21.02.2021 - 13:05 Uhr
AmbergOberpfalz

Freizeitarrest für Kirwa-Schläger

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Die Zahl der Angreifer schwankt zwischen fünf und sieben. Sie rasten aus, schlagen zwei junge Männer und ihre Begleiterin nach einem Abend an der Kümmersbrucker Kirwa krankenhausreif. Nur einer sitzt jetzt vor Gericht und kommt milde davon.

Symbolbild.
von Autor HWOProfil

Es geschah im Mai 2019 nach einem Abend bei der Kümmersbrucker Kirchweih. Zwei Männer, damals 22 und 23 Jahre alt, gingen zusammen mit einer 19-Jährigen heim und kreuzten den Weg einer offenbar rauflustigen Gruppe. Zum Streit gab es keinerlei Anlass. Doch er war offenbar vorprogrammiert. Erst wurde das Trio angepöbelt, dann setzte es Hiebe und Tritte. Auch die junge Frau blieb nicht verschont.

Rettungssanitäter und Ärzte im Klinikum bekamen anschließend einiges zu tun. Die drei Verletzten mussten zur stationären Behandlung eingeliefert werden. Bei einem heute 24-Jährigen wurde eine Operation notwendig. Er hatte einen dreifachen Jochbeinbruch davongetragen.

Ein Angreifer aus der Schule

Die Schläger flüchteten. Es sollen fünf bis sieben Leute gewesen sein. Nur einen von ihnen konnte die später mit umfangreicher Ermittlungsarbeit eingedeckte Polizei ausfindig machen. Und auch das nur, weil ihn die bei der einseitigen Auseinandersetzung mit Boxhieben an den Brustkorb malträtierte 19-Jährige von der Schule her kannte.

Der mutmaßliche Täter saß jetzt vor Amtsrichterin Michaela Frauendorfer und zeichnete aus seiner Sicht ein recht merkwürdiges Bild des nächtlichen Ereignisses. "Ja", hörte die Richterin, "ich habe zweimal zugeschlagen". Aber erst nachdem er selbst gewaltsam angegangen worden sei. Tritte waren dem 21-Jährigen nicht in Erinnerung, seine damaligen Kumpanen kannte er angeblich kaum.

Die Beweislage stellte sich dürftig dar. Die beiden männlichen Verletzten konnten nichts zur Aufklärung beitragen. Sie erinnerten sich nur noch an ein Stakkato von Hieben und Fußtritten. Ihre plötzlich angreifenden Gegner hatten sie davor nie gesehen. Nur ihre Begleiterin erkannte, weil früherer Schulkamerad, einen der Täter. Doch auch von ihm wusste sie nur: "Er war mit dabei und hat geschlagen."

Drogenberatung und soziales Training

Es gab noch eine zweite Begebenheit. Sie ereigneten sich im September 2019 an einem Wohnwagen, der am LGS-Geländes an der Vils stand. Dort, so hielt ihm Staatsanwältin Jasmin Hertel vor, soll der 21-Jährige einen gelegentlich in dem Gefährt übernachtenden jungen Mann geschlagen und getreten haben. Angeblich ging es um Drogenschulden. "Ich war nie dort", behauptete der Beschuldigte. Das Gegenteil war ihm nicht nachzuweisen. Denn das Opfer zog es vor, nicht als Zeuge zu erscheinen. "Es besteht wohl von seiner Seite aus kein Interesse an einer Bestrafung", ließ die Richterin anklingen und stellte mit Zustimmung der Staatsanwältin das Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein.

Wie sollte nun das Vorgehen des Angeklagten nach dem Kümmersbrucker Kirchweihbesuch geahndet werden? "Er war mit dabei und er hat auch zugeschlagen", bilanzierte Staatsanwältin Hertel den Prozessverlauf und beantragte, weil der 21-Jährige damals noch Heranwachsender war und unter das Jugendstrafrecht fiel, einen Freizeitarrest. Den verhängte die Richterin dann auch. Sie entschied sich damit gegen den Antrag von Verteidiger Andreas Lösche. Er hatte Freispruch verlangt, weil ihm der Ablauf des nächtlichen Geschehens nicht hinreichend geklärt erschien.

"Es hätte auch eine Haftstrafe geben können", sagte Richterin Frauendorfer im Urteil. Doch im Jugendstrafrecht stehe der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Zusätzlich zum Freizeitarrest muss der 21-Jährige ein soziales Training besuchen und sich bei der Drogenberatung einfinden.

2019 ging es auf der Kümmersbrucker Kirwa rund

Kümmersbruck

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