09.04.2021 - 11:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Kahlschlag an der Eisenbahnstraße stößt Anwohnern sauer auf

Es war an einem Morgen Ende März, als die Anwohner der Amberger Eisenbahnstraße durch laute Geräusche aufgeschreckt wurden. Sie kamen aber nicht etwa von einem vorbeirauschenden Zug, sondern von Motorsägen.

Ludwig Räß mit Ehefrau Gertrud und Christian Häusler (von links) kritisieren den Kahlschlag an der Bahnlinie entlang der Eisenbahnstraße.
von Gerd SpiesProfil

Mit großem Gerät befreite in der Amberger Eisenbahnstraße eine Spezialfirma direkt vor den Terrassen der Anwohner den Grünstreifen entlang der Eisenbahnlinie von fast all seinen Gehölzen; im Auftrag der Stadt, wie sich herausstellte. Die Nachfrage der Anwohner bei den Behörden sorgte teilweise für Unverständnis.

„Seit gut zwei Jahrzehnten, seitdem hier Bahn-Mitarbeiter auf diesem Gelände ihre Schrebergärten aufgaben, ist hier eine grüne Zone mit vielerlei Büschen, Birken und Fichten entstanden. Sogar Obstbäume spendeten den Anwohnern jedes Jahr reichlich Ernte“, erzählt Ludwig Räß, der seit 36 Jahren in der Eisenbahnstraße lebt, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Von seiner Terrasse habe er in eine wunderschöne grüne Zone schauen können, die zudem den Lärm der vorbeifahrenden Züge minderte.

Damit ist es aus Sicht der Anwohner nun vorbei. „Man kriegt schon etwas Wut“, beschreibt Christian Häusler, Nachbar von Ludwig Räß und ebenfalls Betroffener, seine Stimmung. Der Frust über diese Tabula-rasa-Aktion vor ihrer Terrasse legt sich auch nach der Stellungnahme der zuständigen Behörden der Stadt Amberg nicht. „Sogar der Hang am Rand der Eisenbahnstraße blieb vor dem Kahlschlag nicht verschont“, kritisiert Häusler.

Grund: Radweg-Verbindung

Roman Kick, in der Stabsstelle Verkehrsplanung für das Projekt verantwortlich, erklärt den Hintergrund der Rodungsmaßnahme. „Es geht um eine Radweg-Verbindung zwischen der Regensburger Straße entlang der Eisenbahnlinie bis hin zur Eisenbahnstraße. Dieser Streckenabschnitt dient dazu, ein zusammenhängendes Radverkehrsnetz aufzubauen.“

Seit Jahren beschäftigt sich der Amberger Stadtrat mit dem Thema Radverkehrsnetz. 2019 beschloss das Gremium, ein in Auftrag gegebenes Radverkehrskonzept umzusetzen, das den Ausbau des Radwegenetzes in Amberg vorsieht. Unter anderem auch den Bau eines Radweges an diesem Streckenabschnitt zwischen der Regensburger Straße und der Schlachthausstraße. Um nun detaillierte Planungen für diese 329 m lange Strecke entlang der Bahnlinie vornehmen zu können, mussten nach Auskunft der städtischen Behörde Vermessungen vorgenommen werden. Diese setzten aber laut Kick voraus, das vorhandene Buschwerk zu entfernen.

Kontaktaufnahme gewünscht

Trotzdem hätten sich die Anwohner der Eisenbahnstraße, die ausdrücklich den Bau dieses Radweges nicht ablehnen, „ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl“ gewünscht, moniert Ludwig Räß. Zum Beispiel bei der Grünzone entlang der Bahnlinie durch weniger Kahlschlag, zum Beispiel bei den Anwohnern durch rechtzeitige Kontaktaufnahme. „Vielleicht überdenken ja die Verantwortlichen nochmal ihre Vorgehensweise“, hofft Räß.

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