27.03.2021 - 15:28 Uhr
AmbergOberpfalz

Familienvater aus Amberg bittet Stadt und Polizei: "Es muss was getan werden"

Claus Piechatzek aus Amberg weiß sich nicht mehr anders zu helfen. "Ich schreibe Ihnen, weil ich gerne den Kleinsten Gehör verschaffen möchte", heißt es im Brief des Familienvaters (34). Konkret geht es um den Stadtteil Luitpoldhöhe.

Claus Piechatzek aus der Dr.-Robert-Strell-Straße hat ein Problem: Im Stadtteil Luitpoldhöhe halten sich viele Autofahrer nicht an Tempo 30.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die kleine Familie Piechatzek hat es sich in der Dr.-Robert-Strell-Straße im Stadtteil Luitpoldhöhe gemütlich gemacht. Das Haus, das einst den Großeltern von Familienvater Claus gehörte, wurde saniert, die Fassade strahlt in einer frischen, bunten Farbe. Und schon beim ersten Blick auf die Außenanlagen wird unmissverständlich klar: Hier wohnt auch ein kleines Kind.

Seit 2010 lebt Claus Piechatzek in Luitpoldhöhe, das von Parteien aller Coleur in der Vergangenheit oft als "vergessener Stadtteil" bezeichnet und nun in das Förderprojekt "Soziale Stadt" aufgenommen worden ist: "Man hat das Gefühl, es tut sich endlich was", sagt der 34-Jährige und erzählt, dass nicht nur er und seine Frau Nachwuchs bekommen haben. Noch immer gehöre ein großer Teil der Anwohner der Generation der über 50-Jährigen an, aber es gebe mittlerweile viele Mieterwechsel und jüngeres Klientel, "weil die Häuser hier günstig zu haben sind".

Viele kleine Kinder

Vielen sei aber nicht so bewusst, "wie es in der Nachbarschaft aussieht", sagt Piechatzek, meint damit die Autofahrer und erwähnt, dass die Zeiten des überalterten und heruntergekommenen Stadtteils allmählich vorbei zu sein scheinen. Das sei bei vielen die noch vorherrschende Meinung, jedoch: "Allein hier in der Dr.-Robert-Strell-Straße leben fünf kleine Kinder." Genau das ist es, was den Vater eines drei Jahre alten Sohnes tätig werden lässt: "Ich finde es verantwortungslos, dass wir einerseits über die Beantragung von EU-Fördergeldern diskutieren, andererseits nicht einen Cent für die Sicherheit unserer kleinsten Mitbürger übrig haben."

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Schneller als die vorgeschriebenen 30 Kilometer pro Stunde werde in der Dr.-Robert-Strell-Straße, die vor dem Haus der Piechatzeks relativ abschüssig ist, gefühlt schon immer gefahren. "Mit Kind hat man da plötzlich aber eine andere Wahrnehmung, dann fällt einem das ziemlich schnell auf." Das gehe aber nicht nur ihm so, sondern auch den anderen jungen Familie, die in der ehemaligen Arbeitersiedlung der Luitpoldhütte heimisch geworden sind. Wiederholt hätten er und auch Nachbarn bei der Polizei angerufen und darum gebeten, die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Die Ergebnisse der Gespräche seien jedes Mal "nicht zufriedenstellend" gewesen.

"Bis heute nichts passiert"

Also ging Claus Piechatzek einen Schritt weiter. Als die Anwohner Ende des vergangenen Jahres dazu aufgerufen worden waren, sich mit Ideen, Wünschen und Anregungen an der Ausarbeitung eines Handlungskonzeptes für das Förderprogramm zu beteiligen, trug sich Piechatzek nicht nur mit seiner Forderung in eine interaktive Karte ein, sondern meldete sich bei dem Online-Treffen auch zu Wort.

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Frustriert zieht der 34-Jährige eine persönliche Bilanz: "Selbst nachdem ich dieses Thema im Dezember während der Auftaktveranstaltung zur Modernisierung an Oberbürgermeister Michael Cerny und eine Dame aus dem Stadtrat gerichtet habe, ist bis heute nichts passiert." Piechatzek sagt, er habe damals sogar sein Grundstück als "Aufstellort für einen Blitzer" angeboten. Eine Reaktion darauf habe es bisher nicht gegeben. Der Familienvater rudert nicht zurück, sondern konkretisiert seine Bitte an Stadt und Polizei: "Es muss ja nicht gleich geblitzt werden. Diese Ampeln mit Smiley-Bildern würden ja vielleicht schon reichen." So oder so: "Es muss was getan werden", denn die Kinder in der Straße entdeckten ihren Bewegungsdrang und begännen damit, Freunde zu besuchen oder zu sich nach Hause einzuladen: "Irgendwann lässt man sie dann auch mal alleine gehen, weil man ja nicht helikoptern will. Und was dann?"

Piechatzek will nicht falsch verstanden werden. Seinen Schritt an die Öffentlichkeit will er nicht als Vorwurf formuliert wissen, sondern als klare Bitte: "Ich lade die Stadt dazu ein, ein akutes Problem zu lösen." Wenngleich der Familienvater eines begriffen hat: "Ich weiß schon, das hat keine Priorität A." Aber: "Wenn man nicht darüber spricht, wird es nie eine Prio A."

Kommentar:

Luitpoldhöhe kann schon jetzt sozial sein

Es tut sich was im Stadtteil Luitpoldhöhe. Das Viertel wird in das Förderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen. Im Rathaus werden parallel dazu Ideen und Wünsche von Bewohnern gesammelt. Einer, der sich daran beteiligt, ist Claus Piechatzek. Der Familienvater will nicht länger damit leben, dass direkt vor seiner Haustür zu schnell gefahren wird. Seinem drei Jahre alten Sohn und den Nachbarskindern zuliebe. Der 34-Jährige wird tätig, ruft die Polizei an und meldet sich bei der Bürgerbeteiligung zu Wort. Getan hat sich aber nichts. In der Dr.-Robert-Strell-Straße wird weiterhin zu schnell gefahren und nicht kontrolliert. Die Hoffnung, die Piechatzek hat, beruht darauf, dass sich durch die „Soziale Stadt“ etwas ändert. Doch Polizei und Rathaus können jetzt schon tätig werden. Wer Raser bestrafen will, kann das jederzeit und benötigt keine EU-Fördermittel.

Thomas Kosarew

 

 

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