18.03.2021 - 17:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Ein ganz besonderer Vorname: Josef(a)

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Ganz früher war der 19. März als Josefstag in Bayern mal ein Feiertag. Bis 1968. Geblieben sind davon ein paar besondere Traditionen. Und Menschen rund um Amberg, die stolz sind auf ihren Vornamen. Mal mehr, mal weniger.

Eine Statue des heiligen Josef in der Kapelle in Neubernricht. Der Zimmermannswinkel, den er in der Hand hält, weist auf seinen Beruf hin.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Von Uli Piehler, Markus Müller, Adele Schütz, Josef Schmaußer und Paul Böhm

In Amberg gibt es am 19. März beim Winkler-Bräuwirt einen Josefi-Abend mit Fastenpredigt von Bruder Barnabas. In Coronazeiten hat davon heuer immerhin die Barnabasrede überlebt, wenn auch in abgewandelter Form als Videobotschaft.

In Schmidmühlen findet sonst immer rund um den 19. März die Josefifeier des Zunftvereins der Maurer und Zimmerer statt. Ohne Corona hätte es die Feier zur Erinnerung an die Gründung des Vereins heuer zum 115. Mal gegeben, mit Gästen aus den Zunftvereinen aus Regenstauf, Regensburg und Straubing.

Die älteren Träger des Vornamens Josef werden sich auch noch gern dran erinnern, dass sie früher am 19. März im Wirtshaus eine Freimass bekamen. Zwischenzeitlich war die Popularität des Vornamens nicht mehr allzu groß. Im Jahr 2020 wurden in Amberg aber wieder 9 Mädchen und 4 Jungen auf eine Namensform von Josefa (Josefine) oder Josef (Joseph) getauft. 2018 waren es sogar 6 Mädchen und 8 Jungen gewesen.

Der AZ haben einige Josefs und eine Josefa über ihre Erfahrungen mit ihrem Vornamen erzählt:

Josefa Rauch

Josefa Rauch (36) aus Ursensollen.

"Für meine Eltern stand vor meiner Geburt schon fest, dass ich, je nachdem ob Bub oder Mädel, ein Josef oder eine Josefa werde. Wie es der Zufall wollte, bin ich auch noch am Josefitag geboren, so dass Geburtstag und Namenstag zusammenfallen. In der Schulzeit tat ich mich sehr schwer mit meinem Namen, der mir sehr viele, teils unschöne Spitznamen einbrachte wie beispielsweise Sefa, Sefferl, Jojo, Josie, Sepperl und Seppa. Auch die Lehrer nannten mich oft Johanna, obwohl Josefine meinem Namen noch näher gelegen wäre. Sogar unser Hausarzt, der nicht von hier stammte, tat sich mit der richtigen Betonung meines Namens schwer.

Nach der Schulzeit freundete ich mich mit meinem Namen dann richtig an, und inzwischen mag ich ihn sehr gern. Klingt er doch schön rund, und zudem bleibt er selten. Ich bin auch mit der Kirche aufgewachsen und habe so einen Bezug zum heiligen Josef. Den Ziehvater von Jesus und Patron der Zimmerleute als Namenspatron zu haben, ist natürlich eine großartige Sache für mich.

Zudem war der Josefitag früher ein Feiertag in Bayern, und da war oft Bockbierfest in den Bräuwirtshäusern in Amberg, die an alle Josefs zur Feier des Tages eine Mass Freibier ausgaben. Die Freimass ließ auch ich mir als Josefa nicht entgehen. Mit der stieß ich mit meinen Freunden auf meinen Geburtstag an.

An eine witzige Begebenheit kann ich mich noch erinnern: als ich mich an einer Schafkopfrunde in der Dorfkneippe beteiligte und sich herausstellte, dass die Dame gegenüber von mir aus dem Nachbarort ebenfalls Josefa hieß."

„Bebbo“ Josef Schuller

„Bebbo“ Josef Schuller (49) aus Schnaittenbach.

