12.03.2019 - 11:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Gleiche Arbeit, unterschiedliche Bezahlung: Frauen verdienen deutlich weniger als Männer in Amberg und Region

17 Prozent weniger Lohn für Frauen, die in Amberg in Vollzeit arbeiten. Im Kreis Amberg-Sulzbach sind es sogar 21 Prozent. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert diesen ungerechten Zustand.

Symbolbild
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) im Nachgang zum Internationalen Frauentag mitgeteilt. Sie verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle im Stadtgebiet auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 3680 Euro pro Monat. Frauen hingegen nur auf 3055 Euro. Im Landkreis seien es 3265 beziehungsweise 2590 Euro. In Bayern betrage der Verdienstunterschied bei Vollzeit zwischen den Geschlechtern 17 Prozent (Männer: 3556 Euro, Frauen: 2968 Euro). Dies liege teils an niedrigeren Positionen, die Frauen häufig hätten, insbesondere aber auch an der mangelnden Zahlungsbereitschaft von Unternehmen.

Gewerkschafter Rainer Reißfelder spricht von einer "Diskriminierung per Lohnzettel". Es könne nicht sein, dass Frauen bei der Bezahlung trotz gleicher Arbeitszeit systematisch den Kürzeren zögen, wird der NGG-Regionalchef in einer Pressemitteilung zitiert, in der auch steht: "Dabei sind es immer noch vor allem Frauen, die sich nach einem langen Arbeitstag um Familie und Haushalt kümmern - und das unbezahlt."

Auch deshalb seien sie oft gezwungen, weniger zu arbeiten. So sind nach Angaben der Arbeitsagentur aktuell 80 Prozent aller Teilzeitstellen in Amberg von Frauen besetzt. Im Kreis seien es 79 Prozent. "Gerade im Gastgewerbe und im Bäckerhandwerk ist es üblich, dass sie nur eine halbe Stelle haben - oder noch weniger", kritisiert Reißfelder. Allein das Gastgewerbe beschäftigt laut Arbeitsagentur in der Stadt 970 Minijobber (Kreis 1400). Von ihnen sind in Amberg 610 Frauen (Kreis 1060).

Die Folgen seien spätestens im Rentenalter dramatisch: "Wer über Jahrzehnte wenig verdient und etwa wegen Kindern Unterbrechungen im Erwerbsleben hat, der bekommt kaum Rentenpunkte. Das führt dann zu Armutsrenten, die der Staat aufstocken muss", betont Reißfelder. Am Ende begleichen Steuerzahler die Quittung für die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Damit müsse Schluss sein. "Unternehmen, die Frauen und Männer für den gleichen Job unterschiedlich bezahlen, sollten mit Konsequenzen rechnen."

Die Möglichkeit dazu biete zwar das sogenannte Entgelttransparenzgesetz, das seit gut einem Jahr gilt. Danach haben Beschäftigte in Betrieben mit mehr als 200 Mitarbeitern das Recht zu erfahren, was ein Kollege in vergleichbarer Position verdient. Chefs müssen dann bestehende Unterschiede abschaffen. Doch laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung wird das Gesetz bisher kaum genutzt. Nach Einschätzung von Rainer Reißfelder liegt das auch daran, dass kleine Betriebe vom Gesetz ausgenommen sind - "obwohl die Lohnunterschiede dort besonders groß sind".

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