25.02.2021 - 16:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Gelöste Verpressung die Ursache für Wasserrohrbruch im Amberger Stadtarchiv

Wie groß ist der Schaden durch den Wasserrohrbruch im Stadtarchiv am frühen Morgen des 16. Februar? Eine konkrete Antwort darauf kann derzeit wohl niemand geben. Aktuell läuft die Analyse, warum es zu dem Vorfall überhaupt kommen konnte.

Im historischen Altbau, in den das neue Stadtarchiv als Haus im Haus eingebaut wurde, musste die Dämmung zu großen Teil ausgebaut und entsorgt werden, weil sie sich voller Wasser gesogen hatte.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Als der Brandmelder 63/1 im Stadtarchiv am Dienstag, 16. Februar, um 5.31 Uhr endlich auslöst, ist wohl schon über Stunden Wasser aus einen defekten Rohr im Dachgeschoss des historischen Stadels am Paulanerplatz gelaufen. Und es ist zum Teil auch in den eigentlichen Archivbau gedrungen, der als Haus im Haus gebaut wurde. Rund 30 Kubikmeter Wasser sind aus einer Leitungsverpressung gelaufen, die sich aus bisher ungeklärten Ursachen einfach gelöst hat. Wie der Leiter des städtischen Hochbauamts, Hubert Meier, am Mittwoch im Bauausschuss deutlich machte, ist die Leitung, die zur Kaltwasseranlage der Gebäude-Klimatisierung gehört, weder gebrochen noch geplatzt.

Verpressung hat sich gelöst

"Die Verpressung hat sich einfach gelöst", sagte er, die Suche nach den Gründen dafür läuft. Wobei laut Meier von den 30 Kubikmetern, die ausgetreten sind, nur ein geringer Teil über Leitungsschächte in den eigentlichen Archivbau eingedrungen sind. Trotzdem stand das Wasser hier beim Eintreffen der Feuerwehr zum Teil zentimeterhoch, rund 80 der hier gelagerten wertvollen Archivalien sind direkt geschädigt. Sie wurden inzwischen nach Leipzig ins Zentrum für Bucherhaltung gebracht. "In nüchternen Zahlen sind das 125 Kilogramm", sagte Meier. Die Kosten für Gefriertrocknung und Transport liegen bei rund 5000 Euro, der Aufwand für die eventuell notwendige Sanierung der Bände - darunter 40 Ratsbücher - stehen augenblicklich noch nicht fest.

Doch die Archivalien sind nur ein Teil des Problems. "Da wurde ein frisch hergestelltes Gebäude massiv geschädigt", brachte es Oberbürgermeister Michael Cerny in der Sitzung auf den Punkt. In der historischen Hülle musste die mit Wasser vollgesogene Wärmedämmung zum Teil entsorgt werden, Teile können wohl wiederverwendet werden. Wie Hubert Meier berichtete, müssen wohl auch diverse Schotts zwischen Alt- und Neubau ausgetauscht werden, zudem sei an einer Elektroverteilung, die inzwischen getrocknet und wieder in Betrieb genommen worden ist, mit Spätschäden zu rechnen. Auch sie müsse wohl erneuert werden. Insgesamt ist laut Meier am Gebäude mit ersten Kosten von 50 000 bis 100 000 Euro zu rechnen. Langfristige Schätzungen seien aber noch nicht möglich.

Keine Schimmelgefahr mehr

Gebannt ist nach Einschätzung von Hubert Meier inzwischen die Schimmelgefahr. Vorsorglich seien die Innenwände der historischen Außenhülle einer entsprechenden Behandlung unterzogen worden. Und auch im Archiv selbst habe durch die Trocknung der vergangenen Tage die Luftfeuchtigkeit wieder auf einen Wert um die 40 Prozent gebracht werden können. Die Temperatur-Luftfeuchte-Kombination lasse Schimmelbildung nun nicht mehr zu. Nach Aussage des stellvertretenden Archivleiters Jörg Fischer schlummere nämlich in den alten Werken immer versteckter Schimmel, der bei einer gewissen Luftfeuchtigkeit aktiv werden könne.

Derzeit geht es laut Meier darum, die im Zuge der Sicherungsmaßnahmen zunächst geöffneten Bauteile nach und nach wiederherzustellen. Gleichzeitig laufe gemeinsam mit den Experten der Gebäudeversicherung die Ursachenforschung. "Im Augenblick können sich die Sachverständigen das Schadensbild nicht erklären." Und wer zahlt das Ganze am Ende? Laut Meier gibt es vonseiten der Versicherung die mündliche Zusage, dass der Schaden in voller Höhe übernommen wird.

Ein Leitungsbruch hat das Stadtarchiv vom Dachboden aus unter Wasser gesetzt

Amberg
Kommentar:

Und am Schluss geht sowieso alles vor Gericht

Irgendwo zwischen „gerade noch einmal gut gegangen“ und „dieser Schaden hätte niemals passieren dürfen“ bewegt sich die Stimmungslage in Sachen Stadtarchiv derzeit. Denn tatsächlich scheinen die wertvollen Archivalien, die beim Wasserschaden im Archiv in Mitleidenschaft gezogen wurden, nicht nachhaltig zerstört. Auf der anderen Seite müssen sie zum Teil wohl aufwendig saniert werden, um diesen Teil der Amberger Stadtgeschichte erhalten zu können.

Nicht absehbar ist derzeit, was mit dem Schaden an den Gebäuden ist. Niemand kann heute sagen, wie hoch der historische Altbau geschädigt ist. Niemand weiß, was es kostet, den Neubau, das Haus im Haus, auf den Stand vor dem Wasserschaden zu bringen. Das ist die eine Seite, die andere ist die Suche nach der Ursache. Für einen Laien scheint es klar: Da war Pfusch am Bau im Spiel. Eine Verpressung an einer Wasserleitung darf sich nicht einfach lösen, schon gar nicht so bald nach dem Einbau. Doch so einfach wird es am Ende nicht sein. Die Ursachen können viel komplexer sein, ein alleine Schuldiger wird sich wohl nicht finden lassen. Und am Schluss geht sowieso alles vor Gericht.

Andreas Ascherl

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