"Mein Großvater, mein Urgroßvater, mein Ururgroßvater und Urururgroßvater heißen alle Josef Schuller, nur mein Vater hieß Rudolf, da er schon einen Bruder mit Namen Josef hatte. Da mein Vater Rudolf mit mir und Mama im Hause meines Großvaters Josef wohnte, wurde dieser als mein Taufpate auserkoren, und da kam nur der Name Josef infrage!

In meiner Schulzeit war der Name relativ selten, ich kann mich nur an einen weiteren Josef in meiner Klasse im Gymnasium Nabburg erinnern, in der Volksschule gab es da nur mich als Josef. Der Name war damals wohl relativ aus der Mode gekommen.

Der Bruder meines Vaters mit Namen Josef wurde „Bepp“ gerufen, und er war ein guter Freund meines Klassenlehrers in der 2. Volksschulklasse, des damaligen Rektors Georg Rom. Als ich zu ihm in die Klasse kam, war ich für ihn der kleine Schuller „Bepp“, und zur Unterscheidung nannte er mich „Bebbo“. Ich hasste diesen Namen, aber wie es zwischen Kindern so ist, wenn man seinen Namen nicht mag, wird man erst recht so genannt.

Irgendwann habe ich diesen Namen dann eben akzeptieren müssen, und zwischenzeitlich ist es quasi mein „Künstlername“, viele wissen nicht mal, dass ich Josef heiße. Josef Schullers gibt es wie Sand am Meer, ich kenne selber ein paar weitere, aber den Schuller „Bebbo“ gibt es nur einmal.

Ich wurde katholisch getauft und in diesem Bekenntnis auch erzogen und schätze den Namen zwischenzeitlich sehr, da er einen Bezug zu meinem Glauben hat. Ich bin zwar kein eifriger Kirchgänger, aber ich versuche bestmöglich nach christlichen Grundsätzen und Werten zu leben.

Dazu passt auch eines meiner vielen Hobbys: Ich verkörpere den Bruder Barnabas beim Amberger Bierspektakel zusammen mit Renate Singer alias Resi. Auch wenn bei diesem Klosterbruder das Hauptaugenmerk auf dem Starkbier und nicht auf dessen Glauben liegt. Interessant in diesem Zusammenhang ist auch die Tatsache, dass der heilige Josef unter anderem Schutzheiliger der Zimmerleute ist und der Großvater mütterlicherseits, der allseits bekannte „Sechser-Koarl“, ein Zimmermann war."

Josef Schmaußer

Josef Schmaußer aus Hohenkemnath.

"Meinen Namen erhielt ich in Erinnerung an meinem Großvater Josef Schmaußer (1871-1938). Er erwarb 1896 das Elternanwesen in Hohenkemnath. Auch zwei Onkel, väterlicherseits (Josef verstarb 1923 mit 21 Jahren) und auch mütterlicherseits, trugen den schönen Namen. Mein Vater mochte seinen um sechs Jahre älteren Bruder besonders gern.

Der Name Josef gefällt mir nach wie vor sehr gut. Weniger schön sind Erinnerungen an die Kindheit, als der Name, wie viele andere Vornamen, in vielen Varianten umgewandelt und „verhunzt“ wurde: „Hans und Sepp hoaßt jeder Depp!“ Heute ist der Name Josef wieder recht modern. Die jungen Eltern legen aber viel Wert darauf, dass er wirklich als „Josef“ ausgesprochen wird.

In unserer Familie wurden die Namenstage immer groß gefeiert, viel mehr als die Geburtstage. Meine Mutter backte mir jedes Jahr einen „Gold-und-Silber-Kuchen“. Der Teig wurde geteilt. Die eine Hälfte war gelb, in ihr kam der Eidotter, die andere Hälfte war weiß, in ihr kam nur das Eiweiß."

