07.04.2021 - 16:32 Uhr
AmbergOberpfalz

Knappe Mehrheit stimmt für den Fahrrad-Test auf dem Amberger Altstadtring

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Mehr Platz für das Fahrrad auf einem Teil des Amberger Altstadtrings – zumindest für eine Testphase. Ambergs Stadträte wollen mutig denken und entscheiden. Doch nicht alle Menschen wollen das. Unsere Umfrage dazu fällt sehr, sehr knapp aus.

Heute traut sich kaum ein Radfahrer auf den vierspurigen Altstadtring zwischen großem Kreisverkehr und Ziegeltorplatz. Das soll sich durch einen Modellversuch ändern.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Enger hätte das Ergebnis beinahe nicht ausfallen können. "Sind Sie dafür, dass für eine Testphase eine Fahrspur auf dem Amberger Altstadtring für den Fahrradverkehr bestimmt ist?", lautete die Frage von Oberpfalz-Medien an die Leser. 205 Frauen und Männer, die sich an dem Online-Voting beteiligten, fanden die Idee am Ende gut, 201 votierten dagegen, einem war es egal. Damit setzte sich die Fahrrad-Lobby nur um wenige Stimmen durch. Wichtig ist, dass dabei bewusst nicht differenziert wurde, ob der oder die Abstimmende aus der Stadt, dem Landkreis oder der weiteren Umgebung stammt.

Stadtrat muss entscheiden

Nachdem sowohl der Verkehrs- als auch der Bauausschuss signalisiert hatten, dass sie sich einen Test vorstellen können, in dem ein Teilstreifen des Altstadtrings zwischen großem Kreisverkehr und Ziegeltorplatz vorübergehend zur "Protected Bike Lane" umgestaltet wird, muss der Stadtrat am 19. April endgültig entscheiden, ob und wie dieses Experiment ablaufen soll. Vorgeschaltet werden soll aber noch eine gemeinsame Sitzung von Verkehrs- und Bauausschuss, um die Details vorbesprechen zu können. Datiert ist diese aber noch nicht, eventuell sollen auch noch Ortstermine eingeschoben werden.

Der Verkehrsausschuss diskutierte die Testphase

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Baureferent fordert mehr Mut

Baureferent Markus Kühne hatte sowohl vor dem Verkehrs- als auch dem Bauausschuss Werbung gemacht für den Entwurf, der auf die beiden Amberger Fahrradplaner Bettina Teleky und Roman Kick zurückgeht und der auf den Vorschlägen des Amberger Radverkehrskonzepts fußt. Der Stadtrat zeige ja durchaus Mut, wenn es um manche Entscheidungen gehe, sagte Kühne im Bauausschuss. In Sachen Radverkehr fehle dieser dem Gremium aber - noch. Dabei geht es in diesem ersten größeren Test erst einmal darum, zwischen dem großen Kreisverkehr und dem Ziegeltorplatz vorübergehend den rechten Fahrstreifen des Altstadtrings fahrradsicher abzutrennen. Damit würde in diese Fahrtrichtung - und nur in die dürfte dieser dann benutzt werden - eine Art Fahrradweg entstehen. Gleichzeitig soll der Mariahilfbergweg für diese Testphase zur Fahrradstraße gewidmet werden.

Was bedeutet, dass die anderen Verkehrsteilnehmer dann nur noch als "Gäste" dort gedudelt sind und entsprechend Rücksicht zu nehmen haben. ÖPNV und Rettungsdienste können den Mariahilfbergweg noch in beide Fahrtrichtungen nutzen, der MIV - der motorisierte Individualverkehr - kann nur noch in Richtung kleiner Kreisel fahren.

Angelegt ist die Testphase auf die zweite Jahreshälfte 2021, also wenn es draußen relativ warm ist und viele Radfahrer unterwegs sein werden. Wichtig war Oberbürgermeister Michael Cerny in den Vorbesprechungen, dass der Test unter "Real-Bedingungen" stattfinden kann. Also möglichst auch die durch Corona bedingte Reduzierung des Verkehrs wieder vorbei ist. Wichtig war es den Stadträten auch, dass es "flutschen" muss. Dass es also nicht zu langen Staus auf dem Altstadtring kommt, die möglicherweise Menschen aus dem Umland davon abhalten, einen Einkaufsbummel in Amberg zu machen.

