29.12.2021 - 11:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Ganzheitlicher Therapieansatz: Bei Krebs auch die Seele behandeln

Die Diagnose Krebs ist ein Schock und stellt das ganze Leben auf den Kopf. Nicht nur die Patienten fühlen sich hilflos, auch die Angehörigen leiden unter Ängsten. Hier setzt die psychoonkologische Beratung im Klinikum St. Marien an.

Viele Patienten des Onkologischen Zentrums und die Palliativ-Patienten nehmen die psychoonkologische Unterstützung - meist im Rahmen von Einzelgesprächen - dankbar an.
von Adele SchützProfil

In der Integrativen Onkologie spielt die psychoonkologische Beratung eine große Rolle. In der Oberpfalz gehört St. Marien in Amberg zu den Kliniken, die diesen ganzheitlichen Ansatz in der Krebstherapie unter einem Dach anbieten.

Seit 2011 ist das Onkologische Zentrum am Klinikum St. Marien in das Zertifizierungssystem der Deutschen Krebsgesellschaft eingebunden. Es ist gleichberechtigter Partner des CCC (Comprehensive Cancer Center) Erlangen-Nürnberg.

Entspannungskurse

Mit dem Projekt der Integrativen Onkologie greift das Onkologische Zentrum im Klinikum St. Marien den Wunsch vieler Krebspatientinnen und -patienten nach integrativen Verfahren in der Behandlung auf, dazu gehören beispielsweise Workshops zum Thema Ernährung, Bewegungs- und Entspannungsangebote. „Unser Ziel ist eine konsequente und stetige Verbesserung der Versorgung unserer Patienten“, sagt der ärztliche Direktor und administrative Leiter des Onkologischen Zentrums, Dr. Harald Hollnberger. „Im Rahmen des Projekts der Integrativen Onkologie verbinden wir Spitzenmedizin und integrative Verfahren im Kampf gegen den Krebs.“

Der Bereich Psychoonkologie habe von Anfang an bei dem Projekt eine wichtige Rolle gespielt. Der Förderverein Familiengesundheit Oberpfalz förderte das Projekt mit und forderte die Einbeziehung von integrativen Verfahren bei der Krebsbehandlung.

Patient wird einbezogen

Die Integrative Onkologie verfolge, so Hollnberger, einen ganzheitlichen Behandlungsansatz und verbinde die konventionellen onkologischen Therapien (Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Anti-Hormon-Therapie) mit integrativen Therapien aus den Bereichen Bewegung, Ernährung, Entspannung, Psychoonkologischer Beratung und Kunsttherapie unter dem Dach des Onkologischen Zentrums am Klinikum St. Marien Amberg. Das Konzept der Integrativen Onkologie setze dabei vor allem auf die aktive Einbeziehung des Patienten im Kampf gegen Krebs.

„Wenn auch Krebs keine Erkrankung der Seele ist, trifft die Diagnose die meisten Patienten und deren Angehörige wie ein Schock“, sagen Maria Amsel, Inga Lorenz und Gerald Simmert vom Psychoonkologischen Dienst am Klinikum St. Marien. „Zudem stellt die primäre medizinisch-somatische Behandlung für die Betroffenen und deren Familien eine große emotionale Herausforderung dar.“ Die Diplom-Psychologen mit psychotherapeutischer und psychoonkologischer Ausbildung wissen aus Erfahrung, dass die Gefühlswelt der Betroffenen ab der Diagnose geprägt sein kann von Ängsten, Hoffnungslosigkeit und Trauer.

Auch für Angehörige

Da die Sorgen und Ängste meist auch das Umfeld der Patienten betreffen, ist der Psychoonkologische Dienst Ansprechpartner nicht nur für die Patienten, sondern auch für die Familienangehörigen während der gesamten Therapie. „Wir sind allerdings kein Ersatz für eine Psychotherapie“, macht Inga Lorenz klar. Da die hohe psychische Belastung als Folge einer Krebserkrankung einen ganz erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten, ihrer Angehörigen und zum Teil sogar auf den Krankheitsverlauf nehmen könne, sei, so Inga Lorenz, eine psychoonkologische Unterstützung für den Patienten und die Beratung der Angehörigen in allen Krankheitsphasen, zusätzlich zur onkologischen Therapie, sinnvoll.

„Die Psychoonkologie bietet einen integrativen, patientenzentrierten Behandlungsansatz, der die Lebensqualität sowie die psychosozialen Bedürfnisse der Patienten und ihrer Familien in den Mittelpunkt rücken“, erklärt Inga Lorenz. „Bei der psychologischen Betreuung der Patienten und deren Angehörigen können wir auf ein bestens funktionierendes Netzwerk im Haus zurückgreifen.“

Hemmschwelle abbauen

Inga Lorenz weiß von Patienten, die das Angebot des Psychologischen Dienstes dankbar annehmen, aber auch von Patienten, die es ablehnen. Das sei die freie Entscheidung des Patienten. Sie stellt fest, dass gegenüber der psychoonkologischen Unterstützung immer noch eine bestimmte Hemmschwelle zu beobachten sei, die es abzubauen gelte.

Nach der schockierenden Diagnose Krebs erfolge eine individuelle einfühlsame Begleitung des Patienten während der gesamten Behandlungszeit, erläutert Maria Amsel die Arbeitsweise des Psychoonkologischen Dienstes. „Vorwiegend in Einzelgesprächen in der akuten Krisensituation.“ Der Betroffene werde dort abgeholt, wo er mit seinen Ängsten, Sorgen, Hoffnungslosigkeit und Trauer stehe.

Gefühle zulassen

Es sei wichtig, den Patienten zu ermutigen, seine Gefühle zuzulassen und sie konkret zu benennen, um sie aufarbeiten zu können, betont Maria Amsel. „Hier greift dann unsere Aufgabe, den Patienten in dieser emotionalen Belastung einfühlsam zu begleiten und ihn bei der Krankheitsverarbeitung und den -folgen zu unterstützen. Dazu gehört auch, mit den Patienten Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um die Genesung zu unterstützen.“ Es sei „enorm wichtig“, dass der Patient Vertrauen in seinen Körper zurückgewinne und beginne, achtsam mit ihm umzugehen und auf seine innere Stimme höre, rät sie. „Man darf nicht vergessen, dass Krebs und damit die Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens zwar in eine tiefe Krise führen kann, diese aber auch eine enorme Chance sein kann, um in seinem Leben neue Prioritäten zu setzen und diesem eine andere Richtung zu mehr Selbstbestimmung, Selbstliebe und eigene Wertschätzung zu geben.“

Unterstützung von Kindern

Die Psychoonkologin weiß, dass die Sorgen und Ängste der Patienten häufig die Familie betreffen und so ist es für sie wichtig, die Angehörigen mit Partner- und/oder Angehörigen-Gesprächen mit einzubeziehen. Zu ihren Aufgaben gehören ebenfalls die Unterstützung für Kinder und Jugendliche krebskranker Mütter/Väter und die Einzelberatung von Kindern und Jugendlichen mit begleitenden Elterngesprächen.

Neben den Gesprächen mit den Patienten kommen je nach Bedarf als weitere Methoden Meditation, Atemübungen und Grübelstopp-Strategien zum Einsatz.

Mit großem Engagement und viel Herzblut bekleiden die Diplom-Psychologen mit psychotherapeutischer und psychoonkologischer Ausbildung Inga Lorenz, Gerald Simmet und Maria Amsel (v.l.) den Psychoonkologischen Dienst am Onkologischen Zentrum am Klinikum St. Marien.

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Hintergrund:

Integrative Onkologie

 

 

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