31.03.2021 - 10:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein Fest reich an Bräuchen

Heimatkundler Hermann Frieser erzählt über das Brauchtum an Ostern. Vergessen ist zum Beispiel der "Judas", der am Karsamstag zur Feuerweihe gebracht wurde. Aus seinem Holz sind Kreuze für die Saatweihe gemacht worden.

Eine Darstellung der Kreuzigung in der Kirche Heilige Dreifaltigkeit in Amberg.
von Adele SchützProfil

Über Jahrzehnte hat der ehemalige Kreisheimatpfleger Hermann Frieser in den verschiedensten Unterlagen gestöbert und das Oberpfälzer Brauchtum zusammengetragen. Er hat aber auch stets, wie der Volksmund so schön sagt, "dem Volk aufs Maul geschaut", womit er seinen Wissensschatz enorm bereicherte. Frieser weiß, dass die kirchlichen Feste bei unseren Vorfahren eine große Bedeutung hatten und mit zahlreichen Bräuchen begangen wurden. Dies trifft insbesondere auch auf Ostern als höchstes christliches Fest zu.

Grundsätzlich stellte die Karwoche oder Heilige Woche eine letzte Vorbereitung auf das größte Fest der Christen dar. "Zahlreiche Bräuche führen unmittelbar zum Ostergeschehen. Je näher der Ostertag kommt, umso mehr nehmen diese zu und erreichen am Osterwochenende ihren Höhepunkt", erläutert Hermann Frieser. Er erinnert, dass der Karsamstag bis zum 31. März 1956 als ebenso strenger Fasttag gegolten habe wie der Karfreitag. Erstmals sei am 20. April 1957 dann nur noch bis 12 Uhr mittags gefastet worden. Das Jahr darauf sei das Fastengebot für Karsamstag entfallen.

Ratschen und Klappern

Ab Karsamstag würden die Bräuche im Vergleich zum Gründonnerstag und Karfreitag wieder hoffnungsvoller werden. Auch der Einsatz der Ratschen und Klappern, mit denen die Ministranten seit Gründonnerstag zum Gottesdienst gerufen haben, weil die Glocken am Ende der Abendmahlsfeier verstummten, fänden mit ihrem Ruf zur Osternacht ein Ende.

Bodenständiges, religiöses Brauchtum äußere sich auf sehr schöne Weise noch bei der Speisenweihe nach dem Osteramt in der Kirche. Hätte man früher noch eigene Ostertücher gehabt, genügten heutzutage Taschen und einfache Körbe für Eier, Schinken, Salz und Brot, um sie zur Weihe zum Osteramt in die Kirche zu transportieren.

Schalen für die Hühner

"Von der Empore aus war gut zu beobachten, wie manche, meist ältere Frauen, verstohlen ihre Taschen öffneten, damit die 'Weih' auch richtig in die Speisen eindringen konnte", erzählt der ehemalige Kreisheimatpfleger. "Gelegentlich hat man, laut Aussagen zweier älterer Frauen, die Eier aus diesem Grund angeschlagen."

Noch heute sei es Brauch, vor dem Mittagessen nach der Auferstehungsfeier am Morgen des Ostersonntags die geweihten Speisen im Kreis der Familie zu verzehren. Die Schalen der geweihten Eier seien an die Hühner verfüttert worden, die dann eifriger legen sollten. Heute würden die Schalen in der Biotonne landen.

Früher hätte man mancherorts in der Oberpfalz am Karsamstag auch den "Judas" zur Feuerweihe mitgebracht: Das sei ein Holzbündel gewesen, das mit einem Eisenring zusammengehalten worden sei. In der Mitte ragte ein längeres Holzstück zum Halten heraus. Den "Judas" habe man an in das Osterfeuer gehalten und ließ diesen anbrennen. Aus diesem Holz seien Kreuze angefertigt worden, die man bei der Saatweihe mit den Palmkätzchen in die Felder steckte, damit die Saat gut gedeihe. Dieser Brauch sei gänzlich verloren gegangen, sagt Hermann Frieser.

"Rötl-Oier" einsammeln

Ein Höhepunkt am Ostersonntag sei schon immer die Suche nach dem Osternest gewesen, die früher im Freien stattgefunden habe, sich aber immer mehr in das Haus verlagerte. Das Einsammeln der "Rötl-Oier" bei den Nachbarn und Bekannten sei verschwunden und heute nicht mehr bekannt. Der Osterkreis schließe sich mit dem Ostermontag, an dem die Geselligkeit besonders in den gemeinsamen Emmausgängen gepflegt worden sei.

Hermann Frieser bedauert, dass auch die zahlreichen Eierspiele inzwischen der Vergangenheit angehören würden. Spiele mit Ostereiern habe es früher sehr viele gegeben. Sie hätte sich bei Kindern großer Beliebtheit erfreut, weiß Hermann Frieser. Es sei vor allem auf dem Land Brauch gewesen, Ostereier auf einer Wiese in die Höhe zu werfe. Wessen Ei die Prozedur am längsten unbeschadet überstanden habe, sei der Sieger gewesen.

Auch das Zusammenstoßen der in der Hand gehaltenen Ostereier war beliebt. Es war in weiten Teilen Bayerns bekannt und hieß je nach Landstrich "Oiastoußn", "Oiaboxen", "Oiapecken" oder "Oiaharten".

"Spitz auf Arsch"

Schon der bekannte Oberpfälzer Volkskundler Schönwerth habe vor 120 Jahren dieses Osterspiel wie folgt beschrieben: "Zwey stoßen die Eyer aufeinander, zuerst Spitz auf Spitz, dann Spitz auf Arsch oder umgekehrt. Wessen Ey bricht, verliert es an den anderen." "Spätestens jetzt dürfte auch demjenigen, der diesen Brauch nicht kennt, klar sein, um was es hier geht", meint Hermann Frieser.

Nach Ostern kommt der Pfarrer zur Beichtkontrolle

Amberg

 

 

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