Gewaltige Folgen

Sollte der Test gelingen und aus dem Provisorium irgendwann Normalität werden, wird das durchaus gravierende Folgen für die Verkehrslenkung im Klinikviertel haben. Auch in dieser Hinsicht machte Baureferent Markus Kühne aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Ziel muss es seiner Aussage nach sein, möglichst viel des heute dort anfallenden Verkehrs in das große und meist sehr leerstehende Goldbeck-Parkhaus an der Marienstraße zu bringen. Ein Einbahnregelung in eben dieser Marienstraße, eine Reduzierung der Längsparkplätze dort oder eine generelle Neulenkung des Verkehrs aus Richtung Raigering nannte Kühne als mögliche "Folgen" dieses in seinen Augen verkehrstechnisch unbedingt notwendigen Umbaus.

Auch der Bauausschuss macht sich Gedanken

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Das Ergebnis unserer Online-Umfrage fiel denkbar knapp aus. Der Vorsprung der Befürworter einer Testphase für den Fahrradverkehr beträgt nur vier Stimmen.
Hintergrund:

So soll die Testphase am Altstadtring aussehen

  • Östlich des Kaiser-Ludwig-Ringes zwischen Nabburger Torplatz und Ziegeltorplatz wird eine Protected-Bike-Lane installiert und die Fahrstreifen des MIV (Motorisierter Individualverkehr) am Kaiser-Ludwig-Ring in besagtem Bereich von durchgängigen vier auf durchgängige drei Fahrstreifen reduziert.
  • Die Unterführung am Mariahilfbergweg wird zu einer Fahrradstraße umgestaltet, mit der Freigabe für Rettungsfahrzeuge und ÖPNV in beide Richtungen und für den MIV stadtauswärts.
  • Die Kosten für den Modellversuch liegen bei insgesamt 65.000 Euro, 50.000 Euro davon fallen auf die Baukosten, 10.000 Euro auf den Unterhalt samt Verkehrszählung, 5000 Euro auf den Rückbau.
Kommentar:

Radl-Test könnte Anfang sein

Das war knapp, sehr knapp. Nur eine hauchdünne Mehrheit der (nichtrepräsentativen) Teilnehmer an unserer Online-Umfrage haben dafür gestimmt, den Altstadtring vorübergehend zum Testfeld für mehr Fahrrad in der Stadt Amberg zu machen. Aber immerhin, es ist die Mehrheit und ein Votum dafür, in Sachen Radverkehr mehr Mut zu zeigen.

Doch das knappe Ergebnis zeigt auch, dass es Vorbehalte gibt. Dass Menschen fürchten, künftig mit ihren Autos ständig im Stau auf dem Altstadtring zu stehen. Ältere Mitbürger haben Angst, die Fahrt zum Arzt könnte für sie zur Tortur werden. Abgesehen davon, dass niemand gebrechliche Menschen daran hindern will, mit ihrem Auto zur Praxis zu fahren, demonstriert diese Befürchtung ein grundsätzliches Dilemma unserer Gesellschaft, die sich über das Auto definiert und vom Auto aus denkt. Stadtplanung ist auch und gerade in Amberg bis heute Autoplanung. Dabei müsste es gerade umgekehrt laufen. Nämlich so zu planen, dass das Auto möglichst wenig oder gar nicht gebraucht wird.

Große, bequeme Fahrradstraßen, Parkhäuser mit angeschlossenem Fahrradverleih oder ein attraktives Nahverkehrssystem sind ein paar wenige Elemente dieses Umdenkens, das in anderen Ländern Europas und Deutschlands schon begonnen hat. Der Test am Altstadtring könnte ein erster und eigentlich ganz kleiner Schritt in diese Richtung sein.

Von Andreas Ascherl

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Kommentare

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Günter Pflamminger

Servus!
Also grundsätzlich und zum Kommentar:
Ich habe als Radfahrer dagegen gestimmt, das mit den Autos bleibt abzuwarten ...
Das ist so ziemlich die ungeeignetste (dümmste?) Stelle für so einen Test.
Es ist auf der anderen Seite ein, für Amberger Verhältnisse, brauchbarer (offizieller?) Radweg vorhanden, mit nur einer Querung, der Bahnhofstraße.
Auf der geplanten Seite sind eine Unmenge hochfrequentierter Ein- und Ausfahrten da: Kino, Bahnunterführung, Bahnhof, 2 x Busbahnhof, Netto.
Dass das zu Problemen führt muss ich hier nicht näher beschreiben ...
Also besser den andersseitigen Radweg verbessern.
Und nicht nur MACHEN (obwohl das Deutschland auch mal gut täte, aber sinnvoll!) sondern auch DENKEN!
Danke!

08.04.2021