24.06.2021 - 15:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Gärtnern mit Kindern: Verantwortung lernen und Natur entdecken

Wer für Kinder im Garten Plätze schafft und den Nachwuchs mit ans Beet lässt, legt die Grundlage für wichtige Erfahrungen. Wie neben der Pädagogik auch der Spaß nicht zu kurz kommt, weiß die Hobbygärtnerin und Mutter Daniela Dotzler.

Die Hände dürfen beim Gärtnern schon mal dreckig werden.
von Adele SchützProfil

"Besonders auf Kinder hat die Natur eine herausragende Wirkung und einen wertvollen Einfluss auf die positive Entwicklung", versichert Daniela Dotzler. Sie muss es wissen. Die leidenschaftliche Hobbygärtnerin hat nicht nur ihre drei Kinder in die Gartenarbeit in ihrem 3000 Quadratmeter großen, zertifizierten Biogarten in Großschönbrunn stark eingebunden. Sie versteht es auch als Leiterin der Kindergruppe des lokalen Obst- und Gartenbauvereins die Kleinen vom Gärtnern zu begeistern.

"Gärtnern weckt die Aufmerksamkeit der Kinder. Sie müssen Verantwortung bei der Pflege der Pflanzen übernehmen und sie lernen sich schon sehr früh selbst als Teil der Natur zu verstehen", sagt Daniela Dotzler. Spannend sei es für Kinder, die Entwicklungsstufen von Pflanzen hautnah mitzuerleben und zu verstehen, wie aus einem kleinen Samenkorn eine stattliche Pflanze wird, die zudem noch als Nahrung dienen kann.

Für das Gärtnern mit Kindern könne man fast überall einen geeigneten Platz finden. Es reiche schon ein kleines Beet oder eine alte Obststeige, wo Kinder Gemüse oder Blumen aussähen könnten. Selbst der Balkonkasten, Pflanztröge auf der Terrasse oder Töpfchen auf der Fensterbank seien geeignet, um das "Naturwunder Pflanze" zu erleben.

Wie begeistert man Kinder für den Garten?

Der erste Schritt mit den Kindern in Richtung Garten bestehe im Beobachten und Wecken der Neugier auf das, was im Garten vor sich gehe. Durch das gemeinsame Erleben der Wachstumsphasen würden die Kinder das Wunder der Natur entdecken.

Welche Pflanzen wachsen zu welcher Jahreszeit? Sogar im Winter? Welche Tiere finden wir auf, in und unter der Erde? Welche Teile der Pflanzen kann man essen?

Ihre Tipps: Blätter, Steine und Stöckchen sammeln und verschiedene Pflanzenteile besprechen. Dann beispielsweise ein Mandala aus diesen Objekten legen. "Sie werden erstaunt sein, wie phantasievoll Kinder sind."

Daniela Dotzler rät: "Binden Sie die Kinder auch bei Ihren Gartenarbeiten ein. So erleben die Kleinen schon früh, dass gewisse Arbeiten, wie das Gießen ein wichtiger Teil ist." Und: "Lassen Sie auch mal etwas unbeachtet, um auch den Verfall zu beobachten."

Den Garten kinderfreundlich gestalten

Besonders wichtig sei die Gestaltung eines Gartens ohne Pestizide. Kinder sollten und dürften im Garten alles berühren. Daher sollten sich auch giftige Pflanzen nicht in der Kinderecke befinden.

Ihr Rat: "Besprechen Sie mit den Kindern eindringlich, dass man nicht alles essen kann, was die Natur hergibt, und dass sie immer fragen sollen, bevor etwas in den Mund wandert."

Kinder sollten bei der Projektierung des Gartens Anteil haben. "Es ist oft erstaunlich, was den Jüngsten da so alles einfällt. "

Einen Gartenplan anlegen

"Bevor man mit dem Gärtnern loslegt, sollte man mit den Kindern einen Gartenplan erstellen, indem auch Wunschprojekte der Kinder nicht fehlen dürfen", empfiehlt Daniela Dotzler. Zunächst gelte es, einen Plan mit verschiedenen Zonen im Garten - beispielsweise Gemüsebeete, Obstbäume, Beerensträucher und Blumenwiesen für Insekten - zu erstellen. "Eine unaufgeräumte Ecke ist ein Naturschauspiel", sagt sie. Der Komposthaufen mit all seinen Bewohnern ist ebenso wertvoll wie eine Totholzhecke. "Was mehr Mut bei den Erwachsenen als bei den Kindern erfordert", erklärt Daniela Dotzler schmunzelnd. "Sie werden aber überrascht sein, wie herrlich sich solche wilden Ecken in den Garten integrieren lassen." Sie stellen einen wertvollen Beitrag für unsere Umwelt dar. "Die Mitbestimmung der Kinder ist ein wichtiger Faktor, um das Interesse für die Natur zu wecken." Die Projekte müssen nicht alle in einem Jahr bewältigt werden. "So hat man jahrelang Freude und neue Aufgaben, um die Kinder am Ball zu halten."

