14.04.2021 - 20:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Hochwasserschutz Amberg: Neuer Damm und neue Mauern

Amberg rüstet sich für das nächste Jahrhunderthochwasser mit einem Jahrhundertbauwerk: Ein etwa 1,4 Kilometer langer Damm im Norden der Stadt soll im Falle eines Falles das Wasser der Vils aufhalten. Die Planungen haben begonnen.

Hochwasser zwischen Neumühle und Witzlhof im Juni 2013. Hier im Norden der Stadt Amberg soll bei einem hundertjährigen Hochwasser ein bis zu fünf Meter hoher Damm die Vils zurückhalten.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Es wird ein Jahrhundertprojekt für ein Jahrhunderthochwasser: Nach jahrelangen Vorplanungen packt der Freistaat Bayern jetzt den Hochwasserschutz für die Stadt Amberg an. Wenn alles fertig ist, soll die Vils selbst bei einem Abfluss von 100 Kubikmetern pro Sekunde im Innenstadtbereich in ihrem Bett bleiben, eine geflutete Schiffgasse oder gar die Überschwemmung von Mühl- und Franziskanergasse mit Wasser in den Erdgeschossen der Häuser soll es dann nicht mehr geben.

Hochwasser sind die Amberger gewohnt. Oder besser gesagt: Hochwässerchen. Denn was 2013 vielen Anwohnern Angst und Bange gemacht hat, ist eigentlich nicht der Rede wert. Von so richtigen Fluten wie dem Jahrhunderthochwasser 1909 zeugen heute nur noch ein paar Markierungen an Hauswänden und eine Handvoll Schwarzweiß-Fotos. Dabei ist allen klar, dass über kurz oder lang ein neues Jahrhunderthochwasser kommt - wegen des fortschreitenden Klimawandels mit den zunehmenden Extremwetterlagen vielleicht schneller, als man denkt.

Das Hochwasser vom Februar 1909 gilt als eines der gewaltigsten der letzten Jahrhunderte. Blick von der Georgenstraße in Richtung Marktplatz am 5. Februar 1909. Auch das markante Gebäude der Amberger Volkszeitung in der Bildmitte rechts, ist vom Hochwasser geschädigt.

Für den Hochwasserschutz in Amberg sind mehrere Bauarbeiten nötig. Das zuständige Wasserwirtschaftsamt in Weiden hat nach einer intensiven Bestandaufnahme verschiedene Varianten untersucht und sich nun auf eine Vorgehensweise festgelegt: Zwischen Neumühle und Witzlhof soll ein bis zu fünf Meter hoher Damm das Wasser aufhalten und gedrosselt abfließen lassen. Zusätzlich sollen in der Innenstadt Ufermauern erhöht werden und mobile Wände die Anlieger schützen.

Der Damm

Ungefähr dort, wo die kleine Verbindungsstraße aus Richtung Ammersricht nach Witzlhof führt, soll der neue, etwa 1,4 Kilometer lange Damm verlaufen. Laut Plan des Wasserwirtschaftsamtes beginnt der Wall auf Höhe des Firmengeländes von Guss Auer. Das Bauwerk zieht sich dann zunächst Richtung Süden, um dann nördlich von Neumühle auf seine maximale Höhe von rund fünf Metern anzuwachsen und Kurs auf die Vils zu nehmen. Der Damm verläuft geradeaus weiter auf die Verbindungsstraße zu und schmiegt sich dann bis kurz vor Witzlhof der Kurvenführung an. Unterbrochen wird der Damm an der Vils von einem Drosselungsbauwerk. Es springt an, wenn eine Abflussmenge von 70 Kubikmetern pro Sekunde erreicht wird. "Erst dann staut sich das Wasser", erläutert Andreas Ettl vom Wasserwirtschaftsamt. 70 Kubikmeter pro Sekunde - das ist enorm viel. Zum Vergleich: Beim Hochwasser 2013 wurden nur 50 Kubikmeter erreicht. Der Damm würde bei so einer Abflussmenge noch gar nicht beansprucht. Die 70 Kubikmeter wurden zuletzt beim Winterhochwasser 1970 überschritten.

