28.03.2021 - 15:42 Uhr
AmbergOberpfalz

Fit für den Klimawandel: Amberg-Sulzbacher Pioniere im Waldumbau

Die Wälder sterben. Aber warum? Der Klimawandel bringt Fichten und Kiefern an ihre Grenzen. Waldbesitzer müssen umdenken, wenn sie auch in Zukunft Wald besitzen möchten. Zwölf Vorzeigeprojekte in Amberg-Sulzbach zeigen, was möglich ist.

von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Dürre, Borkenkäfer, Stürme, gigantische Schadholzmengen: dem Wald aus Kiefer und Fichte spielt der Klimawandel übel mit. Bei einigen Waldbesitzern hat das Umdenken schon vor Jahren eingesetzt: Sie pflanzen weniger Monokultur und mehr Mischwald, der sich besser auf die klimatischen Bedingungen einstellen kann. Im Landkreis Amberg-Sulzbach gibt es jetzt zwölf Vorzeigeprojekte, die das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Amberg beispielhaft vorstellt. Wer will, kann ihnen einen Besuch abstatten. Vor Ort gibt es Schautafeln, die Informationen nicht nur für interessierte Waldbesitzer, sondern für alle Spaziergänger liefern, inklusive QR-Codes, hinter denen selbst produzierte Podcasts stecken.

Aus Wiese wird Mischwald

Einer dieser Waldbesitzer ist Hans Loos. Er steht auf einem befestigten Waldweg unweit der Ortschaft Pürschläg (Gemeinde Illschwang) und deutet ins Gehölz: "Das war 1994 noch alles Wiese." Heute erstreckt sich auf dem 6500 Quadratmeter großen ehemaligen Stück Land ein kleiner aber feiner Bilderbuchwald aus Ahorn und Buchen. Die Stämme sind noch verhältnismäßig dünn, aber schon jetzt ist zu erkennen, dass hier ein wertvolles Laubbaum-Idyll heranwächst. In den 90ern war zwar der Klimawandel noch nicht so sehr im Bewusstsein der Waldbesitzer, jedoch das Waldsterben bereits ein Thema. Die Fichte, für Generationen der Brotbaum schlechthin, wurde offensichtlich immer anfälliger für Krankheiten. Gemeinsam mit seinem Vater und dem damaligen Revierförster Hans Eiber habe sich Hans Loos überlegt, wie eine bessere und optimale Bepflanzung aussehen könnte. Sie kamen zu dem Schluss: "Ein Mischwald ist klimamäßig ein Thema und optisch macht er sowieso mehr her." Hans Loos sagt, dass Mischwald Wertholz schafft. "Sicher nicht mehr für mich, aber für zwei Generationen später." Dass Waldumbau ein Generationenprojekt ist, hat der Hobby-Landwirt schon von seinem eigenen Vater erfahren, der heute 88 Jahre alt ist und "bis vor zwei, drei Jahren, noch immer im Wald dabei war". Von ihm habe er die Wertschätzung für die einzelnen Triebe gesehen, das behutsame Abschirmen und Beschützen der kleinen Pflänzchen, bis hin zum Markieren der Wertholzbäume oder dem Abholzen für den heimischen Ofen.

Waldumbauten wie diese hat Förster und Projektmanager Hans-Christoph Münnich in einem Jahr zusammengetragen und die Themen in mehrere Podcasts verpackt. Geschrieben hat er die Texte selbst, eingesprochen wurden sie von seiner Schwester, Theaterregisseurin Anne-Kathrine Münnich. Technisch unterstützt wurden sie dabei von Stephan Breunig von der OTH Amberg-Weiden. Entstanden sind so zwölf Anlaufstellen. Hinweistafeln geben Einblick in die Beweggründe der Waldbesitzer. QR-Codes liefern die Audio-Erklärung beispielsweise zu den Themen Naturverjüngung, Erstaufforstung, Saatgut oder alternative Baumarten. Münnich ging für das Projekt auch mit dem Aufnahmegerät in den Wald, um Tierstimmen und andere Geräusche einzufangen. Das Projekt fand bereits viel Beachtung in der Bayerischen Forstverwaltung und gilt als Best-Practice-Beispiel in seiner digitalen Umsetzung.

Einer der waldreichsten Landkreise Bayerns

Die Oberpfalz gilt mit 43 Prozent Flächenanteil als waldreichster Regierungsbezirk Bayerns. Amberg-Sulzbach ist sogar mit 46 Prozent einer der waldreichsten Landkreise Bayerns, sagt Forstamtsleiter Wolfhard-Rüdiger Wicht. "Mit steigenden Temperaturen, Dürreperioden und sinkender Niederschläge, ausgelöst durch den Klimawandel, kommen Fichten und Kiefern immer mehr an ihre Grenzen und fallen geschwächt durch Wassermangel und Hitze Schadinsekten und Krankheitserregern zum Opfer", sagt Hans-Christoph Münnich. Deshalb würden manche Waldbesitzer regelrecht Pionierarbeit leisten, wenn sie klimatolerante Wälder pflanzen. In Stadt und Landkreis Amberg-Sulzbach seien engagierte Waldbesitzer seit Jahrzehnten in Sachen Waldumbau tätig, so Münnich. Was der Waldumbau genau ist, erklärt er so: "Unsere Region ist geprägt von künstlich geschaffene Fichten-Kiefern-Wälder. Waldumbau bedeutet eben diese künstlich geschaffenen Forste durch aktive forstliche Eingriffe in naturnahe Laubmischwälder umzubauen." Die Bayerische Forstverwaltung würde hierbei den privaten Waldbesitzern beratend zur Seite stehen. Die staatlichen Förster wiederum informieren über die forstfachlich richtige Behandlung und zeigen Fördermöglichkeiten auf.

So wie der Vater von Hans Loos ihm den Sinn für die Waldwirtschaft beigebracht hat, so plant der 59-Jährige es seinen mittlerweile erwachsenen Kindern und künftigen Enkelkindern weiterzugeben. 14,76 Hektar sind im Besitz der Familie. Vor fünf Jahren pflanzte er heimische Elsbeeren und versuchsweise einige Baumhaseln - mit gutem Anwuchserfolg. Hans-Christoph Münnich findet diesen Weg den einzig richtigen: "Denn weder Fichte und Kiefer haben auf lange Sicht eine Zukunft in der Region, sondern nur der klimatolerante Mischwald." Der Wunsch des Waldbesitzers Hans Loos könnte somit in Erfüllung gehen. Er hofft, dass für seine Nachfolger weiterhin Holz da ist.

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