12.07.2021 - 16:26 Uhr
AmbergOberpfalz

Kindertheater zwischen Bücherregalen: Wenn das Theater zum Publikum kommt

Theater für Kinder ist kein Kinderspiel. Ute Wange und Stefan Christ (Figurentheater Vagabündel) verraten nach ihrem Auftritt in Amberg, wie es ist, zwischen Bücherregalen zu spielen. Und warum das Internet für sie keine Alternative ist.

Ute Wange und Stefan Christ vom Figurentheater Vagabündel plaudern nach dem Auftritt im Amberger Stadttheater über Kindertheater, darüber, wie ihre Stücke entstehen und über die Corona-Zwangspause, die für die Kultur noch nicht ganz vorbei ist.
von Heike Unger Kontakt Profil

Nicht nur für die Schul- und Kindergartenkinder war der Besuch im Stadttheater Amberg zum Auftakt des Kindertheaterfestivals am Montag etwas ganz Besonderes: Für Ute Wange und Stefan Christ vom Figurentheater Vagabündel aus Freiburg waren die Auftritte in Amberg die ersten nach einer langen Corona-Zwangspause. Die Begeisterung darüber, aber auch über das tolle Ambiente, ist entsprechend groß. "So ein tolles Theater haben wir noch nie gehabt", schwärmt Ute Wange nach der zweiten von drei Vorstellungen. Und sie ist erstaunt darüber, dass es für viele Kinder in Amberg nicht der erste Besuch im Stadttheater war. Das sei an vielen, auch deutlich größeren Orten in Deutschland, in denen sie auftreten, keineswegs selbstverständlich, berichten die beiden.

Für Kinder spielen Ute Wange und ihr Bühnen-Partner Stefan Christ gern. Beide haben langjährige Erfahrung im Straßen- und Figurentheater, auch für Erwachsene, lassen da aber inzwischen gern Jüngere nachrücken. Und spielen jetzt speziell für junge Zuschauer – mit Handpuppen, Tischfiguren, Schattenspiel, mit Objekten oder in einer Mischform aus Schauspiel und Live-Musik. "Erwachsene benehmen sich", so beschreibt Ute Wange den Unterschied. Und meint das gar nicht vorwurfsvoll: "Erwachsene würden nie herumrutschen, wenn es ihnen langweilig wird." Kinder seien da viel direkter. "Irgendwie kriegt man sie. Oder man kriegt sie nicht." Das sei die Herausforderung beim Kindertheater. Das sei oft sogar schwieriger, als für Erwachsene zu spielen, sagt Wange, die ihre Profession vor 30 Jahren am Figurentheaterkolleg in Bochum erlernt hat.

"Erstaunlich, was da passiert"

Für Schauspieler Stefan Christ ist es ein besonderer Reiz, den jungen Zuschauern "einen gesellschaftlichen Wert" zu vermitteln."Kindern eine Dreiviertelstunde lang eine Reise in die Fantasie zu schenken, macht sehr viel Freude", meint er – "es ist schon erstaunlich, was da passiert". Ute Wange kommt normalerweise über ein Thema zum neuen Stück. "Mich muss etwas beschäftigen." Beim "vierten Ei" aber ging es vor allem um das Bühnenbild, den Würfel. "Ich wollte etwas mit Papier machen." Ute Wange hat aber auch schon als Putzfrau Schwämmen auf der Bühne Leben eingehaucht.

"Immer was Neues ausprobieren", diese Devise formuliert Stefan Christ. Das gilt auch für die Technik, die das Figurentheater Vagabündel natürlich ebenfalls selber macht. Hier stoßen die Akteure aber zuweilen an Grenzen, die ihnen der Tournee-Betrieb setzt: Alles, was sie sich ausdenken, muss an unterschiedlichen Spielorten und ohne fremde Hilfe funktionieren. "Wir spielen auch in einer Bücherei, zwischen den Regalen", beschreibt Ute Wange ihren Theater-Alltag. Der finde eher selten in Theatern statt. Doch genau das sehen die beiden als "wichtigen kulturellen Auftrag" – dass Theater auch im ländlichen Raum zum Publikum kommt, wenn das Publikum nicht ins Theater kommen kann. Das sei gerade auch für Kinder wichtig.

Corona-Pause "war traurig"

Über die Zwangspause, die ihnen die Corona-Pandemie beschert hat, wollen die beiden eigentlich gar nicht groß reden. Und tun es dann doch. "Es war traurig, nicht zu spielen", gesteht Stefan Christ. "Und es gab Zeiten, die schwierig waren." Immer darauf warten, ob man auftreten darf – oder doch nicht. Das sei jetzt auch noch so: Zwar dürfen die Theaterleute jetzt wieder spielen, aber zum Teil sind die Einschränkungen, vor allem bei der Zuschauerzahl, so groß, dass es sich einfach nicht finanzieren lässt. Umso schöner, wenn es dann doch klappt: "Ich freue mich schon die ganze Woche darauf, hierher zu fahren", verrät Christ.

Ute Wange nennt es "ein großes Glück, ein Stück machen zu können". Das ging in ihrem Fall sogar im Lockdown. "Wir haben Geld bekommen." Der Corona-Zuschuss reichte natürlich nicht. "Wir haben unser Erspartes aufgebraucht." Aber, so sagt Wange – wohl wissend, dass es Kollegen gibt, die das nicht tun konnten – "wir haben beschlossen, dass wir uns nicht ärgern und uns einfach diese freie Zeit nehmen".

"Wert der Kultur sehen"

Auch im Internet waren die beiden unterwegs, haben auf Wunsch eines Veranstalters online live gespielt. Wange ist damit aber nicht zufrieden. Die Kamera sei oft nicht da gewesen, wo sie sein sollte, manches war deshalb gar nicht zu sehen. "Das ist einfach schwierig für den Kameramann", zeigt sie Verständnis. Und der Kontakt zum Publikum fehlte völlig. Für das Figurentheater Vagabündel sei dies keine Altermative zum "analogen" Theater, auch wenn es für manche Kollegen sicher gut funktioniere.

Egal, jetzt darf auch die Kultur endlich wieder vors Publikum. "Wir wünschen uns, dass sich die Situation verbessert, für alle", sagt Wange – denn noch seien viele Auftritte nicht möglich, weil es sich nicht rechnet. "Es fehlt ein bisschen die Zukunft", so formuliert sie es. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Verantwortlichen "den Wert der Kultur sehen" und "von dem vielen Geld, das in die Hand genommen wird", auch die Kultur unterstützen, "damit es weitergeht". Wange bleibt optimistisch. Und sieht die Auftritte in Amberg "als den großen Auftakt" für sich und ihre Kollegen.

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