Gleichgesinnte für die Gartenarbeit finden

"Besonders viel Spaß macht das Gärtnern, wenn man es zusammen mit anderen Kindern erlernen kann." Daniela Dotzler rät: "Wenn Sie einen eigenen Garten haben, überlegen Sie, wen sie als Gartenfreund einladen könnten. Oder werden Sie Teil eines Gemeinschaftsgartens. Fragen Sie in Ihrer Gemeinde nach Gartenbauvereinen, und hier speziell nach Kindergruppen." Landratsämter und Stadtverwaltungen helfen weiter. "Manche Schulen haben Schulgärten, als Projekt im Verbund mit dem Hauswirtschaftsunterricht."

Spielerisches Lernen rund ums Beet

Der Garten soll Kindern Spaß machen. Daniela Dotzler empfiehlt, das Gartenjahr mit Aktionen wie der Gestaltung eines Gartens für Tiere, mit alten Bräuchen, Gedichten und Reigen rund um den Garten, dem Färben von Ostereiern mit Pflanzenfarben bis hin zum Verarbeiten der Ernte zu Geschenken zu begleiten.

Gartenarbeit für Kinder

Wasser sei das beliebteste Element von Kindern im Garten. Gießen mit geeigneten, kleinen Kannen können schon die Jüngsten machen.

Altersgerecht können verschiedene Arbeiten vermittelt werden: Sähen, Pikieren, Auspflanzen ins Beet. Aber auch Beikräuter jäten, Ernten und natürlich Naschen.

Wenn man die Beete mit Laub oder Grasschnitt mulcht, kann man den Regenwürmern zusehen, wie sie alles umgraben. Gemeinsames Ernten und Verarbeiten von Obst und Gemüse ist ein Start zur gesunden Ernährung.

In einem Foto-Tagebuch lassen sich Erfolge - und Tragödien - mit Bild und Notizen nachvollziehen. Denn auch das sollte man mit den Kindern besprechen: "Erhalten die Pflanzen nicht die passenden Pflegemaßnahmen, gehen sie kaputt."

Insektenfreundlich Gärtnern mit Familie Dotzler

Freihung

Superfood aus der Heimat

Freihung
Hintergrund:

Durchs Gartenjahr mit Kindern

Im Frühjahr

Blumen sähen: Kapuzinerkresse, Ringelblume, Sonnenblume

Gemüse und Kräuter aussähen: Kartoffeln, Karotten, Kresse, Radieschen, Schnittlauch, Petersilie, Kapuzinerkresse

Jungpflanzen setzen: Tomate, Salat, Kohlrabi

Im Sommer

Johannisbeeren, Himbeeren und Stachelbeeren ernten

Rettich und Wintersalat aussähen

Gemüse ernten: Salat, Zucchini, Gurken, Tomaten, Paprika

Kräuter ernten und trocknen: Dost, Salbei, Thymian

Im Herbst

Obst ernten: Äpfel und Birnen

Einlagern und Saften

Kürbisse ernten und schnitzen

Suppe kochen

Blumenzwiebeln für das Frühjahr setzen

Laub sammeln

Unterschlupf für Insekten und Igel anlegen.

Im Winter

Vogelfutter selber machen und kreativ anbieten

Kresse auf der Fensterbank ziehen

Sobald es im Frühjahr warm wird, macht sich Daniela Dotzler mit ihrem Enkel Jonas an die ersten Blumenkästen.
Spannend ist es für Kinder, die Entwicklungsstufen von Pflanzen hautnah mitzuerleben und zu verstehen, wie aus einem kleinen Samenkorn eine stattliche Pflanze wird, die zudem noch als Nahrung dienen kann.
Kinder lernen, dass gewisse Arbeiten – wie das Gießen – ein wichtiger Teil der Gartenarbeit sind.
Service:

Suppen-Rezept

Daniela Dotzler verrät das Rezept für eine gesunde Suppe, die bei Kindern immer gut ankommt:

  • 1 kleine Zwiebel fein hacken.
  • 2 Esslöffel Butter im Topf erhitzen und die Zwiebel glasig dünsten.
  • 1 gehäuften Esslöffel Mehl (Dinkel) dazugeben und rühren.
  • Mit 1 Liter Gemüsebrühe allmählich aufgießen.
  • 1 Bund Spitzwegerich, fein geschnitten, unterrühren. 20 Minuten köcheln lassen.
  • Mit Salz, Pfeffer, und Sahne abschmecken. Etwas Muskat rundet das Ganze ab.

 

 

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