12.02.2021 - 10:02 Uhr
AmbergOberpfalz

Investor zum Bürgerspital Amberg: "Aufgeben ist keine Option"

Am Montag startet die Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, doch der Investor hält an den Plänen für das Bürgerspitalareal in Amberg fest. Ein Interview mit Projektleiter Roland Seissler.

Baustellenfläche in der Amberger Altstadt: Hinter der Spitalkirche soll ein neuer Gebäudekomplex entstehen. Über seine Dimension gibt es seit Jahren Streit.
von Uli Piehler Kontakt Profil

ONETZ: Verfolgen Sie die öffentliche Diskussion in Amberg?

Roland Seissler: Die öffentliche Diskussion nehmen wir als Projektpartner selbstverständlich wahr.

ONETZ: Welche Auswirkungen hat die Debatte auf ihre Arbeit?

Roland Seissler: Die Stadt Amberg hat im Jahr 2015 einen Wettbewerblichen Dialog zur Entwicklung des Bürgerspitalareals ausgeschrieben. Diesen Wettbewerb haben wir mit unserem Wettbewerbsbeitrag für uns entschieden. Gemeinsam mit der Stadt ist weiter unser Ziel, schnellstmöglich mit der baulichen Umsetzung zu beginnen und die Bürgerinnen und Bürger in Amberg über die Fortschritte zu informieren.

ONETZ: Sicherlich kommt es bei so großen Projekten auch an anderen Orten immer wieder mal zu Diskussionen. Ich nehme an, Sie haben Erfahrung mit politischen Begleiterscheinungen bei großen Vorhaben. Wie gehen Sie damit um?

Roland Seissler: Erfahrungsgemäß führen vor allem innerstädtische Veränderungen und Entwicklungen zu Diskussionen. In dem in Amberg seit 2015 laufenden Verfahren sind viele Impulse der gewünschten Stadtentwicklung in die Konzeption des Objektes Bürgerspital eingeflossen. Für uns bedeutet Aktivität vor allem, im Dialog zu bleiben: Wir stehen in ständigem Austausch mit dem Referat für Stadtentwicklung, dem Bauausschuss und dem Stadtrat der Stadt Amberg.

Im Stadtrat Amberg wird das Thema immer wieder diskutiert

Amberg

ONETZ: Kritikpunkt ist in Amberg unter anderem die Kubatur, die räumliche Größe des Baukörpers. Muss der Bau so groß sein oder könnten Sie sich da Abstriche vorstellen?

Roland Seissler: Die räumliche Größe orientiert sich an den Wettbewerbsvorgaben sowie den Bedürfnissen der Stadt Amberg. Im Zuge der demografischen Entwicklung, wie wir sie auch in vergleichbaren und größeren Städten beobachten können, besteht in Amberg der Wunsch und demnach auch das Bedürfnis nach Wohnraum sowie der Versorgung der Innenstadtbewohner mit Gütern des täglichen Bedarfs. Diese Entwicklungen sind sowohl in die Ausschreibung als auch in unseren Wettbewerbsbeitrag eingeflossen.

ONETZ: In der Diskussion wird auch immer wieder das geplante Blechdach als Kritikpunkt angeführt. Gäbe es da Alternativen?

Roland Seissler: Das Blechdach ist das Ergebnis vieler Abstimmungen mit der Stadt unter Berücksichtigung aller denkmalschutzrechtlicher Belange. Die umlaufende Attika des Gebäudes verläuft später abgestuft aus Richtung Spitalkirche und Eckertbau kommend in Richtung des Kinos kleiner werdend. Sie fügt sich optimal in die Höhenlandschaft der umliegenden Gebäude ein. Das eigentliche Dach liegt hinter dieser Attika und hat eine sehr flache Neigung, die Dacheindeckung ist später vom öffentlichen Raum aus kaum sichtbar. Gemeinsam mit der Stadt Amberg sind wir aktuell aber auch in Gesprächen über Alternativen und Möglichkeiten der Dachbegrünung. Dieser Prozess ist aber noch nicht abgeschlossen. Wir wollen die Entscheidung hierzu gemeinsam mit der Stadt und den Stadträten treffen.

So sieht nach der aktuellen Plänen des Investors Ten Brinke der Blick vom Spitalgraben aus auf den Gebäudekomplex auf dem Bürgerspital-Areal aus. Im Hintergrund ist die Wirtschaftsschule zu erkennen, rechts der sogenannte Eckertbau.

ONETZ: Wie stehen Sie zu der Kritik, dass sich der Neubau nicht in das historische Altstadt-Ensemble einfügt?

Roland Seissler: Diese Diskussion wurde bereits früh geführt. Seitdem wir mit den Planungen begonnen haben, sind sämtliche, vor allem denkmalschutzrechtliche Belange, miteingeflossen. Grundlage dafür war ein transparenter und offener Austausch mit den zuständigen Gremien. Aber auch hier ist der Planungsprozess, zum Beispiel zur Fassade, noch nicht abgeschlossen. Wir sind davon überzeugt, dass in Abstimmung mit der Stadt ein sowohl altstadtgerechtes als auch architektonisch anspruchsvolles Gebäude entstehen wird.

ONETZ: Wie viel Raum geben Sie Änderungswünschen bei Fassade, Begrünung oder Dachgestaltung bei der späteren konkreten Planung?

Roland Seissler: Wie bereits erwähnt, sind wir zu all diesen Punkten aktuell in Gesprächen mit der Stadt Amberg. Wir gehen davon aus, dass zur nächsten Auslegung des Bebauungsplanes dann auch fortgeschriebene Ansichten des Gebäudes gezeigt werden können. Unser Ziel ist und bleibt es, ein bestmögliches Ergebnis für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.

ONETZ: Wie sieht ihr Wunsch-Zeitplan aus?

Roland Seissler: Derzeit sieht der Zeitplan vor, dass im Jahre 2021 das Baurecht auf Basis der angepassten Planung geschaffen wird. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2022 geplant, die Fertigstellung Mitte 2024.

ONETZ: Gibt es für Ten Brinke einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht und das Projekt abgebrochen würde?

Roland Seissler: Wir sind nach wie vor vom Projekt Bürgerspital überzeugt, ein Abbruch ist für uns derzeit keine Option.

ONETZ: Auch nicht, wenn das Bürgerbegehren Erfolg hat und zum Bürgerentscheid führt?

Roland Seissler: Das Bürgerbegehren ändert an unserer Vorgehensweise erst einmal nichts.

Nun werden Unterschriften für einen Bürgerentscheid gesammelt

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