08.04.2021 - 16:03 Uhr
EbermannsdorfOberpfalz

Streit um Flächenfraß im Freihölser Forst: Godelmann wehrt sich gegen BUND-Kritik

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Bernhard Godelmann ist geschockt. Die Kritik von BUND-Kreischef Peter Zahn an den Abholzungsplänen des Steinproduzenten im Freihölser Forst bei Amberg sei falsch – und rufschädigend. Bei einem Pressetermin kommt es zum Streit.

Die Freihölser Sand GmbH betreibt als Tochterunternehmen des Fensterbacher Steinunternehmens Godelmann den Sandtagebau „Amberg Ost“. In acht bis zehn Jahren soll die Grube erschöpft sein. Um seine Zukunft zu sichern, schaut sich das Unternehmen nach neuen Abbauflächen um.
von Tobias Gräf Kontakt Profil

Es geht um den Wald vor der Amberger Haustür, um Steine und um Sand. 200 000 Tonnen Quarzsand braucht die bekannte Firma Godelmann aus Fensterbach jährlich für ihre Produktion von Pflastersteinen und Steinplatten. Weil die firmeneigene Rohstoffquelle, die Tagebau-Sandgrube "Amberg-Ost" im Freihölser Forst, weitgehend ausgebeutet ist, will das Unternehmen neue Förderflächen erschließen – und dazu perspektivisch mehrere Hektar Wald rund um den Tagebau roden. Dem BUND-Naturschutz stinkt das gewaltig. Nun scheinen sich die Fronten der Parteien zu verhärten.

In einem Artikel der Amberger Zeitung vom 30. März präsentierte Peter Zahn als Kreisvorsitzender des BUND-Naturschutz öffentlich einsehbare Zahlen: 24,5 Hektar Staatswald werden allein für die Ausweisung des Gewerbegebiets Schafhof III der Gemeinde Ebermannsdorf gefällt. Für eine neue Sandaufbereitungsanlage in Högling will Godelmann weitere 18,55 Hektar fällen. Hinzu kommen 160 Hektar von Abholzung bedrohtem Wald westlich des bestehenden Sandtagebaus von Godelmann. Dieses Areal habe sich die Firma per Standortsicherungsvertrag exklusiv vor dem Zugriff möglicher Konkurrenten "reserviert", um dort Sand abzubauen.

"Wie Verbrecher dargestellt"

Diesen Bericht bezeichnete Bernhard Godelmann am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung als "Hate-Artikel". "Wir werden hier vom BUND-Naturschutz wie Verbrecher dargestellt", zeigt sich der Firmeninhaber entrüstet. Zwar habe sich das Unternehmen die 160 Hektar Wald tatsächlich per Vertrag gesichert - jedoch nicht, um diese sofort zu roden, sondern um die Zukunft des Unternehmens mit 430 Mitarbeitern zu gewährleisten. "In den nächsten acht bis zehn Jahren werden wir keinen einzigen Baum fällen, weil die bestehende Sandgrube noch so lange reicht. Erst danach fällen wir, aber nur einzelne Teilbereiche der 160 Hektar."

Man müsse sich dies wie eine Wanderbaustelle vorstellen, erklärt der 46-Jährige. Die alte Sandgrube werde ab 2030 renaturiert und wieder aufgeforstet. Dann würden circa zehn Hektar Wald gerodet, um an einer neuen Stelle Sand abzubauen. Erst wenn dieses Areal ebenfalls erschöpft sei, würden die nächsten zehn Hektar gerodet - und die verbrauchte Grube natürlich ebenfalls neu aufgeforstet.

Der geschilderte Prozess würde zudem in einem Zeitraum von rund 100 Jahren vonstattengehen. "Wir sind als Familienbetrieb seit 75 Jahren in Högling, ich bin die dritte Generation, ich habe auch Kinder. Umweltschutz ist für uns keine Publicity, sondern eine Notwendigkeit", beteuert der Unternehmer. Aber: "Der Sand ist unsere Lebensader. Wenn wir keinen Nachschub bekommen, dann ist in zehn Jahren Schluss." Die Alternative zum Abbau vor Ort wäre der Import aus China - "das kann doch auch nicht die Lösung sein", sagt Godelmann.

