11.01.2022 - 14:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Jugendheim Grimmerthal wird saniert

Das Ferienwerk Köln ist regelmäßig hier, holländische Fußballer waren auch schon da. Das Jugendlandheim der KJS Amberg in Grimmerthal hat viele Fans. Für sie wird nun saniert. Und fürs Klima soll der Badeweiher künftig Heizwärme liefern.

Das Jugendlandheim Grimmerthal der KSJ Amberg: Hier haben schon Generationen von Ambergern, aber auch von sehr viel weiter Angereiste unvergessliche Tage verbracht.
von Heike Unger Kontakt Profil

Die Jugendlichen, die hier für Freizeiten Quartier beziehen, lieben das Jugendlandheim der KSJ Amberg in Grimmerthal (Schmidgaden/Landkreis Schwandorf). Dass sie zum Duschen in den Keller müssen, ist ihnen egal. Manchen Erwachsenen aber nicht. Das soll sich nun ändern – das Haus wird umfassend saniert. Arno Diener gibt einen Einblick in das ehrgeizige Projekt. Er hat in seiner Jugend selbst unvergessene Stunden in Grimmerthal verbracht. Heute ist er der Verwalter des Jugendlandheims. Und bald auch Bauherr.

Das Haupthaus "ist ein bissl in die Jahre gekommen", sagt Diener, während er die Tür aufsperrt. Draußen steht man vor einem alten, aber schmucken Bauernhaus. Drinnen empfängt die Besucher 70er-Jahre-Charme: Braun-melierte Fliesen auf dem Boden und an den Wänden, dunkle Holzdecken, Waschbatterien, Bettenlager ohne Bad. Irgendwie schon urig-gemütlich, aber auch aus der Zeit gefallen. Kein Wunder, das Jugendheim wurde 1976 eingeweiht. Das sieht man: Ein Eindruck irgendwo zwischen Jugendherberge und Berghütte. Alles schön sauber und in Schuss gehalten, aber doch auch sichtbar vom Zahn der Zeit angenagt.

Es geht auch um die Technik

Vor einem der Nebengebäude hängt ein Tesla am Ladekabel. Ein kurioser Anblick, mitten im Wald. Aber auch ein kleiner Hinweis darauf, wo es hingehen soll in Grimmerthal: Nicht nur rein baulich soll hier saniert werden, sondern auch energetisch. Bei diesem Thema kommt der Ingenieur durch beim pensionierten Siemensianer Arno Diener. Das Jugendlandheim braucht eine neue Heizanlage. Diener denkt dabei in eine ganz neue Richtung: Er möchte dafür "die Energie des Weihers anzapfen". Mit einer Wasser-Wärmepumpe. Solche Anlagen, dann allerdings ohne Wasser, sind inzwischen bei Häuslebauern beliebt. Warum also nicht auch in Kombination mit einem Weiher?

Der alte Mühlenweiher eignet sich laut Diener gut für eine solche Anlage. Auch, weil er gepflastert ist und es hier keine Fische gibt. "Das Pflaster stammt aus der Amberger Altstadt", weiß Diener. Als dort einst die Fußgängerzone eingerichtet wurde, wurden die alten Steine dort ausgebaut und nicht mehr gebraucht. Auch wenn jetzt eine Wärmepumpe eingebaut wird, kann das Gewässer weiterhin ein Badeweiher bleiben. Wobei das mit der energetischen Nutzung nicht ganz einfach ist, wie Diener anmerkt. "Sie können in Deutschland in einem Gewässer nicht einfach was machen, auch wenn es Ihnen gehört." Deshalb müssen Behörden wie das Landratsamt Schwandorf und das Wasserwirtschaftsamt eingeschaltet werden.

Damals schon clever gedacht

Diener ist zuversichtlich, dass es klappt mit der Heizwärme aus dem Wasser. Er hat alles schon durchgerechnet und im Jugendheim etliche Sensoren verteilt, die ihm den Winter über per Internet ständig Temperaturdaten nach Hause liefern. Könnte das reichen mit der aus dem Wasser gewonnenen Wärme? Obwohl es die vergangenen Wochen schon recht kalt war, "schaut es aus, als ob wir das hinbekommen", bilanziert Diener zufrieden. Schließlich gebe es ja auch noch zwei Kachelöfen, die mit Holz aus dem eigenen Wald betrieben werden.

Und die Erbauer um Monsignore Franz Merz, den damaligen "Capo" der KSJ, waren damals schon sehr clever: Sie haben Schächte angelegt, die die Kachelofen-Wärme auch nach oben in die Schlafräume bringen. "Da hat der Monsignore weit vorausgedacht", lobt Diener und bleibt dem zukunftsorientierten Weg treu – er hat gleich noch einen Termin mit Experten in Sachen smarte Gebäudetechnik. Weil Diener nicht nur Ingenieur ist, sondern auch die Hausbrauerei Am Sudhang in Amberg betreibt, reizt ihn vor allem die Sache mit der Wärmepumpe. "Als Brauer ist man eh energetisch", sagt er und lacht. "So einen Weiher zum Heizen zu benutzen, ist wie Bier brauen."

