte.

Immer mehr Kinder werden inzwischen gegen Corona geimpft. Das größere Problem sind aber die Menschen aus der mittleren Altersgruppe, die sich bisher noch vor der Spritze gescheut haben.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Landkreis Amberg-Sulzbach: 31,1 – so lautete laut Robert-Koch-Institut die Sieben-Tage-Inzidenz am Mittwoch. Damit bestand für die Menschen hier eine große Chance, doch noch um die bei einem Wert von über 35 drohende Einführung der 3G-Regeln (genesen, geimpft, getestet) herumzukommen. Am Nachmittag dann die "Berichtigung" durch das Bayerische Landesamt für Gesundheit: 36,9. "Das stimmt auch mit unseren Zahlen überein", bestätigt der Leiter des Amberger Gesundheitsamts, Dr. Roland Brey, die "bayerischen" Werte. Aber auch die Sieben-Tages-Inzidenz für die Stadt Amberg war laut Brey durch das RKI nicht korrekt angegeben worden. Hatte das RKI die Stadt bei 59,5 verortet, lag der korrekte Wert laut Gesundheitsamt bei 85,6. "Die Zahlen sind zwar gesunken, aber nicht so stark, wie vom RKI angegeben", sagt Brey dazu.

Möglicherweise steigt die Impfbereitschaft nach Einschätzung des Gesundheitsamts-Leiters aber wieder, wenn die offiziellen Corona-Tests nicht mehr kostenlos sein werden. Teilweise sehr lange Schlangen vor den Testzentren vor allem am Samstagabend, wenn junge Menschen fortgehen wollen, lassen die Vermutung zu, dass Brey durchaus Recht behalten könnte.

Noch viele Menschen ungeimpft

Tatsächlich sei die Abwärts-Tendenz der Inzidenz schon absehbar gewesen, so Brey. Allerdings nicht in dem vom RKI angegebenen Maße. Damit bleibt aber immer noch die Frage, warum Amberg – im Vergleich zur Nachbarstadt Weiden (Inzidenz: 16,5) – so schlecht abschneidet. Roland Brey führt das zum Einen auf die Tatsache zurück, dass der Bereich Weiden-Neustadt-Tirschenreuth sehr stark von Corona betroffen war. Dass also mehr Menschen als bei uns bereits erkrankt waren und damit Antikörper gegen Corona besitzen. Dazu komme, dass in Amberg trotz der allgemein guten Zahlen immer noch sehr viele Menschen aus bestimmten, nicht näher definierten Bevölkerungsgruppen nicht geimpft seien. Mit gezielten Aufklärungs- und Impfkampagnen versuche man jetzt, diese Situation zu verbessern.

Kein Problem erkennt Roland Brey übrigens darin, dass die Stadt Amberg mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 233,4 bei den 5 bis 14-Jährigen einen absoluten Spitzenplatz zumindest in der Oberpfalz einnimmt. Abgesehen davon, dass das in absoluten Zahlen nur acht Kinder sind, weist Brey darauf hin, dass keine gesellschaftliche Gruppe derzeit gründlicher getestet werde, als das mit den Schulkindern der Fall sei. "Und da werden halt jetzt die Fälle herausgefischt." Ein Effekt, der immer noch auf die vergangenen Ferien zurückgeführt werden könne. "Da ploppt mal hier und mal da ein Fall auf, einen Schwerpunkt gibt es nicht", weist Brey darauf hin, dass nach den Erkenntnissen des Gesundheitsamts Corona fast immer von den Erwachsenen auf die Kinder übertragen werde. Ansteckungen von Kind zu Kind oder von Kind auf Eltern aber sehr selten vorkämen. "Amberg ist eben eine Schulstadt, das merken wir an den Zahlen", erläutert Roland Brey die hohen Inzidenzen.

Pandemie der Ungeimpften

Was der Leiter des Amberger Gesundheitsamts aber bestätigt, ist die Aussage, dass Corona inzwischen eine Pandemie der Ungeimpften ist. "Die meisten Fälle, die jetzt auftreten, sind nicht geimpft." Und auch die wenigen doppelt Geimpften, bei denen trotzdem Corona festgestellt werde, würden in der Regel kaum oder gar nicht erkranken. "Meist sind das ältere Leute, bei denen das Immunsystem nicht mehr so stark ist", sagt Brey. Sorge bereitet dem Mediziner die steigende Anzahl von jüngeren Corona-Patienten, die auf die Intensivstation und beatmet werden müssen. "Viele Menschen im mittleren Altersbereich haben sich leider noch nicht impfen lassen." Die Konsequenzen der aktuellen Entwicklungen liegen laut Brey offen da: "Wir müssen weiter auf der Hut sein." Von daher könne er aus seiner Sicht auch nicht sagen, es werde einen sogenannten "Freedom Day" geben, an dem alle Corona-Beschränkungen auf einen Schlag beendet werden. Denn: "Corona bleibt eine saisonale Krankheit."

Diese Corona-Regeln gelten derzeit in Amberg und wohl bald auch in Amberg-Sulzbach

Amberg
Die aktuellen Impfzahlen für Amberg und Amberg-Sulzbach:
  • Erstimpfungen bisher (Stand: 21.9.):
  • Impfzentren: stationär 49.963 – mobil 10.564
  • Lieferung an Krankenhäuser: 1768
  • Impfungen Hausärzte: 31.202
  • Summe: 93.497
  • Zweitimpfungen bisher (Stand 21.9.):
  • Impfzentren: stationär 47.816 – mobil 9233
  • Lieferung an Krankenhäuser: 1726
  • Impfungen Hausärzte: 33.650
  • Summe: 92.425

Quelle: BRK-Kreisverband Amberg-Sulzbach

 

 

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