16.04.2021 - 10:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Hochwasserschutz für Amberg: Poppenricht klar gegen Damm

Poppenricht baut einen argumentativen Wall gegen den geplanten Hochwasserdamm im Norden Ambergs. Bürgermeister Hermann Böhm lehnt die Pläne des Wasserwirtschaftsamtes strikt ab.

Der gut 1,4 Kilometer lange, bis zu fünf Meter hohe und gut 35 Meter breite Hochwasser-Staudamm soll laut aktueller Planung auf Höhe der Firma Guss Auer (Bildmitte hinten) beginnen, an Neumühle vorbei bis fast zur AM 13 (Straße von Neumühle nach Witzlhof) führen und endet nahe der an Witzlhof vorbeiführenden Bahnlinie (links).
von Autor GFRProfil

Keinen leichten Stand hatten am Mittwoch Abend Oberbaurat Andreas Ettl, der für Planung und Bau zuständige Abteilungsleiter beim Wasserwirtschaftsamt Weiden (WWA) sowie Wolfgang Nierlich, Objektplaner des Ingenieurbüros Arnold Consult AG, die mit der Planung des Hochwasserschutzdamms beauftragt ist. 51 Interessenten, darunter nahezu der gesamte Poppenrichter Gemeinderat, hatten sich für die vom WWA angebotene Online-Präsentation „Anrainerinformation zu Hochwasserschutzmaßnahmen in der Vils für die Stadt Amberg“ angemeldet und nach der Vorstellung der geplanten Maßnahme auch heftig darüber diskutiert. Eindeutig bezog Bürgermeister Hermann Böhm Stellung und meinte, dass die vom WWA angedachte Hochwasserschutzmaßnahme für die Gemeinde Poppenricht, für deren Bürger und vor allem für „unsere Landwirte“ sehr problematisch werde. Das Bauwerk durchschneide die gesamten Vilsauen nördlich der AM 13. Den Planungsunterlagen, so Böhm, entnehme er, dass die aus dem oberen Vilsverlauf ankommende Wassermenge erst bei einer Abflussmenge von mehr als 70 Kubikmetern pro Sekunde gedrosselt werde. Diese Wassermassen seien letztmalig im Februar 1970 gemessen worden, damals mit 80,5 Kubikmetern pro Sekunde.

Drosselung schon bei Mini-Hochwasser?

Für Böhm stellt sich die Frage, ob die Drosselung der Durchflussmenge schon bei 50 Kubikmetern aktiviert werden kann, wenn der Damm eben einmal stehe. Baukosten in Höhe von rund 13 Millionen Euro seien für den Damm, der nur alle 50 Jahre Wirkung zeige, steuerlich nicht zu verantworten. Hochwasserschutz für den Amberger Marktplatz beginne für ihn bereits in Kleinschönbrunn, ende in Amberg und müsse ganzheitlich für das obere Vilstal betrachtet werden. Damit könnten in diesem Bereich auch kleinere Ortschaften vor Hochwasser geschützt werden. Das „Riesenbauwerk“ lehne er ab, erklärte Böhm, denn es sei den aktuell vorliegenden Planungen auch nicht zu entnehmen, welche Umweltfolgen eine derartige Überschwemmung für die betroffenen Landwirte, für die Kleingärten in Traßlberg und den SVL-Sportplatz haben. Nicht ausgeschlossen sei zudem, dass aus dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr eventuell Giftstoffe und sonstiger militärischer Abfall in „unsere Felder“ eingeschwemmt wird, das gehe an die Existenz der Landwirte und bedrohe die Lebensmittelproduktion. Böhm stellte auch die Frage in den Raum, ob dieser Damm nicht auch schon ein Hintertürchen für eine Verbindung zwischen der Bundesstraße 299 und der Staatsstraße 2040 sei, dagegen habe sich der Gemeinderat eindeutig ausgesprochen.