Joseph Madathiparampil

Dr. Joseph Madathiparampil, Ruhestandsgeistlicher in Hohenkemnath. 24 Jahre lang war er Pfarrer in Gebenbach.

Der beliebte Geistliche stammt aus der Provinz Kerala in Indien. Schon 52 n. Chr. soll der heilige Apostel Thomas Teile von Indien christianisiert haben. In dieser Tradition fundiert der Syro-malabarische Ritus, dem diese Region seit fast 2000 Jahren verbunden ist. Joseph Madathiparampil erzählt, dass der Name Joseph in seiner Familie eine lange Tradition hat. Sein Vater hieß ebenfalls Joseph, sowie viele seiner Onkel. Ebenso sei der Name Maria in der Familie weit verbreitet. Sein Kosename in der Kindheit sei „Klein-Joseph“ gewesen.

Josef Vogl

Der Vogl Sepp aus Köfering, wie er leibt und lebt.

Für Josef Vogl aus Köfering ist der Seppentag immer noch ein Feiertag. "Meine Oma und meine Verwandtschaft haben das schon immer sehr hoch gehalten in meiner Kindheit", erzählt er. "Mir war das eigentlich nicht recht, denn als Kind interessiert an Weihnachten und Ostern auch nicht immer die Verknüpfung mit Jesus, sondern geht es um die Geschenke und die gab es an meinem Namenstag nicht." In der Schulzeit des 40-jährigen Unternehmensberaters war der Name völlig unattraktiv, "deshalb fand ich den Namen auch uncool". Erst mit zunehmenden Alter sei das Bewusstsein für das Besondere gewachsen. Seit seiner Abiturzeit feiert Josef Vogl jeden Seppltag, ob in Amberger Kneipen und Brauereien mit der versprochenen Freimass oder wie in den vergangenen Jahren als Mitglied der Königlich Bayerischen Josefspartei im Bräustüberl Tegernsee. "Mein Großvater Josef konnte nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen und sich bewegen. Er hat in einem Satz – der einzige, den er in elf Jahren sprach – meinen Namen bestimmt." Natürlich würde Josef Vogl seinen Namen gern an die nächste Generationen weitergeben. "Mir wäre es dann egal, ob der Bub dann Beppi, Beppo, Pippo, Pep, Jupp oder Sepp genannt wird."

Der Heilige Josef in der Amberger Martinskirche war mal eine Frau

Ein Kinderfotoausschnitt der Schmaußer-Kinder von 1954: Links Erika, dann Josef, Franz und Ludwig. Josef Schmaußer, hier drei Jahre alt, sollte später mal Ortsheimatpfleger, stellvertretender Bürgermeister und Kreisrat werden.
Familie Schmaußer um 1916 mit zwei Josef Schmaußer (hinten von links): Josef, Kunigunde, (vorne von links) Michael, Franz Xaver, Mutter Maria Schmaußer, Leopold, Vater Josef Schmaußer, Hans. Es fehlt Vinzenz. Er war als Hütebub bei den Verwandten in Frabertshofen.
Hintergrund:

Josefstag

  • Der Josefstag ist immer am 19. März
  • Die katholische Kirche feiert an diesem Tag das Hochfest des heiligen Josef, der als Ziehvater des Jesuskindes gilt.
  • Josef soll Zimmermann gewesen sein, deswegen gilt der Heilige als Schutzpatron der Arbeiter und Handwerker, insbesondere der Zimmerleute und Schreiner.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Josefstag gesetzlicher Feiertag in Bayern. 1969 wurde er zur Amtszeit des Ministerpräsidenten Alfons Goppel abgeschafft.
  • Es gibt relativ wenige Josefskirchen in der Region. Eine davon steht in Raigering.
  • Bauernregel: "Ist’s am Josephstag klar, folgt ein fruchtbar’ Jahr!" Oder auch: "Wenn a mal Josefi is, dann endet der Winter auch bald g'wiß!“

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