Die Ufermauern

Die Trockenlegung der Innenstadt im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers funktioniert durch die Kombination von Damm und Rückhalteflächen im Norden der Stadt sowie die Erhöhung der Ufermauern im Zentrum. Vier Stellen stehen dabei im Fokus: Die Mauer zwischen Fronfest- und Löffelgasse, die Befestigung an der Mühlgasse und das Ufer entlang der Schiffgasse und beim Rosengarten des Landratsamtes. Die Ufermauer zwischen Fronfest- und Löffelgasse ist so marode, dass sie erneuert werden muss. Sie soll 25 Zentimeter höher gebaut werden. An der Mühlgasse soll die bestehende Mauer um 20 Zentimeter erhöht werden. Für die Schiffgasse ist eine etwa 90 Zentimeter hohe Schutzmauer vorgesehen. Im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers könnte ein mobiler Aufsatz mit einer Höhe von 60 Zentimetern errichtet werden. Die Mauer beim Rosengarten des Landratsamtes soll um 40 Zentimeter wachsen.

Die Schöpfwerke

In der Altstadt wird der Bau zweier Schöpfwerke notwendig. Sie sind dafür da, das Wasser, das sich durch Niederschläge in der Altstadt ansammelt, in die Vils zu leiten. Das größere Schöpfwerk soll an der Nahtstelle von Franziskaner- und Mühlgasse, vor der Pizzeria L' Osteria entstehen. Dabei handelt es sich um ein unterirdisches Sammelbecken, das Wasser aufsammeln und etwa einen Kubikmeter pro Sekunde in die Vils schöpfen kann. Oberirdisch wird nach Fertigstellung nichts davon zu sehen sein. Ein kleineres Pendant dazu (Schöpfmenge 100 bis 150 Liter pro Sekunde) ist in der Schiffgasse vorgesehen, am Platz vor dem Zeughaus.

Das weitere Vorgehen

Am Mittwoch hat das Wasserwirtschaftsamt die Pläne per Video-Konferenz den betroffenen Grundstückseigentümern in der Gemeinde Poppenricht vorgestellt. Im Sommer sollen Workshops mit Vertretern der Stadt Amberg zu den innerstädtischen Maßnahmen stattfinden. Die genauen Kosten können noch nicht beziffert werden. Ersten Schätzungen zufolge dürfte das Projekt aber einen zweistelligen Millionenbetrag verschlingen. Hauptkostenträger ist der Freistaat Bayern, die Stadt Amberg muss sich mit 35 Prozent beteiligen. Wenn alle Planungsschritte im Zeitplan bleiben, könnten in den Jahren 2026 oder 2027 die Bagger anrollen. Andreas Ettl vom Wasserwirtschaftsamt: "Derzeit entwerfen wir einen Flyer, über den wir die Bürger informieren wollen. Zusätzlich gibt es die Webseite, die laufend aktuelle Informationen liefern wird."

So diskutierte der Amberger Stadtrat über das Vorhaben

Amberg

Website des Wasserwirtschaftsamtes mit aktuellen Details zum Hochwasserschutz in Amberg

Kommentar:

Extreme Fluten nur eine Frage der Zeit

Auch wenn die Sommer immer trockener werden und die Vils seit vielen Monaten eher durch Niedrigwasser auffällt: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Amberger Altstadt das Wasser wieder bis zum Hals steht. Der Klimawandel verschärft die Gefahr vor extremen Fluten, auch in der Oberpfalz.

Der Hochwasserschutz für Amberg ist deswegen dringend geboten. Das Wasserwirtschaftsamt hat sich eine ausgewogene Mischung zwischen Rückstau vor den Toren der Stadt und Schutzelementen im Zentrum ausgedacht. Klar ist, dass dafür ein paar Kröten geschluckt werden müssen. Für die Gemeinde Poppenricht fallen die Nachteile nicht so gravierend aus. Die Überflutungsfläche vergrößert sich in überschaubarer Weise. Im Falle eines Falles gibt es für die von der Überflutung betroffenen Grundstückseigentümer eine Entschädigung.

Spannend wird, welchen Verlauf die Diskussion um die neue Flutbarriere in der Schiffgasse nimmt. Eine 90 Zentimeter hohe Mauer entlang der Flaniermeile am Fluss erscheint mehr als gewöhnungsbedürftig.

Uli Piehler

 

 

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