Kein Damm für eine Umgehungsstraße

Für den Leiter des WWA Weiden, Leitender Baudirektor Mathias Rosenmüller ist es wichtig, dass Vorsorge für ein Jahrhundert-Hochwasser getroffen wird. Dafür sei der Damm zwischen Neumühle und Witzlhof dringend notwendig. Umfangreich und detailliert erklärte Wolfgang Nierlich die sich sicher über Jahre hinziehenden Planungs- und Baumaßnahmen. Der etwa 1.4 Kilometer lange, fast fünf Meter hohe und rund 35 Meter breite Schutzwall soll nördlich von Ammersricht, etwa bei der Firma Guss Auer beginnen, knapp an Neumühle und nördlich der AM 13 vorbeiführen und schließlich an der Bahntrasse bei Witzlhof enden. "Wir müssen für den Hochwasserschutz der Stadt Amberg innerstädtische Maßnahmen mit oberstromigem Rückhalt“ kombinieren", erklärte Nierlich. Die Stadt Amberg habe keine geeigneten Flächen für ein Rückhaltebecken und umfangreiche Untersuchungen hätten ergeben, dass der Damm zwischen Neumühle und Witzlhof die beste Lösung darstelle, denn bei einer Überflutung seien meist nur landwirtschaftliche Flächen betroffen. Nierlich betonte, dass die angedachte Lösung gut 1,8 Millionen Kubikmeter Wasser zurückhalten kann, dagegen hätten Rückhaltebecken im Oberlauf der Vils bei Großereignissen keinen Sinn, seien einfach nicht zielführend. In Poppenricht, so Nierlich, seien lediglich Bauhof, SVL-Sportplatz und Kleingartenanlage betroffen, für Altmannshof und Speckshof ergebe sich keine Verschlechterung. Nierlich schränkte ein, dass der SVL-Sportplatz bereits bei „kleineren Ereignissen“ bis zu 90 Zentimeter überflutet werde, der Staudamm könne zu einer Überflutung bis zu 1,10 Metern führen. Die Kleingartenanlage, so der Planer, liege zweifelsohne sehr ungünstig. Martin Schafbauer schloss sich den Befürchtungen von Hermann Böhm an, ob der Damm nicht doch für den Bau einer Umgehungsstraße geeignet sei. "Kein Grund zu Beunruhigung", entgegnete Nierlich, denn dann müsste dieser Damm schon von vornherein massiver gebaut werden, um eine gesamte Straßenbreite von etwa 15 Metern zu erreichen. Leitender Baudirektor Mathias Rosenmüller meinte dazu, dass sich mit dem Damm die Überflutungsfläche nicht wesentlich vergrößere. Auf gezielte Nachfrage von Markus Weiß erklärte Nierlich, dass man grob geschätzt mit etwa 30 Hektar mehr überfluteter Fläche rechnen müsse. "Könnte die Deichkrone als Rad- und Spazierweg genutzt werden?", wollte Martin Schafbauer wissen. Das sei durchaus möglich, hieß es, aber sicher ausgeschlossen sei das Befahren mit Pkws. Zum weiteren Vorgehen meinte Nierlich, dass für diesen Sommer die Entwurfsplanung vorgesehen sei, 2023 könnte das Planfeststellungsverfahren starten, ein Jahr später die Ausführungsplanung und 2025 werde mit den Bauarbeiten begonnen, soweit keine Einsprüche oder Klagen eingereicht werden.

Reaktion aus Amberg

„Die Information durch das Wasserwirtschaftsamt war sehr wichtig, gerade weil wohl viele Poppenrichter der Meinung waren, dass der Hochwasserschutz alleine in Amberg gelöst werden könnte", erklärte Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny am Freitag. Das WWA habe jedoch schlüssig dargestellt, dass ein echter Hochwasserschutz nur in Kombination mehrerer Maßnahmen im Bereich der Stadt Amberg mit einer Rückhaltung im Norden der Stadt möglich sei. "Diese Abwägung wird letztlich für eine gültige Planfeststellung entscheidend sein", blickt der OB schon mal in die Zukunft.

"Das Hochwasser kennt halt keine Gemeindegrenzen. Die Abwägung, Information und Beantwortung kritischer Fragen muss daher auch weiter Bestandteil des Prozesses sowohl für Amberg als auch Poppenricht bleiben." Er gehe aktuell davon aus, dass die Gemeinde Poppenricht nicht versuchen wird, einen Hochwasserschutz für die Stadt Amberg und die flussabwärts folgenden Städte und Gemeinden zu verzögern oder zu verhindern.

Die Pläne zum Hochwasserschutz in Amberg

Amberg
Info:

Hochwasserschutz Amberg

  • Geplant ist eine Kombination aus Rückstau der Vils im Norden der Stadt und Schutzmauern im Stadtzentrum.
  • Zwischen Neumühle und Witzlhof soll im Falle eines hundertjährlichen Hochwassers ein bis zu fünf Meter hoher Damm das Wasser zurückhalten.
  • In der Innenstadt sollen die Ufermauern erhöht werden: in der Mühlgasse, zwischen Fronfest- und Lederergasse und in der Schiffgasse. In der Schiffgasse sollen zusätzliche mobile Schutzwände eingesetzt werden.
  • In der Amberger Altstadt sind außerdem zwei Schöpfwerke geplant, die Regenwasser aus der Innenstadt über die Mauern in die Vils schöpfen: eines vor der Pizzeria L' Osteria, eines vor dem Zeughaus.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.