Kooperation mit OTH gewünscht

Zusätzlich könnte ein Wasserrad im Badeweiher auch noch zumindest "ein bissl Energie gewinnen", sagt Arno Diener – eine Reminiszenz an die Vergangenheit, die in die Zukunft weist. Das Jugendlandheim war ursprünglich ein Bauernhof mit Mühlenbetrieb. Der soll jetzt durch Wärmepumpe und Wasserrad ein bisschen neu aufleben. Dazu hätte Diener sehr gern die Ostbayerische Technische Hochschule (OTH) Amberg-Weiden mit ihrer Expertise in Umwelttechnik an Bord: "Das wäre doch perfekt für Diplomarbeiten." Es wäre nicht die erste Kooperation mit der OTH. Mit der Hochschule zusammen wurde vor elf Jahren auch schon die biologische Kläranlage des Jugendheims entwickelt, erzählt Diener. Eventuell ginge jetzt ja sogar auch noch was in Sachen Photovoltaik, auch wenn Grimmerthal schon "ein recht schattiges Loch" sei.

Die energetischen Verbesserungen sind freilich nur ein Teil der geplanten Sanierung. Auch wenn in zurückliegenden Jahren immer mal wieder etwas gemacht wurde, wie neue Sanitäranlagen, sind jetzt auch baulich größere Eingriffe notwendig. Im Obergeschoss sollen die großen Bettenlager aufgeteilt werden. "Den Kindern gefällt das", weiß Diener – aber manchen begleitenden Erwachsenen wären kleinere Schlafräume lieber. Deshalb kamen zuletzt auch keine Schulklassen mehr. "Weil die Lehrer eigene Zimmer wollen." Künftig wird es sie geben und auch Badezimmer im Obergeschoss, die die Duschen im Keller ablösen.

10.000 Übernachtungen im Jahr

Schallschutz- statt Holzdecken, zumindest ein barrierefreies Zimmer im Erdgeschoss für Rollstuhlfahrer, eine Außenterrasse, neue Beleuchtung und Fenster, Anstriche, verbesserter Brandschutz, dazu Einrichtungen wie eine Moderationswand aus Glas für moderne Gruppenarbeit im großen Saal: Es ist viel zu tun in den nächsten Wochen. Auch die Küche wird erneuert. Die vorhandene sei zwar noch voll funktionstüchtig ("Da bestätigt Ihnen jeder Profikoch, da kann man gut arbeiten. Da kann man locker 100 Leute verpflegen"), aber einfach "nicht mehr schön".

Trotz allem, was jetzt erneuert werden soll, kam das Jugendheim "in guten Jahren" auf 10.000 Übernachtungen, berichtet Arno Diener stolz. Auch gleich nach der Zwangspause durch den Lockdown im April war das Haus wieder voll. Ein begehrtes Freizeit-Ziel für Gruppen von Studenten und Familien bis hin zu Live Action Role Players (LARP) – Live-Rollenspielern, die hier ideale Bedingungen für ihr Hobby finden. Sogar die sehr einfach ausgestattete Blockhütte (ohne Wasser und Strom, nur mit Plumpsklo), die zum Jugendheim gehört, sei immer eine gefragte Unterkunft. Neben den acht Betten dort gibt es 48 im Haus 1, 24 in Haus 2 und 12 in Haus 3. "Wir könnten noch mehr Betten brauchen", sagt Arno Diener mit Blick auf die Nachfrage, "aber dann müssten wir anbauen". Das stehe allerdings nicht zur Debatte, die aktuell angepeilten Veränderungen seien herausfordernd genug. "Ich sag's Ihnen, ich hab' schlaflose Nächte", bekennt Diener – weniger wegen des Projekts an sich, sondern weil es derzeit sehr schwierig sei, die nötigen Handwerker und das Baumaterial zu bekommen.

Fertigstellung bis Ostern

Zum Finanzrahmen will Diener derzeit noch nichts sagen, erst sollen die Ausschreibungen über die Bühne gegangen sein. Immerhin bekomme die KSJ Amberg, die Unterhalt und Betrieb des Jugendheims sonst ganz alleine stemmen muss, für die Sanierung "vom Ordinariat richtig Geld". Die KSJ kann auf 80 Prozent Zuschüsse setzen, die restlichen 20 Prozent muss sie über ihren Förderverein selbst aufbringen. Noch im Januar soll's richtig losgehen, denn bis Ostern soll alles fertig sein, damit wieder Besucher kommen können. Richtig glücklich wäre Diener, wenn sich bis dahin auch ein zuverlässiger Hausmeister finden würde.

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