Zur Kritik von Peter Zahn an der Firma Godelmann geht es hier

Ebermannsdorf

Zukunftsfähiger Mischwald nötig

"Unser Unternehmen ist bereits jetzt schon Co2-neutral. Damit sind wird das einzige grüne Betonwerk Europas und unsere Lkw-Flotte wird aktuell auf Gas umgerüstet", weist der Firmenchef auf eigene Bemühungen im Umweltschutz hin. Godelmann bringt ein weiteres Argument: Das Roden und anschließende Wiederaufforsten rund um die Sandgrube habe einen ökologischen Vorteil: "Momentan steht dort eine Kiefern-Monostruktur. Wir brauchen aber einen zukunftsfähigen Mischwald, der dem Klimawandel widersteht." Als Nebenprodukt der Sandförderung würde somit der Staatswald im Freihölser Forst nicht nur wieder hergestellt, sondern auch noch zu einem Mischwald umgebaut.

Genau hier widerspricht der BUND aber vehement. Am Donnerstag, nur einen Tag nach dem Gespräch unserer Redaktion mit Firmenchef Godelmann, hat der Naturschutzverein die Amberger Zeitung zu einem Pressetermin auf dem Gemeindegebiet von Ebermannsdorf eingeladen. Neben BUND-Kreisvorsitzendem Peter Zahn sind auch Landesvorsitzender Richard Mergner, Regionalreferent Reinhard Scheuerlein und die Ebermannsdorfer Ortsvorsitzende Beate Mai anwesend.

Angesichts der Dimension der zwischen Fensterbach und Ebermannsdorf geplanten Rodungen zeigen sich die Naturschützer alarmiert. "Was wir hier im Freihölser Forst erleben, ist der momentan größte geplante Eingriff in einen Staatswald in Bayern", sagt Richard Mergner im Hinblick auf die 160 Hektar, die sich Godelmann gesichert hat, und die Rodungen für Schafhof III. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um das zu verhindern."

Mitten während des Pressegesprächs am Waldrand erhalten die BUND-Leute überraschenden Besuch, als Bernd Godelmann, der zu dem Termin nicht eingeladen war, auftaucht und sich in die Debatte einmischt. Es entwickelt sich eine kontroverse Diskussion zwischen Peter Zahn und Richard Mergner auf der einen und Bernhard Godelmann auf der anderen Seite.

Kein "Steckerl-Wald"

Mergner widerspricht Godelmanns Behauptung vom ökologischen Nutzen des Waldumbaus. Zwar sei dieser natürlich nötig, aber: "Das heißt nicht, dass wir den Wald vorher roden sollten, um ihn umzubauen. Neue Baumarten müssen im Schutz bestehender Wälder wachsen." Auch das Argument von der Fichten-Monokultur will der Landeschef nicht gelten lassen. "Es gibt keinen zweitrangigen Wald. Auch im Freihölser Forst gibt es Vielfalt." Zahn sekundiert: "Das hier ist kein Steckerl-Wald nur mit Fichten. Der Staatswald bindet CO2 und ist essenziell für das Trinkwasser."

Auch das Landratsamt erhält eine Schelte, weil sich die Behörde kaum um die Ausgleichsflächen kümmern würde. "Die Ausgleichsflächen für gefällten Wald bestehen oft bloß auf dem Papier. Aber der Wille, die tatsächliche Umsetzung der Ersatzmaßnahmen zu kontrollieren, ist nicht da", sagt Beate Mai. So seien laut Peter Zahn für das Gewerbeareal Schafhof III zwar bereits vor Jahren über zehn Hektar Wald gefällt worden, doch der Ersatz dafür sei noch immer nicht geschaffen. "Und das, obwohl Ausgleichsflächen bereits bis spätestens zum Zeitpunkt des Rodens benannt werden müssen", kritisiert der 79-Jährige. Genau deshalb müsse nun im Falle der geplanten Erweiterung des Sandtagebaus von Godelmann schon frühzeitig auf die Problematik aufmerksam gemacht werden.

Neue Strategien für Firmen

"Der Staatswald wird als billige Reserve für Gewerbe und für Siedlungen verscherbelt", mahnt Mergner zum Abschluss. An einen kopfschüttelnden Godelmann gerichtet appelliert er: "Firmen müssen sich andere Strategien überlegen, als sich immer weiter in den Wald zu fressen."

Peter Zahn hat Markus Söder einen Beschwerde-Brief zum Thema Flächenfraß geschrieben

Ebermannsdorf
BN-Regionalreferent Reinhard Scheuerlein, Steinunternehmer Bernhard Godelmann, BN-Landeschef Richard Mergner, BN-Kreischef Peter Zahn und die Ebermannsdorfer BN-Ortsvorsitzende Beate Mai diskutieren im Freihölser Forst über Flächenfraß.

"Was wir hier im Freihölser Forst erleben, ist der momentan größte geplante Eingriff in einen Staatswald in Bayern. Wir werden alles tun, um das zu verhindern."

Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND-Naturschutz in Bayern e.V.

Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND-Naturschutz in Bayern e.V.

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